Beispiele gibts genug, die Dummen sterben nie aus:
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Mercuria-Konkurs wird zum Anlage-Kriminalfall
WELS/LINZ. 900 Kunden der Welser Mercuria haben erst
vergangene Woche erfahren, dass ihr vermeintlicher Anleger bereits im Jänner in Konkurs gegangen ist. Es
könnten noch mehr Anleger geschädigt sein.
Der Konkurs der Mercuria Holding & Management
GmbH im Jänner 2006 schien ein alltäglicher Fall zu sein. Als Firmenzweck war angegeben, dass unter dem
Holdingdach ein Franchisesystem für WellnessStudios betrieben werde. Davon ging der Masseverwalter
Heinrich Oppitz aus, als er den Akt übernahm. "Es gab keinen Hinweis auf Anlagegeschäfte."
Erst allmählich stellte sich heraus, dass an der Adresse in der Karl-Loy-Straße in Wels nicht
Gesundheitsfirmen hochgezogen wurden, sondern auf dem Firmenkonto viel Geld von Anlegern aus Österreich
und angrenzenden Ländern geparkt worden war. Außer dem Konto gab es nichts, nicht einmal ein Telefon
war angemeldet.
Mercuria als Teil der VIP
Die wahren Geschäfte liefen in Wörgl
zusammen. Die Gesellschafter der Mercuria waren auch die Hauptakteure der Very Innovativ Produkt
Handelsgesellschaft (VIP). Unter deren "Handelsaktivitäten" ist ein Geschäftsmodell nach dem Vorbild
von Pyramidenspielen zu verstehen. Die VIP und ihre Töchter VIP TET-Forex NC und eine VIP Profit-Sharing
Ltd. haben einen Devisenhandel aufgezogen und viele Anleger dafür begeistert. Versprochen wurden 0,7 bis
ein Prozent Zinsen pro Tag (!).
Ab Ende 2003 wurden Anleger geworben. Binnen weniger Monate
dürften laut Oppitz neun Millionen Euro akquiriert worden sein. Jedenfalls so viel, dass die Banken der
VIP-Gruppe stutzig geworden sind und die Konten geschlossen haben, heißt es im Bericht des
Masseverwalters.
Um an neue Konten zu kommen, wurde der Firmenmantel der Welser Mercura
aktiviert. Diese hatte der Hauptgesellschafer der VIP-Gruppe, Walter Stumpfer, gegründet. Partner war -
wie bei der Firma in Tirol - Wilhelm Bösl. Im Oktober 2004 wurde die Staatsanwaltschaft Innsbruck auf
die VIP-Gruppe aufmerksam. Gegen Bösl und Stumpfer wird seither wegen des Verdachts des Anlagebetrugs
ermittelt. Konten sind beschlagnahmt, fehlende Gelder dürften in der Schweiz und den USA gelandet sein.
Stumpfer, für den wie Bösl die Unschuldsvermutung gilt, sitzt in Untersuchungshaft.
Beschlagnahmte Unterlagen
Oppitz konnte aufgrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
monatelang nicht auf die beschlagnahmten Kontounterlagen der Mercura zugreifen. Erst seit Ende August hat
er diese zur Verfügung. In mühevoller Kleinarbeit wurden jetzt die Namen der Geschädigten
herausgearbeitet.
Der Alpenländische Kreditorenverband hat vergangene Woche brieflich 900
Geschädigte informiert. "Seither steht das Telefon nicht mehr still", sagt Klemens Moser, der im
AKV-Büro Linz den Fall bearbeitet.
Die Anleger, die zwischen 3000 und 50.000 Euro angelegt
haben, waren völlig überrascht, dass ihr Geld weg sein soll. Auf eigenen Internet-Seiten hätten sie
die Entwicklung ihres Geldes doch mitverfolgen können, berichten Geschädigte.
Der AKV geht
davon aus, dass die Zahl der Geschädigten noch steigt. "Ob es 1000 oder 4000 sind, ist noch völlig
offen", sagt Geschäftsstellenleiter Franz Loizenbauer.
Geschäftsmodell
Bei
Großveranstaltungen und im Internet wurde das Geschäftsmodell - Devisenhandel mit spektakulären
Renditen - vorgestellt. Die Anleger wurden typisch stille Gesellschafter und haben
"Gewinnvorauszahlungen" erhalten. Dies war aber Geld neuer Kunden. Frühe Anleger, die noch Geld erhalten
haben, haben Kunden im Freundeskreis geworben. Die VIP ist nicht mehr aktiv, ein Konkursantrag wurde Ende
2005 zurückgewiesen.
OÖnachrichten vom 03.10.2006