DJ Nabucco und Shahdeniz-Konsortium einigen sich über Kooperation
Von Ali Uluçay
Die Gasproduzenten im Shahdeniz-Konsortium haben sich eine 50-prozentige Option am Pipeline-Konsortium Nabucco gesichert. Voraussetzung für eine Beteiligung ist jedoch, dass Nabucco als Transportroute für aserbaidschanisches Gas aus Shahdeniz nach Europa gewählt wird, wie beide Gesellschaften mitteilten. Darüber hinaus wollen die Nabucco-Partner und das Shahdeniz-Konsortium - dem unter anderem BP, Statoil, Total und Socar angehören - den Bau der Leitung von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Österreich gemeinsam finanzieren. Vorher wollen sich die Shahdeniz-Partner zudem an den Kosten für die Nabucco-Projektentwicklung beteiligen.
Der offizielle Vertrag soll in den nächsten Tagen in Wien unterzeichnet werden, teilte Nabucco weiter mit. Damit erhöhen sich die Chancen für Nabucco deutlich, im Rennen um aserbaidschanisches Gas den Zuschlag zu erhalten. Das Förderkonsortium Shahdeniz will bis Juni dieses Jahres entscheiden, ob Nabucco oder das Konkurrenzprojekt TAP (Transadriatic Pipeline) als Lieferroute gewählt wird. Das letzte Wort in der Fördergesellschaft hat allerdings die staatliche aserbaidschanische Gesellschaft Socar.
Auf jeden Fall wird sich die Eigentümerstruktur von Nabucco stark verändern. RWE hatte seinen Ausstieg bereits angekündigt. So verbleiben die bisherigen Gesellschafter OMV, Botas (Türkei), MOL (Ungarn), Transgaz (Rumänien) und Bulgarian Energy Holding (BEH) sowie die künftigen Investoren Socar, BP, Statoil und Total.
Geplant ist, ab 2018 jährlich rund zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Aserbaidschan in die EU-Staaten zu bringen. Den Transport aus Shahdeniz über Georgien und durch die Türkei bis nach Bulgarien will ein türkisch-aserbaidschanisches Pipeline-Konsortium - TANAP - übernehmen. Um den Weitertransport bewerben sich Nabucco und TAP seit einem Jahr.
Für die Shahdeniz-Partner hat der Einstieg bei Nabucco eine besondere strategische Bedeutung: "Nabucco ist ein großes Projekt, wir wollen uns daran beteiligen", sagte ein BP-Sprecher Dow Jones Energy Daily. Für die Gasproduzenten sei es enorm wichtig, gleichzeitig auch den Transport zu kontrollieren oder zumindest mitzubestimmen. Auch der aserbaidschanische Staatskonzern Socar hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, sich an Pipelines für die Gaslieferungen nach Europa beteiligen zu wollen.
So wären die Gasproduzenten nicht mehr einseitig abhängig von den Gasnetzbetreibern bzw -transporteuren. Außerdem könne Socar seinen Rohstoff auf diese Weise unter Umgehung der Nordroute über Russland und die Ukraine nach Europa liefern.
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January 10, 2013 06:02 ET (11:02 GMT)
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