Stärkstes Produktionswachstum in der Eurozone seit 41 Monaten im August

Stärkstes Produktionswachstum in der Eurozone seit 41 Monaten im August



Ergebnisse auf einen Blick:

HCOB Einkaufsmanagerindex Industrie Eurozone bei 50,7 (Juli: 49,8), 38-Monatshoch
HCOB Industrie Eurozone Index Produktion bei 52,5 (Juli: 50,6), 41-Monatshoch
Auftragszuwachs sorgt für stärkste Produktionssteigerung seit knapp dreieinhalb Jahren

Die stärkste Produktionssteigerung seit März 2022 und der erste Auftragszuwachs seit knapp dreieinhalb Jahren trieben den HCOB Einkaufsmanagerindex für die Eurozone-Industrie im August nach längerer Rückgangsphase wieder über die neutrale Wachstumsmarke von 50 Punkten. Vor allem die Binnennachfrage sorgte diesmal für vollere Auftragsbücher, während die Exporte zum zweiten Mal hintereinander sanken.

Gleichzeitig nahmen die Lagerbestände wegen der verstärkten Reduzierung der Einkaufsmenge mit beschleunigter Rate ab, obwohl sich die Lieferzeiten abermals verlängerten. Die Einkaufspreise stiegen erstmals seit März wieder minimal, und die Verkaufspreise wurden reduziert.

Mit 50,7 Punkten nach 49,8 im Juli signalisierte der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Industrie Eurozone erstmals seit Juni 2022, dass sich die Geschäftslage der Unternehmen im August wieder verbessert hat. Der Index spiegelt das Geschäftsklima in der Eurozone-Industrie in einem Wert wider.

Der Großteil der von den PMI-Umfragen erfassten Länder vermeldete im August Wachstum. Deutschland und Österreich waren die Ausnahmen, obwohl der deutsche PMI mit seinem 38-Monatshoch eine annähernde Stabilisierung der Geschäftslage signalisierte und die Industrie Österreichs nur noch minimale Einbußen zu verzeichnen hatte. Spitzenreiter der PMI-Rangliste war Griechenland, dicht gefolgt von Spanien, in beiden Ländern ging es kräftig aufwärts. Moderate Zuwächse vermeldeten die Niederlande und Irland, Frankreich und Italien hingegen nur leichte.

Die sechste Produktionssteigerung in Folge fiel im Berichtsmonat so stark aus zuletzt im März 2022. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die anziehende Binnennachfrage, die den Unternehmen das erste Gesamt-Auftragsplus seit knapp dreieinhalb Jahren bescherte. Die Exporte gingen hingegen mit beschleunigter Rate zurück.

Trotz des neuerlichen Auftragszuwachses standen die Kapazitäten keineswegs unter Druck, was die 39. Abnahme der Auftragsbestände in Folge zeigte. Die Beschäftigung sank diesmal nur noch minimal und so langsam wie selten zuvor seit Beginn des Jobabbaus vor 27 Monaten.

Die Lagerbestände wurden nicht nur ein weiteres Mal reduziert, die Bestände an Vormaterialien und Fertigwaren nahmen sogar wieder stärker ab als in den zurückliegenden vier Monaten. Trotz leicht beschleunigter Rate wurde die Einkaufsmenge im August weniger stark reduziert als im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre. Der Lieferdruck nahm hingegen zu, was die stärkste Verlängerung der Lieferzeiten seit November 2022 zeigte.

Die Einkaufspreise legten erstmals seit fünf Monaten wieder geringfügig zu, und die Verkaufspreise wurden minimal reduziert.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen fast genauso optimistisch aus wie im Juli und lagen damit erneut knapp über ihrem Langzeit-Durchschnittswert.

Rangliste der Industrie-PMIs im August:

Griechenland 54,5 5-Monatshoch
Spanien 54,3 10-Monatshoch
Niederlande 51,9 unverändert
Irland 51,6 5-Monatstief
Frankreich 50,4 (Flash: 49,9) 31-Monatshoch
Italien 50,4 17-Monatshoch
Deutschland 49,8 (Flash: 49,9) 38-Monatshoch
Österreich 49,1 37-Monatshoch

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:

"Die Konjunkturerholung im Verarbeitenden Gewerbe gewinnt an Breite, denn in sechs der acht von den PMI-Umfragen erfassten Länderwächst die Industrie, während das im Vormonat nur in vier Staaten der Fall war. Im Ergebnis hat der PMI für die Eurozone das erste Mal seit Mitte 2022 die Expansionsschwelle überschritten, vor allem weil die Unternehmen ihre Produktion beschleunigt hochgefahren haben. Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung machen auch die Auftragseingänge, bei denen die Firmen mehr als drei Jahre lang durchgehend Rückgänge verbuchen mussten, nunmehr aber einen leichten Anstieg verzeichnen konnten.

Die Auftragseingänge im Inland sind gestiegen und wirken der nachlassenden Nachfrage aus dem Ausland entgegen. Tatsächlich dürfte es das beste Rezept gegen die US-Zölle sein, die Inlandsnachfrage, auch innerhalb des EU-Binnenmarktes, zu stärken. Das Potenzial dafür ist hoch, denn laut dem Internationalen Währungsfond liegt das Zolläquivalent der vielen nicht-tarifären Handelshemmnisse in der EU bei 44 %. Unternehmen hoffen hier möglicherweise auf Fortschritte, denn immerhin hat sich bei ihnen ein gewisser Optimismus verfestigt, dass sie in 12 Monaten mehr produzieren werden als heute.

Die Erholung ist da, bleibt aber fragil. So werden die Lagerbestände weiter abgebaut und der leicht beschleunigte Rückgang der Auftragsbestände zeigt, dass die Unternehmen weiterhin verunsichert sind. Das ist angesichts der US-Zollpolitik und den geopolitischen Verwerfungen nicht weiter verwunderlich. Wir sehen die Tatsache, dass in diesem Umfeld die Produktion hochgefahren wird und mehr Aufträge registriert werden als ein Zeichen der Resilienz."