Eurozone-Auftragseingang wächst erstmals seit 15 Monaten
Eurozone-Auftragseingang wächst erstmals seit 15 Monaten
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Flash Eurozone Composite PMI(1) bei 51,1 (Juli: 50,9), 15-Monatshoch.
HCOB Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit(2) bei 50,7 (Juli: 51,0), 2-Monatstief.
HCOB Flash Eurozone Index Industrieproduktion(4) bei 52,3 (Juli: 50,6), 41-Monatshoch.
HCOB Flash Eurozone Industrie PMI(3) bei 50,5 (Juli: 49,8), 38-Monatshoch.
Die Unternehmen der Eurozone verzeichneten im August erstmals seit Juni 2024 wieder Zuwächse beim Auftragseingang.
Wie die aktuelle PMI-Vorabschätzung ergab, trug dies maßgeblich zum stärksten Geschäftswachstum seit 15 Monaten bei.
Auch der Stellenaufbau setzte sich zum sechsten Mal hintereinander fort.
Gleichzeitig nahm der Inflationsdruck wieder zu, was der beschleunigte Anstieg der Ein- und Verkaufspreise zeigte.
Produktion und Nachfrage
Der saisonbereinigte HCOB Flash Eurozone Composite PMI - der auf etwa 85% der üblichen Rückmeldungen basiert und von S&P Global erstellt wird - legte im August den dritten Monat in Folge zu und erreichte mit 51,1 Punkten nach 50,9 im Juli den höchsten Wert seit Mai 2024. Seit acht Monaten weist der Index nun bereits Wachstum aus.
Zugpferd war diesmal das Verarbeitende Gewerbe, wo die Produktion so stark hochgefahren wurde wie zuletzt vor knapp dreieinhalb Jahren. Die Geschäftstätigkeit im Servicesektor wuchs indes zwar zum dritten Mal hintereinander, allerdings mit abgeschwächter Rate.
In Deutschland – der größten Volkswirtschaft des Euroraums – fiel das dritte Wirtschaftswachstum in Folge dank einer kräftigen Produktionssteigerung in der Industrie so kräftig aus wie seit März nicht mehr, die Steigerungsrate blieb jedoch wegen der verhaltenen Entwicklung bei den Dienstleistern niedrig. Frankreich näherte sich der Stabilisierung weiter an. Hier sank die Wirtschaftsleistung nur noch minimal und mit der niedrigsten Rate seit einem Jahr. Die übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Länder vermeldeten leicht abgeschwächtes Wachstum.
Der Auftragseingang wies nach 14-monatigem Rückgang erstmals wieder ein kleines Plus aus, was auf Zuwächse sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Servicesektor zurückzuführen war. In der Industrie war es sogar das erste Plus seit April 2022. Bei den Exporten (inklusive des Intra-Eurozone-Handels) mussten die Unternehmen hingegen – wie bereits seit März 2022 – Verluste hinnehmen, die noch dazu höher ausfielen als in den vier Monaten zuvor.
Beschäftigung
Der Stellenaufbau setzte sich den sechsten Monat in Folge fort. Trotz nur moderatem Zuwachs stiegen die Mitarbeiterzahlen so deutlich wie zuletzt im Juni 2024, was jedoch ausschließlich auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen war. Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung hingegen ein weiteres Mal. In Frankreich stieg sie im August wieder, in Deutschland sank sie leicht, und die übrigen erfassten Länder vermeldeten ebenfalls einen moderaten Jobaufbau.
Trotz neuerlicher Auftragszuwächse wurden die Auftragsbestände - wie bereits seit April 2023 - abgebaut. Aufgrund des beschleunigten Stellenaufbaus sanken die Bestände etwas zügiger als noch im Juli.
Preise
Der kräftigere Anstieg der Ein- und Verkaufspreise sorgte dafür, dass der Inflationsdruck wieder leicht zunahm. Die Einkaufspreise legten signifikant und mit der höchsten Rate seit fünf Monaten zu, der Langzeitdurchschnitt wurde jedoch unterschritten. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete erstmals seit fünf Monaten wieder geringfügig steigende Einkaufspreise, im Servicesektor fiel die Verteuerung so stark aus wie seit März nicht mehr.
Da die höheren Kosten an die Kunden weitergegeben wurden, beschleunigte sich der Anstieg der Verkaufspreise leicht und fiel deutlicher aus als in den drei Vormonaten. In Deutschland und Frankreich wurden die Verkaufspreise kräftiger angehoben als zuletzt, in den übrigen erfassten Ländern schwächte sich der Anstieg auf ein vorläufiges Jahrestief ab.
Lagerhaltung und Lieferketten
In der Industrie wurde die Einkaufsmenge zwar wieder stärker reduziert als im Juli, die Rate war jedoch die zweitniedrigste seit über drei Jahren. Die Bestände an Vormaterialien und Fertigwaren sanken zügiger als in den zurückliegenden vier Monaten. Die Lieferzeiten verlängerten sich den dritten Monat in Folge und so sehr wie seit November 2022 nicht mehr.
Ausblick
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist gaben im August zum zweiten Mal hintereinander nach und fielen mit ihrem Vier-Monatstief auch weniger optimistisch aus als im langjährigen Mittel.
Gesunken ist die Zuversicht in beiden von der Umfrage erfassten Sektoren in Deutschland, Frankreich und den übrigen betrachteten Ländern. In Frankreich war der Ausblick sogar erstmals seit neun Monaten wieder pessimistisch.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
“Die Lage bessert sich. Die Geschäftstätigkeit hat sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor zugenommen. Gesamtwirtschaftlich sehen wir leicht beschleunigtes Wachstum über die vergangenen drei Monate. Offensichtlich kommen die Unternehmen der Eurozone trotz der widrigen Umstände im Zusammenhang mit den US-Zöllen und der allgemeinen Unsicherheit relativ gut zurecht. Hier dürfte sich der Binnenmarkt und insbesondere die Tatsache, dass sowohl bei den Exporten als auch im Tourismus die Umsätze vor allem innerhalb der EU generiert werden, positiv bemerkbar machen.
Die Europäische Zentralbank dürfte angesichts des zunehmenden Kostendrucks im Servicesektor etwas zusammenzucken, setzt sie doch darauf, dass sinkende Lohnzuwächse zu einer rückläufigen Inflation in diesem für die gesamte Teuerungsrate so wichtigen Sektor beitragen. Etwas beruhigend könnte sich allerdings der Umstand auswirken, dass die Inflation der Verkaufspreise der Dienstleister praktisch unverändert geblieben ist.
Im Verarbeitenden Gewerbe haben die Unternehmen ihre Produktion sechs Monate in Folge erhöht. Angeführt wurde dieser Trend vor allem von Deutschland. Die bremsende Wirkung Frankreichs, die im Juni und Juli etwas ausgeprägter war, ist im August kaum noch zu spüren gewesen. Ähnliches gilt für den Dienstleistungssektor, wo die Rezession in Frankreich allmählich auszulaufen scheint, während Deutschland ein – wenn auch marginales – Plus verzeichnet.
Die Zollpolitik der USA hinterlässt Spuren. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind in der Eurozone-Industrie den zweiten Monat in Folge gefallen. Deutschland schnitt hier in den vergangenen Monate noch recht gut ab (was auch mit vorgezogenen Einkäufen aus den Vereinigten Staaten zu tun haben dürfte), muss nun aber auch Auftragsverluste hinnehmen. Frankreich hat sich zwar aus dem tiefen Loch rückläufiger Exporte befreit, verbucht aber weiterhin fallende Auftragseingänge.“