Deutschland: Aufschwünge bei Produktion, Auftragseingängen und Exporten verlieren im Juli an Dynamik
Deutschland: Aufschwünge bei Produktion, Auftragseingängen und Exporten verlieren im Juli an Dynamik
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland bei 49,1 (Juni: 49,0), 35-Monatshoch
HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland Index Produktion bei 50,6 (Juni: 51,9), 5-Monatstief
Beschäftigung schrumpft so geringfügig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
Den aktuellen Daten zum HCOB Einkaufsmanagerindex zufolge stieg die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands im Juli den fünften Monat in Folge an. Allerdings fiel der Zuwachs weniger stark aus als zuletzt, da die Unternehmen sowohl bei Auftragseingängen als auch bei Exporten geringere Zuwächse verbuchten.
Erfreulicher ist da, dass sich der Jobabbau deutlich verlangsamt hat und die Beschäftigung so geringfügig zurückging wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Unterm Strich blieben die Hersteller relativ optimistisch hinsichtlich ihrer Wachstumschancen binnen Jahresfrist, auch wenn die Zuversicht gegenüber dem Hoch von Juni etwas nachließ.
Derweil gingen die Einkaufspreise ein weiteres Mal zurück, aber weniger kräftig als im Vormonat. Begründet wurde dies oftmals mit der schwindenden Preismacht der Zulieferer und dem starken Euro. Der hohe Wettbewerbsdruck führte zudem dazu, dass viele Unternehmen Kosteneinsparungen an ihre Kunden weitergaben, sodass die Verkaufspreise zum dritten Mal in Folge und so deutlich wie seit Februar nicht mehr sanken.
Der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Deutschland - ein Indikator, der das Geschäftsklima anhand der Kennzahlen für Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormaterialbestände in einem Wert abbildet - lag im Juli mit 49,1 Punkten marginal über dem Vormonatswert (49,0) und auf dem höchsten Stand seit fast drei Jahren. Positive Impulse kamen von den Indizes Beschäftigung, Vormateriallager und Lieferzeiten. Sie glichen die schwächeren Anstiege sowohl bei der Produktion als auch bei den Auftragseingängen aus.
Die jüngste Produktionsausweitung war die geringste in der seit März anhaltenden Wachstumsphase. In den meisten Fällen stieg die Fertigung infolge höherer Auftragseingänge, obgleich die Zahl der Neuaufträge insgesamt weniger stark zunahm als im Vormonat. Das Exportgeschäft wuchs derweil den vierten Monat hintereinander, jedoch ebenfalls langsamer im Vergleich zum 40-Monatshoch von Juni.
Die Auftragsbestände sind erneut gesunken, allerdings mit der geteilt-niedrigsten Rate seit über drei Jahren.
Angesichts erster Anzeichen eines sich abmildernden Kapazitätsdrucks bauten viele Hersteller weniger Personal ab als zuletzt. So wurde bei der Beschäftigung das kleinste Minus seit September 2023 verzeichnet.
Gleichzeitig wuchs die Einkaufsmenge den zweiten Monat in Folge, wenn auch nur minimal. Dagegen sanken die Lagerbestände abermals, was teilweise dem höheren Produktionsbedarf zugeschrieben wurde. Die Reduzierung fiel aber so schwach aus wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr. Derweil schrumpften die Fertigwarenlager stärker.
Bei den durchschnittlichen Vorlaufzeiten wurde indes die geringfügigste Verkürzung seit achtzehn Monaten registriert.
Die Einkaufspreise verbilligten sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte erneut, was meist erfolgreichen Verhandlungen mit Zulieferern oder günstigen Wechselkursen zugeschrieben wurde.
Der Kostenrückgang verlangsamte sich jedoch und war der schwächste seit März. Im Gegensatz dazu senkten viele Hersteller ihre Verkaufspreise deutlicher, sodass diese mit der kräftigsten Rate seit fünf Monaten zurückgingen.
Bei der Einschätzung der Geschäftstätigkeit in zwölf Monaten zeigt sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmer weiterhin optimistisch. Demnach nahm die Zuversicht im Vergleich zum 40-Monatshoch von Juni zwar etwas ab, rangiert aber immer noch über dem Langzeitmittel. Die am häufigsten genannten Gründe dafür waren die Einführung neuer Produkte, die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur und einen baldigen Anstieg der Investitionen.
Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"Die Erholung im Verarbeitenden Gewerbe verläuft mühsam. Der EMI steigt zwar seit Jahresbeginn fast ununterbrochen, aber die Wachstumsschwelle wurde immer noch nicht überschritten. Unter anderem signalisiert der andauernde und rasante Lagerabbau, dass die Unternehmen noch nicht auf einen nachhaltigen Aufschwung umgeschaltet haben, sondern lieber vorsichtig bleiben. Dazu passt auch, dass der Optimismus sich zuletzt wieder etwas eingetrübt hat.
Die Nachfrageerholung wird zuletzt vor allem aus dem Ausland gespeist. Vier Monate in Folge sind die Exportaufträge gestiegen. Während dies im Frühjahr mit vorgezogenen US-Importen in Verbindung gebracht werden konnte, ist die im Frühsommer anhaltende gute Auslandsnachfrage ein Indiz dafür, dass sich die Lage fundamental bessert. Das Ende Juli vereinbarte Zollabkommen zwischen der EU und den USA bedeutet zwar, dass US-Importeure in Zukunft möglicherweise weniger Güter aus Deutschland kaufen. Gleichzeitig aber dürfte sich die Unsicherheit auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, was der Nachfrage insgesamt helfen sollte.
Der klarste Indikator einer Erholung zeigt sich am Index Produktion, der bereits seit fünf Monaten eine Steigerung anzeigt. Die Expansionsrate hat sich zuletzt jedoch deutlich abgeschwächt, was vor allem auf den Konsumgütersektor zurückzuführen ist, während im Bereich der Kapitalgüter die Produktion robust gewachsen ist. Dies deutet darauf hin, dass die vom Konsum der Privathaushalte abhängige Binnennachfrage etwas schwächelt, während die Exportnachfrage, die entscheidend für die Kapitalgüterindustrie ist, besser dasteht.“