Stärkstes Eurozone-Wachstum seit elf Monaten dank Stabilisierung des Auftragseingangs
Stärkstes Eurozone-Wachstum seit elf Monaten dank Stabilisierung des Auftragseingangs
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Flash Eurozone Composite PMI bei 51,0 (Juni: 50,6), 11-Monatshoch.
HCOB Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 51,2 (Juni: 50,5), 6-Monatshoch.
HCOB Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 50,7 (Juni: 50,8), 4-Monatstief.
HCOB Flash Eurozone Industrie PMI bei 49,8 (Juni: 49,5), 36-Monatshoch.
Das Wachstum der Eurozone-Wirtschaft hat im Juli dank der Stabilisierung des Auftragseingangs weiter an Dynamik gewonnen und ist so stark ausgefallen wie seit knapp einem Jahr nicht mehr. Wie die aktuelle PMI-Vorabschätzung weiter signalisiert, legte die Beschäftigung ebenfalls mäßig zu, während der Ausblick etwas weniger optimistisch war als zuletzt.
Der Anstieg der Einkaufspreise schwächte sich ab, die Verkaufspreise wurden hingegen ebenso stark angehoben wie im Juni.
Produktion und Nachfrage
Der saisonbereinigte HCOB Flash Eurozone Composite PMI - der auf etwa 85% der üblichen Rückmeldungen basiert und von S&P Global erstellt wird – kletterte im Juli auf 51,0 Punkte von 50,6 im Juni und signalisierte damit den siebten Monat in Folge Wachstum. Die Steigerungsrate blieb zwar moderat, sie beschleunigte sich jedoch zum zweiten Mal hintereinander und fiel so hoch aus wie zuletzt im August 2024.
Zugelegt haben sowohl die Industrieproduktion als auch die Geschäftstätigkeit im Servicesektor, doch erstmals seit vier Monaten hatten die Dienstleister mit dem stärksten Wachstum seit Januar wieder die Nase vorn. Gleichzeitig wurde die Produktion in der Industrie nur minimal und etwas schwächer ausgeweitet als im Juni.
Auf Länderebene liefen die Entwicklungen auseinander. Deutschlands Wirtschaftsleistung stieg den zweiten Monat in Folge geringfügig, Frankreichs Wirtschaftskraft schrumpfte erneut, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit Beginn der rezessiven Phase vor elf Monaten. In den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern ging es solide aufwärts, hier wuchs die Wirtschaft so stark wie zuletzt im Februar.
Nachdem er 13 Monate lang auf Rückgangsterrain notierte, stabilisierte sich der Auftragseingang im Juli wieder.
Allerdings wurde der erste Zuwachs bei den Serviceanbietern seit sechs Monaten vom neuerlichen Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe kompensiert. Während der Gesamt-Auftragseingang damit stabil blieb, sanken die Exporte (inklusive des Intra-Eurozone-Handels) zwar erneut nur mäßig, jedoch etwas stärker als im Juni. Seit März 2022 weisen die Exporte nun bereits ununterbrochen ein Minus aus.
Beschäftigung
Infolge des erneuten Wachstums und der Stabilisierung beim Neugeschäft setzte sich der Stellenaufbau in der Eurozone im Juli zwar zum fünften Mal nacheinander fort, er fiel jedoch genauso mager aus wie im Vormonat. Im Servicesektor stieg die Beschäftigung, im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich der Stellenabbau hingegen fort, allerdings mit der niedrigsten Rate seit Juni 2023. Dass die Beschäftigtenzahlen zulegten, war allerdings ausschließlich auf den stärksten Jobaufbau seit über einem Jahr in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern zurückzuführen, während sie in den zwei größten Volkswirtschaften des Euroraums Deutschland und Frankreich erneut sanken.
Der Rückgang der Auftragsbestände verlangsamte sich im Berichtsmonat zum zweiten Mal hintereinander und fiel so schwach aus wie zuletzt im April 2023.
Preise
Der Anstieg der Einkaufspreise schwächte sich insgesamt auf ein 9-Monatstief ab und war damit niedriger als im langjährigen Mittel. Bei den Serviceanbietern verlangsamte sich der Preisauftrieb, im Verarbeitenden Gewerbe sanken die Einkaufspreise mit der niedrigsten Rate seit vier Monaten und damit nur noch minimal.
Nach zweimonatigem Rückgang blieben die Verkaufspreise in der Industrie im Juli konstant, während sich der Anstieg der Angebotspreise im Servicesektor abschwächte. Insgesamt stiegen die Verkaufspreise in der Eurozone damit genauso moderat wie im Juni. In Deutschland wurden die Verkaufspreise weniger deutlich angehoben als zuletzt, in Frankreich und in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern hingegen stärker als im Juni.
Lagerhaltung und Lieferketten
Im Verarbeitenden Gewerbe verlangsamte sich die Reduzierung der Einkaufsmenge zum achten Mal hintereinander und fiel so schwach aus wie nie seit Beginn des Rückgangs vor über drei Jahren.
Folglich sanken die Bestände an Vormaterialien so langsam wie seit März 2023 nicht mehr, und die Bestände an Fertigwaren nahmen mit der niedrigsten Rate seit zehn Monaten ab. Die Lieferzeiten verlängerten sich den zweiten Monat in Folge, diesmal mit der zweithöchsten Rate seit November 2022 (und damit genauso stark wie im Januar 2024). Insgesamt blieb sich die Verlängerung jedoch moderat.
Ausblick
Nachdem die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Juni auf ein 11-Monatshoch geklettert waren, gaben sie im Juli in beiden Sektoren leicht nach und waren damit auch insgesamt wieder weniger optimistisch als im langjährigen Mittel. In Frankreich sank die Zuversicht, nachdem sie sich im Juni sprunghaft verbessert hatte. In Deutschland stiegen die Aussichten auf ein 14-Monatshoch, in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern auf den höchsten Wert seit Februar.
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
“Ganz allmählich scheint die Konjunktur in der Eurozone wieder Fuß zu fassen. Die Rezession im Verarbeitenden Gewerbe neigt sich dem Ende zu und im Dienstleistungssektor hat sich das Wachstum im Juli etwas beschleunigt. Unser BIP Nowcast, der auch die HCOB Flash PMIs berücksichtigt, kommt für das dritte Quartal auf ein robustes Wirtschaftswachstum. Allerdings sind noch weitere Daten abzuwarten, bevor dieser Einschätzung zu viel Gewicht gegeben werden sollte.
Fünf Monate in Folge ist die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe vorsichtig ausgeweitet worden. Deutschland spielt dabei eine entscheidende Rolle und war zusammen mit anderen Ländern in der Lage, die Schwäche in Frankreich überzukompensieren. Damit das Verarbeitenden Gewerbe aber dauerhaft in der Eurozone wieder auf einen soliden Wachstumskurs kommt, muss auch Frankreichs Industrie wieder anziehen. Die derzeit unsicheren politischen Verhältnisse in Paris sind auf diesem Weg sicherlich ein Hindernis.
In Deutschland zeichnet sich für Juli ein leichtes Wachstum, in Frankreich hingegen eine leichte Schrumpfung ab. Dieser Kontrast dürfte unter anderem mit dem politischen Umfeld zu tun haben. In Frankreich ist dieses von massiven Haushaltseinsparungen und einem drohenden Misstrauensvotum gegen den Premierminister François Bayrou gekennzeichnet. In Deutschland hingegen kann die Wirtschaft auf höhere Staatsausgaben hoffen, die idealerweise mit höheren privaten und öffentlichen Investitionen einhergehen werden. Wie belastet die Stimmung ist, zeigt sich an den Zukunftsaussichten in Frankreich, die im Verarbeitenden Gewerbe um rund acht Punkte gesunken sind, ein ungewöhnlich tiefer Fall. In Deutschland ist der entsprechende Index nur um etwa zwei Punkte zurückgegangen.
Das sind gute Nachrichten für die EZB, denn im von ihr viel beachteten Dienstleistungssektor hat sich der Disinflationstrend fortgesetzt. Bei den Gütern sind die Preise im Juli hingegen nicht weiter gefallen, aber der stärkere Euro und die US-Zölle dürften in den kommenden Monaten eher Druck nach unten als nach oben auf die Inflation ausüben.“