Deutsche Wirtschaft verzeichnet im Juli erneut Mini-Wachstum

Deutsche Wirtschaft verzeichnet im Juli erneut Mini-Wachstum



Ergebnisse auf einen Blick:

HCOB Flash Deutschland Composite PMI bei 50,3 (Juni: 50,4). 2-Monatstief.
HCOB Flash Deutschland Services PMI bei 50,1 (Juni: 49,7). 4-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Industrie Index Produktion bei 50,6 (Juni: 51,9). 5-Monatstief.
HCOB Flash Deutschland Industrie PMI bei 49,2 (Juni: 49,0). 36-Monatshoch.

Die deutsche Wirtschaft ist im Juli den zweiten Monat in Folge geringfügig gewachsen. Wie die aktuelle PMI-Vorabschätzung weiter zeigt, zog die Nachfrage etwas stärker an als zuletzt, was in den Orderbüchern der Serviceanbieter zum ersten Auftragsplus seit knapp einem Jahr führte. Gleichzeitig kletterten die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den höchsten Wert seit Mai 2024, während die Beschäftigung hingegen ein weiteres Mal moderat sank.

Der Inflationsdruck ließ in der größten Volkswirtschaft der Eurozone nach. So stiegen die Einkaufspreises sowie die Verkaufspreise für Güter und Dienstleistungen mit der niedrigsten Rate seit letztem Oktober, was auf den abermals nachlassenden Preisdruck im Servicesektor zurückzuführen war.

Mit 50,3 Punkten nach 50,4 im Juni notierte der HCOB Flash Deutschland Composite PMI erneut nur knapp über der neutralen Referenzmarke von 50 Punkten. Die Industrieproduktion wurde zwar zum fünften Mal hintereinander ausgeweitet, die Rate fiel jedoch niedriger aus als in den zurückliegenden vier Monaten und war äußerst schwach (Index bei 50,6). Teilweise kompensiert wurde dies durch die Stabilisierung der Geschäftslage im Servicesektor (Index bei 50,1), nachdem es hier in den drei Vormonaten noch zu Einbußen gekommen war.

Das marginale Wachstum wurde durch einen ähnlich schwachen Zuwachs beim Auftragseingang unterstützt, was vor allem auf das erste Orderplus bei den Serviceanbietern seit letztem August zurückzuführen war. Ausschlaggebend hierfür waren laut Befragten die verbesserten Marktbedingungen, eine gestiegene Anzahl an Kundenanfragen und positive Impulse aus anderen Bereichen der Wirtschaft. Im Verarbeitenden Gewerbe blieb der Auftragseingang weitgehend konstant, nachdem hier im Juni das höchste Zuwachs seit über drei Jahren verbucht worden war. Die Exporte von Industriegütern stiegen abermals zu, was den Rückgang der Auslandsbestellungen bei den Dienstleistern ausglich.

Mit der leicht anziehenden Nachfrage verbesserten sich auch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist, die vor allem dank der kräftig gestiegenen Zuversicht der Servicefirmen insgesamt so optimistisch ausfielen wie seit Mai 2024 nicht mehr. Im Verarbeitenden Gewerbe ließ der Grad an Optimismus gegenüber dem jüngsten Hoch im Juni leicht nach, er blieb aber über seinem Langzeit-Durchschnittswert.

Trotz der verbesserten Aussichten kam es in der deutschen Wirtschaft erstmals seit Jahresbeginn verbreitet zu Stellenkürzungen, die genauso stark ausfielen wie im Juni. Während sich der Jobabbau in der Industrie verlangsamte, sank die Beschäftigung diesmal auch im Servicesektor moderat.

Aufgrund von Überkapazitäten nahmen die Auftragsbestände im Juli ein weiteres Mal ab. Da sich der Rückgang sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei den Serviceanbietern verlangsamte, sanken die Auftragsbestände allerdings so langsam wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.

Der Inflationsdruck ließ im Juli weiter nach. So verlangsamte sich der Anstieg der Einkaufspreise zum sechsten Mal hintereinander und fiel so schwach aus wie zuletzt im Oktober 2024. Neben dem anhaltenden – wenn auch etwas abgeschwächten – Rückgang der Einkaufspreise im Verarbeitenden Gewerbe, den die Befragten gesunkenen Rohstoffpreisen und Wechselkursfaktoren zuschrieben, verlangsamte sich der Kostenauftrieb im Servicesektor zum fünften Mal innerhalb der letzten sechs Monate.

Auch der Anstieg der Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen schwächte sich im Juli ab. Bei den Serviceanbietern wurden die Angebotspreise sogar mit der niedrigsten Rate seit über vier Jahren angehoben. In der Industrie sanken die Verkaufspreise den dritten Monat in Folge und so stark wie zuletzt im Februar.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:

“Die konjunkturelle Lage im Verarbeitenden Gewerbe ist weiterhin fragil, wie das Verharren des EMI unter der Marke von 50 Punkten unterstreicht. Aber die Tatsache, dass die Produktion zum fünften Mal in Folge ausgeweitet wurde, macht durchaus Mut. In den kommenden Monaten dürfte die Nachfrage aus dem Ausland weiter zunehmen, denn auch die Exportaufträge sind erneut gestiegen, womit sich der seit vier Monaten anhaltende Trend weiter fortsetzte. In diesem Umfeld haben die Unternehmen auch das Tempo ihres Personalabbaus reduziert. Insgesamt sehen wir vermehrt Hinweise auf eine Erholung des Industriesektors. Ein Bild, das durch die jüngste Investitionsinitiative der CEOs von mehreren führenden Unternehmen der deutschen Wirtschaft bestätigt und durch die Maßnahmen der Bundesregierung – unter anderem gelten für Investitionen seit dem 1. Juli günstigere Abschreibungsbedingungen – unterstützt wird. Selbst höhere US-Zölle sollten an diesem Ausblick nichts Grundlegendes ändern.

Der Dienstleistungssektor bremst nicht mehr, sondern ist in den Wachstumsbereich zurückgekehrt, wenngleich die Expansionsrate bestenfalls als marginal bezeichnet werden kann. Beim Neugeschäft sieht man nach zehn Monaten Schrumpfung ein leichtes Plus und die Stimmung hat sich verbessert, denn die Unternehmen sind deutlich zuversichtlicher, dass ihre Geschäftstätigkeit in zwölf Monaten höher sein wird. Die leichte Aufhellung passt zu unserer Einschätzung, dass steigende Reallöhne und die expansive Fiskalpolitik dem Sektor insgesamt helfen sollten, wieder Fuß zu fassen.

Die Inflation hat sich bei den Verkaufspreisen erneut abgeschwächt. In der Industrie gehen die Preise zurück, da hier der stärkere Euro für günstigere Importe sorgt und auch die Zollbarrieren in den USA dürften die Tendenz sinkender Preise hierzulande stützen. Im Servicesektor setzt sich der Disinflationstrend fort, wobei hier die niedrigeren Güterpreise und weniger stark steigende Löhne zumindest vorübergehend Rückenwind bieten.

Mit dem relativ freundlichen Start in das dritte Quartal deutet unser BIP-Nowcast, der auch die PMI-Indikatoren berücksichtigt, auf ein relativ solides Wachstum hin, das sowohl von der Industrie als auch vom Dienstleistungssektor getragen wird. Angesichts der vielen Unbekannten und der noch dünnen Datenlage ist dies allerdings nur eine vorläufige Aussage.“