Eurozone: Mini-Wachstum dank annähernder Stabilisierung der Nachfrage

Eurozone: Mini-Wachstum dank annähernder Stabilisierung der Nachfrage



Ergebnisse auf einen Blick:

HCOB Flash Eurozone Composite PMI bei 50,2 (Mai: 50,2), unveränderte Wachstumsrate.
HCOB Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 50,0 (Mai: 49,7), 2-Monatshoch.
HCOB Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 51,0 (Mai: 51,5), 3-Monatstief.
HCOB Flash Eurozone Industrie PMI bei 49,4 (Mai: 49,4), unveränderte Wachstumsrate.

Die Eurozone-Wirtschaft verzeichnete im Juni erneut nur geringfügiges Wachstum. Wie die aktuelle Vorabschätzung weiter signalisiert, wurde die Industrieproduktion abermals gesteigert, während sich die Geschäftslage im Servicesektor stabilisierte. Gleichzeitig fiel der Auftragsrückgang so schwach aus wie zuletzt vor über einem Jahr und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist erreichten ein vorläufiges Jahreshoch.

Die Beschäftigung wuchs hingegen nur minimal. Der Anstieg der Einkaufspreise schwächte sich weiter ab, doch die Verkaufspreise wurden stärker angehoben als zuletzt.

Produktion und Nachfrage

Der saisonbereinigte HCOB Flash Eurozone Composite PMI - der auf etwa 85% der üblichen Rückmeldungen basiert und von S&P Global erstellt wird - notierte im Juni mit unveränderten 50,2 Punkten den sechsten Monat in Folge über der neutralen Wachstumsmarke von 50, er setzte damit jedoch den seit Jahresbeginn zu beobachtenden Trend nur geringfügiger Zuwächse der wirtschaftlichen Aktivität fort.

Wachstumsimpulse lieferte im Juni hauptsächlich die Industrie, wo die Produktion zum vierten Mal hintereinander ausgeweitet wurde, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit drei Monaten. Im Servicesektor blieb die Geschäftslage hingegen stabil, nachdem es hier im Mai erstmals seit sechs Monaten zu Einbußen gekommen war.

Deutschlands Wirtschaftsleistung legte im Juni wieder geringfügig zu, nachdem sie im Mai leicht geschrumpft war. Frankreich vermeldete den zehnten Monat in Folge einen Rückgang der Wirtschaftskraft. Die übrigen von der Umfrage erfassten Länder blieben auf Wachstumskurs, wenngleich die Steigerungsrate hier auf den tiefsten Wert seit letztem November nachgab.

Mit der niedrigsten Schrumpfungsrate seit Beginn des Rückgangs vor dreizehn Monaten stabilisierte sich der Auftragseingang im Juni nahezu. Im Verarbeitenden Gewerbe blieb er unverändert, nachdem hier über drei Jahre lang Rückgänge verbucht worden waren. Bei den Serviceanbietern kam es nur zu leichten Auftragseinbußen. Analog zum Gesamt-Auftragseingang wiesen die Exporte (inklusive des Intra-Eurozone-Handels) mit dem niedrigsten Minus seit April 2022 nur einen leichten Rückgang aus. In Deutschland stiegen die Auslandsbestellungen erstmals seit knapp dreieinhalb Jahren wieder.

Beschäftigung

Analog zur wirtschaftlichen Aktivität legte die Beschäftigung im Juni zum zweiten Mal hintereinander insgesamt nur geringfügig zu, die Rate blieb gegenüber Mai unverändert. Ausschlaggebend für den Mini-Zuwachs war jedoch einzig und allein der Servicesektor, wo die Beschäftigtenzahlen moderat zunahmen. Im Verarbeitenden Gewerbe beschleunigte sich der Stellenabbau hingegen und fiel stark aus. Auf Länderebene vermeldeten Deutschland und Frankreich rückläufige Beschäftigungen, während sie in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern stieg.

Trotz der annähernden Stabilisierung des Neugeschäfts wurden die Auftragsbestände erneut reduziert, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate seit über einem Jahr.

Preise

Der Anstieg der Einkaufspreise verlangsamte sich im Juni zum vierten Mal hintereinander und fiel insgesamt so schwach aus wie zuletzt im November 2024. Damit wurde auch der entsprechende Langzeit-Durchschnittwert unterschritten. Im Verarbeitenden Gewerbe sanken die Einkaufspreise den dritten Monat in Folge, im Dienstleistungssektor legten sie hingegen erneut kräftig zu.

Auch bei den Verkaufspreisen lief die Entwicklung auseinander. Die Servicefirmen hoben ihre Angebotspreise stärker an als in den beiden Vormonaten, in der Industrie wurden die Verkaufspreise zum zweiten Mal hintereinander reduziert.

Insgesamt verteuerten sie sich damit etwas stärker als im Mai. In Frankreich wurden sie im Juni wieder angehoben, und auch in Deutschland und in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern stiegen die Verkaufspreise.

Lagerhaltung und Lieferketten

Im Verarbeitenden Gewerbe wurde die Einkaufsmenge zwar erneut reduziert, diesmal jedoch mit einer der niedrigsten Raten seit drei Jahren. Die Bestände an Vormaterialien sanken mit beschleunigter Rate, die Fertigwarenlager hingegen so langsam wie zuletzt im September 2024. Die Lieferzeiten verlängerten sich im Juni wieder, nachdem sie sich in den vier zurückliegenden Monaten verkürzt hatten.

Ausblick

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich und fielen so optimistisch aus wie seit Januar nicht mehr. Ausschlaggebend hierfür waren die Serviceanbieter, wo der Ausblick zwar ein 4-Monatshoch erreichte, der Langzeit-Durchschnittswert jedoch unterschritten wurde. In der Industrie blieb die Zuversicht größer als bei den Dienstleistern, wenngleich der Ausblick hier nicht mehr ganz so positiv ausfiel wie zum 39-Monatshoch im Mai. In Frankreich stiegen die Geschäftsaussichten markant und fielen damit genauso optimistisch aus wie in Deutschland. In den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern blieb die Zuversicht hinsichtlich der Geschäftsentwicklung binnen eines Jahres ausgesprochen positiv.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:

“Die Talsohle hat Deutschlands Verarbeitendes Gewerbe wohl durchschritten, denn die Produktion steigt seit vier Monaten durchgehend. Im ersten Halbjahr dieses Jahres ist damit die Wirtschaftsleistung unter den Herstellern gewachsen. Der PMI für die Industrie ist mit 49,0 Punkten noch leicht im rezessiven Bereich, weil beispielsweise die Beschäftigung weiter abgebaut wird, aber der Trend zeigt seit Beginn des Jahres nach oben. Ermutigend ist auch, dass die Auftragseingänge erneut und beschleunigt gestiegen sind, so dass man die Dynamik der vergangenen Monaten nicht ausschließlich auf vorgezogene Bestellungen aus den USA zurückführen kann, wo viele Unternehmen sich mit Waren eingedeckt hatten, um höheren Zöllen zuvorzukommen.

Nach dem starken Einbruch der Aktivität im Mai stabilisiert sich die Lage im Servicesektor wieder etwas. Die Geschäftstätigkeit ist nur noch leicht zurückgegangen und die Dienstleister haben ihr Personal etwas stärker aufgestockt als im Vormonat. Auch die Tatsache, dass man in der Lage war, höhere Preisanhebungen als im Mai durchzusetzen, spricht dafür, dass es dem Sektor nicht so schlecht geht, wie man nach den letzten Umfrageergebnissen vermuten konnte.

Lagerbestandsveränderungen werden gerne als Indikator für Konjunkturwendepunkte angesehen. Man sollte jedoch den beschleunigten Bestandsabbau im derzeitigen Kontext nicht falsch interpretieren. Denn möglicherweise ist dieser damit zu erklären, dass die Unternehmen von der höheren Nachfrage nach ihren Gütern überrascht wurden und daher verstärkt auf ihre Bestände zurückgegriffen haben. Man wird in den kommenden Monaten sehen, ob die Firmen dem sich abzeichnenden Aufschwung mehr und mehr trauen – das ist unsere Erwartung – oder ob sie vorsichtig bleiben und ihre Lagerbestände weiter reduzieren.

Deutschland könnte möglicherweise den seit zwei Jahren andauernden Zick-Zack-Kurs beim Wirtschaftswachstum – auf ein Quartal positives Wachstum folgt eins mit Schrumpfung – durchbrechen. Darauf deutet unser Nowcast hin, der den Anstieg des Composite-PMI berücksichtigt. Für das zweite Halbjahr sind wir ohnehin zuversichtlich, weil dann die ersten expansiven Maßnahmen der neuen Bundesregierung greifen könnten.“