Deutsche Wirtschaft wächst im Juni wieder

Deutsche Wirtschaft wächst im Juni wieder



Ergebnisse auf einen Blick:

HCOB Flash Deutschland Composite PMI bei 50,4 (Mai: 48,5). 3-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Services PMI bei 49,4 (Mai: 47,1). 3-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Industrie Index Produktion bei 52,6 (Mai: 51,4). 39-Monatshoch.
HCOB Flash Deutschland Industrie PMI bei 49,0 (Mai: 48,3). 34-Monatshoch.

Die deutsche Wirtschaft ist im Juni wieder geringfügig gewachsen, nachdem sie im Mai erstmals seit fünf Monaten wieder geschrumpft war. Führend war dabei die Industrie, und auch der erste Auftragszuwachs seit über einem Jahr trug mit dazu bei.

Der Stellenabbau setzte sich hingegen fort, und auch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen nicht mehr ganz so optimistisch aus wie zuletzt.

Der Anstieg der Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen beschleunigte sich gegenüber dem 7-Monatstief im Mai und lag damit auch wieder über seinem Langzeit-Durchschnittswert. Die Einkaufspreise stiegen hingegen mit der niedrigsten Rate seit letztem Oktober.

Mit 50,4 Punkten nach dem Fünf-Monatstief von 48,5 im Mai stieg der HCOB Flash Deutschland Composite PMI wieder über die neutrale Referenzmarke von 50 Punkten und signalisierte damit geringfügiges Wachstum. Dabei wurde der Anstieg der Industrieproduktion teilweise durch einen weiteren – wenn auch verlangsamten – Rückgang der Geschäftstätigkeit im Servicesektor kompensiert. Tatsächlich fiel die vierte Steigerung der Industrieproduktion in Folge so stark aus wie seit März 2022 nicht mehr (Index bei 52,6), während sich der Rückgang der Geschäftstätigkeit im Servicesektor verlangsamte und schwächer war als in den beiden Vormonaten seit Beginn der Einbußen.

Dass die Nachfrage wieder angezogen hat, zeigte der erste Gesamt-Auftragszuwachs seit Mai 2024. Treiber war das Verarbeitende Gewerbe, wo das höchste Plus seit über drei Jahren zu Buche schlug. Auch die Exporte legten hier wieder kräftig zu, und auch die Binnennachfrage zog bei zahlreichen Unternehmen an. Bei den Serviceanbietern stabilisierte sich die Nachfrage nahezu, hier verzeichneten die Unternehmen das niedrigste Minus seit Beginn des Auftragsrückgangs vor zehn Monaten.

Die Auftragsbestände nahmen erneut auf breiter Front ab, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit 14 Monaten. Insgesamt blieb der Rückgang jedoch stark, da die Auftragsbestände in der Industrie so rasant sanken wie seit Jahresbeginn nicht mehr.

Wegen des mangelnden Kapazitätsdrucks in der Industrie beschleunigte sich der Stellenabbau hier erstmals seit vier Monaten wieder und fiel stärker aus als in den drei Vormonaten. Bei den Dienstleistern gab es hingegen nur ein leichtes Plus, was jedoch nicht verhindern konnte, dass die Beschäftigtenzahlen in der deutschen Wirtschaft insgesamt den 13. Monat in Folge sanken.

Die Verkaufspreise verteuerten sich im Juni leicht, was vor allem auf die etwas stärker angehobenen Angebotspreise der Serviceanbieter zurückzuführen war. In der Industrie wurden die Verkaufspreise hingegen zum zweiten Mal hintereinander und auch stärker reduziert als in den drei Vormonaten, da hier auch die Einkaufspreise erneut deutlich gesunken sind. Gleichzeitig schwächte sich der Kostenauftrieb bei den Dienstleistern ab, womit sich der Anstieg der Gesamt-Einkaufspreise zum fünften Mal in Folge verlangsamte und so schwach ausfiel wie seit Oktober 2024 nicht mehr.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen insgesamt nicht mehr ganz so optimistisch aus wie im Mai, womit auch der entsprechende Langzeit-Durchschnittswert wieder unterschritten wurde.

Ausschlaggebend hierfür war vor allem die leichte Delle bei den Dienstleistern. In der Industrie stieg der Index Geschäftsaussichten gegenüber Mai hingegen leicht und lag mit dem höchsten Wert seit Februar 2022 auch wieder über seinem Langzeit-Durchschnittswert.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:

„Die Talsohle hat Deutschlands Verarbeitendes Gewerbe wohl durchschritten, denn die Produktion steigt seit vier Monaten durchgehend. Im ersten Halbjahr dieses Jahres ist damit die Wirtschaftsleistung unter den Herstellern gewachsen. Der PMI für die Industrie ist mit 49,0 Punkten noch leicht im rezessiven Bereich, weil beispielsweise die Beschäftigung weiter abgebaut wird, aber der Trend zeigt seit Beginn des Jahres nach oben. Ermutigend ist auch, dass die Auftragseingänge erneut und beschleunigt gestiegen sind, so dass man die Dynamik der vergangenen Monaten nicht ausschließlich auf vorgezogene Bestellungen aus den USA zurückführen kann, wo viele Unternehmen sich mit Waren eingedeckt hatten, um höheren Zöllen zuvorzukommen.

Nach dem starken Einbruch der Aktivität im Mai stabilisiert sich die Lage im Servicesektor wieder etwas. Die Geschäftstätigkeit ist nur noch leicht zurückgegangen und die Dienstleister haben ihr Personal etwas stärker aufgestockt als im Vormonat. Auch die Tatsache, dass man in der Lage war, höhere Preisanhebungen als im Mai durchzusetzen, spricht dafür, dass es dem Sektor nicht so schlecht geht, wie man nach den letzten Umfrageergebnissen vermuten konnte.

Lagerbestandsveränderungen werden gerne als Indikator für Konjunkturwendepunkte angesehen. Man sollte jedoch den beschleunigten Bestandsabbau im derzeitigen Kontext nicht falsch interpretieren. Denn möglicherweise ist dieser damit zu erklären, dass die Unternehmen von der höheren Nachfrage nach ihren Gütern überrascht wurden und daher verstärkt auf ihre Bestände zurückgegriffen haben. Man wird in den kommenden Monaten sehen, ob die Firmen dem sich abzeichnenden Aufschwung mehr und mehr trauen – das ist unsere Erwartung – oder ob sie vorsichtig bleiben und ihre Lagerbestände weiter reduzieren.

Deutschland könnte möglicherweise den seit zwei Jahren andauernden Zick-Zack-Kurs beim Wirtschaftswachstum – auf ein Quartal positives Wachstum folgt eins mit Schrumpfung – durchbrechen. Darauf deutet unser Nowcast hin, der den Anstieg des Composite-PMI berücksichtigt. Für das zweite Halbjahr sind wir ohnehin zuversichtlich, weil dann die ersten expansiven Maßnahmen der neuen Bundesregierung greifen könnten.“