Stärkstes Wachstum der Eurozone-Industrieproduktion seit März 2022
Stärkstes Wachstum der Eurozone-Industrieproduktion seit März 2022
Ergebnisse auf einen Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex Industrie Eurozone bei 49,0 (März: 48,6), 32-Monatshoch
HCOB Industrie Eurozone Index Produktion bei 51,5 (März: 50,5), 37-Monatshoch
Beschleunigte Produktionssteigerung dank annähernd stabilisierter Nachfrage
Rückenwind für die Eurozone-Industrie: Die Unternehmen steigerten ihre Produktion im April den zweiten Monat in Folge und so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Nachfragerückgang verlangsamte sich weiter, so dass sich der Auftragseingang nahezu stabilisierte, wenngleich die rückläufigen Exporte das Neugeschäft weiter belasteten. Abgeschwächt hat sich auch der Rückgang bei der Beschäftigung, den Lagerbeständen und der Einkaufsmenge, wohingegen der Ausblick auf ein vorläufiges Jahrestief sank.
Der HCOB Einkaufsmanagerindex™ Industrie Eurozone legte im April zum vierten Mal hintereinander zu und erreichte mit 49,0 Punkten nach 48,6 im März ein 32-Monatshoch. Er notierte damit zwar erneut unter der neutralen Referenzmarke von 50 Punkten, der Wachstumsrückgang war jedoch nur noch äußerst schwach.
Auf Länderebene blieb Griechenland trotz verlangsamtem Wachstums Spitzenreiter, dicht gefolgt von Irland, dessen Industriesektor so kräftig expandierte wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.
Die Industrie-PMIs der übrigen von der Umfrage erfassten Länder verharrten allesamt unter der 50-er Marke im rezessiven Bereich, wenngleich sich die Talfahrt in den drei größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien jeweils verlangsamte. Mit beschleunigter Rate abwärts ging es hingegen in Österreich, Spanien und den Niederlanden.
Nach der ersten Steigerung im März beschleunigte sich das Produktionswachstum im April und fiel so stark aus wie seit über drei Jahren nicht mehr, was zeigte, dass die Erholung weiter voranschritt.
Die Nachfrage war zwar erneut rückläufig, der entsprechende Auftragsindex kletterte im Berichtsmonat jedoch auf ein Drei-Jahreshoch und signalisierte mit einem Wert von nur noch knapp unter der 50-er Marke, dass sich das Neugeschäft nahezu stabilisiert hat. Als Belastung erwiesen sich zwar erneut die Exporte, die stärker zurückgingen als der Gesamt-Auftragseingang, doch schlugen hier die niedrigsten Verluste seit April 2022 zu Buche.
Was die Geschäftserwartungen anbelangt, agierten die Unternehmen jedoch weiter zurückhaltend. So wurde nicht nur die Einkaufsmenge erneut reduziert, auch die Bestände an Vormaterialien und Fertigwaren sanken ein weiteres Mal, wenngleich allesamt mit abgeschwächter Rate. Und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf ein vorläufiges Jahrestief.
Mit der Beschäftigung ging es – wie bereits seit knapp zwei Jahren – erneut bergab, diesmal jedoch mit der niedrigsten Rate seit zehn Monaten. Die Auftragsbestände schmolzen trotz sinkender Beschäftigung nicht nur ein weiteres Mal, sondern noch stärker als in den beiden Vormonaten.
Die durchschnittlichen Lieferzeiten verkürzten sich so deutlich wie seit zehn Monaten nicht mehr. Zugleich sanken die Einkaufspreise erstmals seit letztem November wieder. Die Verkaufspreise wurden hingegen so stark angehoben wie zuletzt vor zwei Jahren.
Rangliste der Industrie-PMIs im April
Griechenland 53,2 2-Monatstief
Irland 53,0 34-Monatshoch
Italien 49,3 13-Monatshoch
Niederlande 49,2 3-Monatstief
Frankreich 48,7 (Flash: 48,2) 27-Monatshoch
Deutschland 48,4 (Flash: 48,0) 32-Monatshoch
Spanien 48,1 16-Monatstief
Österreich 46,6 3-Monatstief
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"Der vierte Anstieg des HCOB PMIs in Folge darf als Zeichen für eine Stabilisierung der Situation im verarbeitenden Gewerbe der Eurozone angesehen werden. Das ist angesichts der vielen Unsicherheiten und Schocks der letzten Monate eine Überraschung. Allerdings bleibt die Lage fragil, was sich daran zeigt, dass der Hauptindex weiterhin unterhalb des Schwellenwertes von 50 liegt. Die Industrie bleibt weiterhin stark exponiert gegenüber der US-Zollpolitik, aber perspektivisch kann die geplante kräftige Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der EU dazu beitragen, die Lage nachhaltig zu stabilisieren. Bestätigt wird dies durch die Geschäftsaussichten, die, wenn man den Trend der zurückliegenden drei Jahre betrachtet, durchaus optimistisch sind.
Die Stabilisierung der Industriekonjunktur findet in der Breite statt. In Deutschland und Frankreich hat die Produktion im April zugelegt und Italien ist dabei, sich in den Expansionsbereich vorzukämpfen.
Geholfen haben dabei möglicherweise die im April gesunkenen Preise für Öl und Gas, was durch den Rückgang der Preise für Vorleistungen – diese waren zuletzt drei Monate in Folge gestiegen – unterstrichen wird. Zinssenkungen der EZB und die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik dürften ebenfalls willkommene Nachrichten sein.
Die Unternehmen haben im April offensichtlich ihre Gewinnmargen ausweiten können, denn während die Einkaufspreise gefallen sind, konnten die Verkaufspreise so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr angehoben werden. Dass dies so bleibt, ist nicht zu vermuten, denn die US-Zollpolitik dürfte eher zu einer Intensivierung des Wettbewerbs beitragen, unter anderem durch chinesische Güter, die verstärkt in der EU angeboten werden."