Russisches Gas in Rubel - RBI-Analyst: Überraschender "Schachzug"

Westen muss sich weiter mit russischer Währung beschäftigen - Womöglich Vorbereitung für technischen Zahlungsausfall - Russland kann so nicht komplett isoliert werden

Dass Gaslieferungen aus Russland in die EU-Staaten künftig in Rubel bezahlt werden müssen, sei von der Perspektive Russlands ein "interessanter Schachzug" von Präsident Wladimir Putin. Er zwinge so den Westen, sich weiter mit der russischen Währung zu beschäftigen und die EU könnte eventuell gezwungen sein, ihre Sanktionen gegen Russland und die Zentralbank im Zahlungsverkehrsbereich teilweise zu überdenken, sagte Gunter Deuber, Leiter von Raiffeisen Research, zur APA.

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Auf dem Finanzmarkt sei dieser Schritt Putins so nicht erwartet worden und daher leicht überraschend, sagte Deuber. Gerechnet worden sei eher mit einem Exportstopp russischer Rohstoffe, wie bestimmte Industriemetalle, auf die Europas Industrie angewiesen ist. Dass Russland die EU-Kunden zwingt, Gas in Rubel zu bezahlen, schaffe für die russische Währung jedenfalls eine internationale Nachfrage, die den Rubel-Kurs auch mittelfristig stabilisiere.

Der Schritt könnte auch eine Vorbereitung auf einen sogenannten technischen Zahlungsausfall Russlands sein und deshalb von strategischem Interesse sein. Im Mai läuft eine Ausnahmeregel der USA zu den Sanktionen aus, danach sei Russland ohne Korrespondenzbanken technisch nicht mehr in der Lage, seine Schulden und Zinsen im Ausland in Dollar zu bedienen, erklärte Deuber. Bei Rubel hätten Anleihen-Gläubiger schwerer Zugriff oder Anspruch auf Zahlungen an Russland als bei Zahlungen in Fremdwährungen.

Jedenfalls bedeute es für die EU, selbst mit Rubel handeln zu müssen, wenn man mit Russland Gasgeschäfte machen will. Damit stelle sich eben auch die Frage, wie tief könne man die russische Notenbank sanktionieren, da man für den Währungshandel Zahlungskanäle und Tauschmöglichkeiten brauche. Jedenfalls könne der Westen Russland nun nicht komplett isolieren, so Deuber.

Derzeit gebe es für Rubel keine Kursbildung am freien Markt, es sei schwer, mit Rubel, Euro und Dollar zu handeln. Für Kunden, die nun in Rubel bezahlen müssen, sei das Währungsrisiko kaum abzusichern, zumindest aber sei dies sehr teuer. Daher sei es auch keine Preiserleichterung, auch wenn der Rubel seit der Invasion abgewertet hat.

Bei langfristigen Verträgen, wie sie etwa die Gazprom mit der österreichischen OMV hat, vermutet Deuber, dass ein Wechsel der Währung nicht so einfach erfolgen kann. Vielleicht sei dies, so Deuber, aus Putins Sicht sogar eine gute Mischung, wenn man bei langfristigen Verträge weiter wichtige Devisen erhalte und gleichzeitig die EU dennoch zwinge, den Handel mit Rubel offen zu halten. Die OMV-Verträge lauten dem Konzern zufolge übrigens auf Euro.

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