Vorsteuergewinnrückgang bei VIG - Wohnbaufirmen neu zu bilanzieren

Bis Juni 200 Millionen Euro Gewinn vor Steuern - Nachträgliche Änderung der Bilanz 2015

--------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA0451 vom 03.08.2016 muss es im vierten Absatz im letzten Satz richtig heißen: In den nächsten Wochen muss nun wieder auf vollkonsolidiert (nicht: at equity) umgestellt werden. ---------------------------------------------------------------------

63,90 EUR -1,84%
Hoch 65,60 Tief 63,90 Vortag 65,10

Der börsennotierte österreichische Versicherungskonzern Vienna Insurance Group (VIG) hat am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung seinen vorläufigen Vorsteuergewinn für das erste Halbjahr 2016 mit rund 200 Mio. Euro bekannt gegeben. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2015 waren es 250 Mio. Euro gewesen.

Für das Gesamtjahr 2016 wurde die Prognose bekräftigt. Demnach strebte der Vorstand für heuer zumindest eine Verdopplung des Vorsteuergewinns bis zu 400 Mio. Euro an. Halbjahrespressekonferenz ist erst am 23. August.

Der Aufsichtsrat hatte sich heute vor allem aber mit Fragen der Bewertung und Bilanzierung der Beteiligungen an gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften zu befassen. Damit kommt es jetzt im Nachhinein zu Korrekturen von Bilanzansätzen ("Restatement").

Die VIG hatte in den letzten Jahren ihre Beteiligungen an gemeinnützige Wohnbaugesellschaften sukzessive auf ihren Hauptaktionär (Wiener Städtische Versicherungsverein) übertragen. Damit war die Konsolidierungsmethode dafür (von vollkonsolidiert auf at equity) umgestellt worden. In den nächsten Wochen muss nun wieder auf vollkonsolidiert umgestellt werden.

Grund ist ein Bescheid der Finanzmarktaufsicht (FMA, laut Rechnungslegungskontrollgesetz). Der flatterte den VIG-Verantwortlichen gestern, Dienstag, ins Haus. Darin hat die FMA "die Abbildung der Beteiligungen an gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften als nicht IFRS-konform" festgestellt. Es ging um die Halbjahresberichte und Konzernabschlüsse für 2014 und 2015. Der Bescheid besagte, dass gesetzliche Ausschüttungs- und Verwertungsrestriktionen, denen gemeinnützige Wohnbaugesellschaften unterliegen, sowohl bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes als auch bei der Erfassung der Gewinnanteile aus diesen Unternehmen nicht ausreichend berücksichtigt waren.

Eine erste vorläufige Analyse für das Geschäftsjahr 2015 ergab laut VIG eine Reduktion des Vorsteuergewinns um rund 45 Mio. Mio. Euro und des Konzerneigenkapitals um rund 550 bis 580 Mio. Euro.

Heute beriet der Aufsichtsrat. Die Aufsichtsratsgremien hätten "der Wiedererlangung des beherrschenden Einflusses über die gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften durch die Vienna Insurance Group zugestimmt", schrieb die Assekuranz in einer Pflichtveröffentlichung.

Voraussichtlich mit August 2016 würden die Anteile der neun Gesellschaften daher vollkonsolidiert und die wesentlichen Vermögenswerte in der Konzernbilanz berücksichtigt.

Das betreffe u.a. Liegenschaften mit rund 3,5 Mrd. Euro Buchwert. Bei Vollkonsolidierung steige der Anteil der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften am Eigenkapital um rund eine Milliarde Euro, basierend auf vorläufigen Halbjahresdaten 2016. Auf die Solvabilitätsrate wirke sich die bilanzielle Änderung nicht aus, so die VIG.

(Schluss) rf/sp/chg