Telekom-Prozess - "Wurde im Galopp vom Pferd geschossen"

Fischer: Würde heute anders handeln - Am Nachmittag Ex-ÖIAG-Chef Michaelis als Zeuge

Bei der Fortsetzung der Neuauflage des Telekom-Prozesses rund um eine Kursmanipulation im Jahr 2004 hat der Prokurist Josef Trimmel eingeräumt, dass über eine Scheinrechnung des Lobbyisten Peter Hochegger an den Broker Johann Wanovits 500.000 Euro für die "Kurspflege" gezahlt wurde.

9,80 EUR +3,16%
Hoch 9,88 Tief 9,38 Vortag 9,50

Das sei ein "Riesenfehler" gewesen, wiederholte Trimmel seine Aussagen vom ersten Strafverfahren im Jahr 2013. Die Strafe sei auf den Fuß gefolgt. Als medialer Wirbel für Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht und in Folge der Justiz sorgte und es zu einer Anklageerhebung gekommen war, sei er über Nacht aus der Telekom Austria "entsorgt" worden. "Ich wurde im Galopp vom Pferd geschossen", so Trimmel heute im Wiener Straflandesgericht.

Er habe bei der Bargeldübergabe im Papiersackerl am Wiener Naschmarkt selbst auf Einladung von Wanovits zugegriffen und sich rund 15.000 bis 20.000 Euro rausgenommen. Als er später schlechtes Gewissen bekommen habe, habe er Wanovits und dem mitbeteiligten Kronzeugen Gernot Schieszler eine Selbstanzeige nahegelegt, was Wanovits mit den Worten quittiert haben soll: "Mitgegangen, mitgefangen." Wanovits schüttelte bei dieser Aussage kräftig den Kopf.

Zuvor hatte der Erstangeklagte, der Ex-Festnetzchef Rudolf Fischer, eingeräumt dass er heute bei der Kurspflege anders vorgegangen wäre als 2004. Allerdings seien ihm viele Vorwürfe gegen ihn nicht erklärbar. Fischer ist auch eine der zentralen Personen in weiteren Telekom-Prozessen, er trägt zur Zeit eine Fußfessel infolge eines Verfahrens um Parteienbestechung.

Am Nachmittag soll der ehemalige Chef der Staatsholding ÖIAG und Aufsichtsratspräsident der Telekom Austria, Peter Michaelis, als Zeuge erscheinen. Dieser wurde zuletzt massiv von Fischer kritisiert. Michaelis habe mit unbedarften Aussagen den Telekom-Kurs nach unten getrieben. "Eigentlich hätten wir ihn bei der Finanzmarktaufsicht anzeigen müssen", so Fischer vorgestern beim Verhandlungsstart.

(Schluss) stf/kre