Zwist um Grazer Fernwärme 2 - Verbund sucht Mellach-Miteigentümer
Zur Erhaltung des Standorts - Bis 2020 Lieferverpflichtung aus Kohlekraftwerk Mellach - Für danach sollten Karten für dortiges Gaskombikraftwerk "neu gemischt werden"
Der Verbund will bei seinem steirischen Kraftwerksstandort Mellach bei Graz die Landeshauptstadt und das Land als Miteigentümer mit ins Boot holen. Dies wurde nun seitens des Verbund rund um eine - von ihm in Auftrag gegebene - Umweltbundesamts-Studie so deutlich wie noch nie erklärt. Die Studie selbst warnt vor schlechterer Luft in Graz, sollte statt in Mellach dort ausgebaut werden.
Bis zum Jahr 2020 müsse der Verbund ohnedies vertraglich fixiert aus dem Steinkohlekraftwerk Mellach bis zu 230 MW Wärme jährlich für die Stadt Graz liefern, "für danach sollten die Karten aber neu gemischt werden", meinte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwoch in Bezug auf das Gaskombikraftwerk Mellach zur APA.
Das seit 2011 fertige hochmoderne Gaskombikraftwerk in Mellach wurde um 550 Mio. Euro errichtet, stellte sich dann aber durch den Stromgroßhandelspreis-Verfall - im Gefolge des Ökostrom-Überschusses in Europa nach dem AKW-Fukushima-Unglück in Japan - bei gleichzeitig hohen Gaseinstandspreisen als unrentabel heraus und wurde abgeschrieben. Die Anlage wollte der Verbund 2014 stilllegen, wogegen jedoch die Energie Steiermark eine Einstweilige Verfügung erwirkte. Denn sie wünschte sich vom Verbund ein Fernwärme-Back-up aus dem Gaskraftwerk Mellach mit dem Argument, das Kohlekraftwerk dort sei zu oft stillgestanden und daher zu unsicher.
"Wir begrüßen die positiven Signale, insbesondere aus der Stadt Graz, und freuen uns auf die konstruktive Zusammenarbeit für eine langfristige emissionsarme Lösung der Fernwärmeversorgung", so der Verbund nun in einem Statement. Der hocheffiziente Standort Mellach solle "in einer gemeinsamen steirischen Lösung eine Rolle spielen", "wenn auch in Zukunft möglicherweise mit neuer Eigentümerstruktur". "Mit dieser Deutlichkeit" habe man das bisher nicht gesagt, räumt man beim Verbund ein. Auch Bürgerbeteiligungsmodelle seien dabei denkbar.
Zunächst wartet der Verbund mit Optimismus die für die nächsten Wochen erwartete Schiedsgericht-Entscheidung zur strittigen Frage ab, ob der Verbund in Mellach neben dem Kohle- auch das Gaskraftwerk für die Grazer Fernwärme weiterlaufen lassen muss. Denn im alten Fernwärme-Liefervertrag, der 2013 lediglich adaptiert wurde, stehe vom Gaskombikraftwerk nichts drinnen. Erst in einem weiteren Schritt wird es dann um die Kostenfrage gehen, also wer für ein Vorhalten des 832-MW-Gaskombikraftwerks Mellach aufkommen müsse. Die Frage sei letztlich, wer die Bereithaltung der Kapazität zahle, hatte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber wiederholt argumentiert. Allein voriges Jahr kostete den Verbund das eigentlich unrentable Gaskombikraftwerk 30 Mio. Euro, hatte Anzengruber im Frühjahr in einem Interview erklärt. Angeblich soll der Verbund 20 Mio. Euro für die Bereithaltung einer Reservekapazität verlangt haben, hieß es voriges Jahr, bestätigt wurde diese Summe nicht.
(Schluss) sp/ivn