Wachstum der Eurozone setzt sich im April fort
Wachstum der Eurozone setzt sich im April fort
Die Wachstumsrate der Eurozone hielt sich im April weitgehend auf ihrem 11-Monatshoch von März. Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) gab binnen Monatsfrist nur um 0.1 Punkte auf 53.9 nach und schloss zugleich um 0.4 Punkte über seiner Vorabschätzung.
Der Aufwärtstrend setzte sich sowohl im Dienstleistungssektor als auch in der Industrie fort. In beiden Zweigen blieb die Zuwachsrate annähernd konstant, wobei sie bei den Dienstleistern erneut etwas höher ausfiel als bei den Herstellern.
Irland hielt sich an der Spitze der PMI-Tabelle. Auch die großen Vier der Eurozone – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien – verzeichneten den dritten Monat in Folge Wachstum.
Spanien glänzte auch in diesem Monat. Die Steigerungsrate für das Geschäftswachstum entsprach dem höchsten Wert seit November 2006 (und damit einem 101-Monatshoch). Bei den Neuaufträgen wurde ein 15-Jahreshoch ermittelt.
Auch Deutschland konnte im April hinsichtlich der Geschäftstätigkeit eine solide Steigerung vorweisen, wenngleich diese nicht ganz so hoch ausfiel wie im Vormonat. Das Wachstum verteilte sich gleichmäßig auf den Industrie- und Dienstleistungssektor. Italien verbuchte derweil ein 10-Monatshoch und schloss fast zu Deutschland auf.
In Frankreich ging es den dritten Monat bergauf, wenngleich der Trend fast auf Stagnationsniveau abflachte, da sich die Wachstumsrate im Dienstleistungssektor verringerte und die Talfahrt der Industrie beschleunigte.
Der Beschäftigungsaufbau setzte sich derweil den sechsten Monat in Folge fort. Sowohl die Hersteller als auch die Dienstleister nahmen saldiert zusätzliche Mitarbeiter unter Vertrag. In Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Irland wurden neue Stellen geschaffen.
Bei den durchschnittlichen Verkaufspreisen zeichnete sich ein weiterer Rückgang ab, der aber so milde ausfiel wie seit Juni letzten Jahres nicht mehr. Während die Hersteller ihre Preise erstmals seit August 2014 leicht anhoben, senkten die Dienstleister ihre Angebotspreise erneut.
Die Einkaufspreise erhöhten sich derweil insgesamt den dritten Monat in Folge, wobei die Inflationsrate gegenüber ihrem 8-Monatshoch von März weitgehend unverändert blieb. Die Kostenlast nahm hierbei in jeder der vier größten Volkswirtschaften und auch in Irland zu.
Servicesektor:
Der Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit sank gegenüber März nur um 0.1 Punkte und notiert derzeit bei 54.1 Punkten. Seine Vorabschätzung übertraf er um 0.4 Punkte. Mittlerweile signalisiert er seit 21 Monaten Wachstum.
Irland hielt sich weiterhin auf der Spitzenposition. Spanien rückte jedoch dank der höchsten Expansionsrate seit fast achteinhalb Jahren näher heran. Deutschland behielt einen soliden Aufwärtstrend bei, wenngleich hier die Rate auf ein 3-Monatstief rutschte. Italien steigerte sich auf ein 10-Monatshoch. Frankreich konnte zwar ein erneutes, jedoch wieder nur ein kleines Plus vorweisen.
Dem derzeitigen Wachstum der Eurozone lag eine weitere Zunahme der Neuaufträge zugrunde. Die Zuwachsrate entsprach dem Vormonatsniveau und damit fast einem 4-Jahreshoch. Eine verstärkte Auftragsvergabe wurde aus Italien, Spanien und Irland gemeldet. In Deutschland und Frankreich verlangsamten sich die Zuflüsse an Neuaufträgen.
In einigen Ländern nahm daher der Druck auf die Unternehmenskapazitäten zu. Die Auftragsbestände erhöhten sich in Frankreich, Italien, Spanien und Irland. In Deutschland verringerten sie sich hingegen.
Die Unternehmen sahen sich im Allgemeinen zu Neueinstellungen ermutigt, so dass sich die Stellenschaffung den sechsten Monat in Folge fortsetzte. Die Einstellungsrate blieb dabei über dem Durchschnittswert der aktuellen Aufbauphase, welche alle der fünf in der Umfrage eingeschlossenen Länder erfasste. Die Personalbestände wurden besonders in Irland, Spanien und Italien ausgeweitet.
In Anbetracht der insgesamt positiven Entwicklung blieben die Dienstleister auch hinsichtlich ihrer Geschäftsprognosen* für die kommenden zwölf Monate optimistisch. Wenngleich ihre Zuversicht gegenüber März ein wenig nachließ, zählt der derzeitige Prognosewert zu den höchsten der letzten vier Jahre.
Die durchschnittlichen Kosten nahmen im April abermals zu, wobei die entsprechende Inflationsrate nahe ihres 8-Monatshochs von März notierte. Indessen reduzierten die Dienstleister ihre Angebotspreise erneut, wenn auch so geringfügig wie seit Juni letzten Jahres nicht mehr.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Die finalen PMI-Werte für April haben ihre Vorabschätzungen leicht übertroffen, in Frankreich sogar etwas deutlicher. Sie deuten darauf hin, dass die Eurozone weiterhin annähernd dieselbe Wachstumsdynamik aufweist wie im März. Die Umfragedaten signalisieren ein Wirtschafts-wachstum von ungefähr 0.4 % zu Beginn des zweiten Quartals, was weitgehend dem durch den PMI reflektierten Wert für das erste Quartal entspricht.
Enttäuschend ist, dass sich das Wachstum nicht weiter beschleunigt hat, doch werden die Expansionsraten für die einzelnen Länder die Zuversicht der politischen Entscheidungsträger stärken, dass sich die Wirtschaft der Region erholt. Ein wichtiges Mantra der EZB hat stets gelautet, dass der geldpolitische Stimulus nur dann Wirkung zeigen kann, wenn er von strukturellen Reformen begleitet wird. Die Umfrage zeigt nun, dass die-jenigen Länder, welche die größten Reformanstrengungen unternommen haben, jetzt das stärkste Wirtschaftswachstum erzielen.
Besonders Spanien und Irland durchleben wieder eine Hochphase. Die spanischen Unternehmen verzeichnen derzeit die kräftigste Zunahme an Neuaufträgen der letzten 15 Jahre, während sich in Irland eine der längsten Wachstumsphasen seit des Dotcom-Booms abzeichnet.
Auch Italien verbucht aktuell einen erhöhten Zuwachs, kann aber mit Irland und Spanien bei weitem nicht Schritt halten.
In Frankreich sank die Wachstumsrate hingegen fast auf Stagnationsniveau ab. Dies legt nahe, dass die französische Regierung härter daran arbeiten muss, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher zurückzugewinnen, damit Frankreich nicht auf der Strecke bleibt.
In Deutschland gestaltete sich der Aufwärtstrend weiterhin relativ robust, doch zeigt die jüngste Abflachung, dass die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit weiterhin im Fokus behalten müssen. Dies betrifft vor allem die Industrie, deren Exportgeschäfte trotz der Abwertung des Euro bedenklich mager ausgefallen sind.“