Eurozone-Wirtschaftswachstum schwächt sich im April leicht ab
Eurozone-Wirtschaftswachstum schwächt sich im April leicht ab
Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 53.5 (Finalwert März 54.0); 2-Monatstief
Flash Eurozone Service-Index Geschäfts-tätigkeit(bei 53.7 (Finalwert März 54.2); 2-Monatstief
Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 51.9 (Finalwert März 52.2); 2-Monatstief
Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 53.1 (Finalwert März 53.6); 2-Monatstief
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone schwächte sich im April gegenüber dem 11-Monatshoch von März leicht ab, wie die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen. Zurückzuführen war dies in erster Linie auf die verlangsamten Expansionsraten in Frankreich und Deutschland. In den von der Umfrage erfassten Ländern außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer beschleunigte sich das Wachstum hingegen im Durchschnitt so stark wie zuletzt im August 2007.
Der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der wie üblich auf 85% der regulären Umfragerückmeldungen basiert, büßte gegenüber März zwar 0.5 Punkte auf 53.5 ein, er notiert damit jedoch immer noch auf dem zweithöchsten Wert seit neun Monaten. Die Zuwachsraten bei Industrieproduktion und der Geschäftstätigkeit im Servicesektor schwächten sich gegenüber den 10- bzw. 8-Monatshochs von März leicht ab.
Der Servicesektor verbuchte im April weiter solide Auftragszuwächse, der Industriesektor vermeldete hingegen ein leicht verringertes Plus. Insgesamt schwächte sich der Auftragseingang gegenüber dem annähernden Vier-Jahreshoch von März etwas ab, der Beschäftigungsaufbau beschleunigte sich jedoch leicht und fiel insgesamt so stark aus wie zuletzt im August 2011. Der Industriesektor vermeldete per Saldo so viele Neueinstellungen wie seit August 2011 nicht mehr, der Servicesektor so viele wie zuletzt im Mai 2011.
Dass die Auftragsbestände trotz des beschleunigten Jobaufbaus zum dritten Mal hintereinander zunahmen, deutet auf einen weiteren Stellenaufbau im Mai hin.
Die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen sanken zwar ein weiteres Mal, der Rückgang fiel jedoch so schwach aus wie seit Juni 2014 nicht mehr, was teilweise auf die Weitergabe der höheren Einkaufspreise zurückzuführen war. Diese stiegen nur geringfügig langsamer als zum Acht-Monatshoch im März.
In der Industrie wurden die Verkaufspreise wegen des stärksten Anstiegs der Einkaufspreise seit Juli 2014 erstmals seit letztem August wieder minimal angehoben.
Im Servicesektor sanken die Angebotspreise mit der niedrigsten Rate seit Juni 2014, obwohl sich der Anstieg der Einkaufspreise leicht abschwächte.
Nach Ländern betrachtet, verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland wegen nachlassender Zuwachsraten bei Industrie-produktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektors, es fiel aber nach wie vor stärker aus als in der gesamten Währungsregion. In Frankreich kühlte sich die Wirtschaft stärker ab und stagnierte annähernd. Der dortige Servicesektor vermeldete kaum noch Wachstum, während die Industrieproduktion mit beschleunigter Rate zurückgefahren wurde. Demgegenüber verzeichneten die Länder außerhalb Deutschlands und Frankreichs das stärkste Wirtschaftswachstum seit August 2007. Die Auftrags- und Beschäftigungszuwächse fielen sogar so hoch aus wie seit Mitte 2007 nicht mehr.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Angesichts der verbreiteten Erwartung, dass die Quantitative Lockerung der EZB das klägliche Wachstum zum Jahresauftakt ordentlich ankurbeln würde, ist die momentane Abkühlung doch eine herbe Enttäuschung.
Noch ist es jedoch zu früh, von einem stockenden Wirtschaftswachstum zu sprechen oder den Erfolg der Strategie in Frage zu stellen. Denn obwohl der PMI sein jüngstes März-Hoch nicht halten konnte, liegt er noch immer über dem Durchschnittswert des ersten Quartals 2015 und deutet im April auf ein Quartalswachstum von 0.4% hin.
Die Umfrage zeigt zudem, dass sich das Wirtschaftswachstum außerhalb Frankreichs und Deutschlands so stark beschleunigt hat wie zuletzt im August 2007, was die Hoffnung nährt, dass die Anreize auch die Peripherie-Länder erreichen. Tatsächlich ist die Abkühlung im April in erster Linie ein Symptom der nachlassenden Expansionsraten in Deutschland und Frankreich. In Frankreich stagniert die Wirtschaft wegen der beschleunigten Talfahrt des dortigen Industriesektors ja fast schon wieder.
Unter den Unternehmen und deren Kunden hat die Risikobereitschaft – nicht zuletzt wegen der Probleme mit Griechenland – merklich nachgelassen, was wiederum die Nachfrage gedämpft haben könnte. Was Frankreich anbelangt, scheint die neuerliche Verschlechterung eine längerfristige Malaise widerzuspiegeln, deren Schattenseiten – nach einem vielversprechenden Jahresauftakt – schon wieder zum Vorschein kommen.”