VW-Aufseher beraten in Salzburg über Winterkorns Zukunft
Insider: VW-Spitze trifft sich bei Piech in Salzburg - Winterkorn nimmt an Präsidiumssitzung teil
Der Machtkampf um die Führung bei Volkswagen läuft auf einen Showdown in Salzburg zu. Am Sitz von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech kam am Donnerstag nach Informationen von zwei Insidern das Präsidium des Aufsichtsrats von Europas größtem Autokonzern erstmals zusammen, nachdem der VW-Patriarch in der vergangenen Woche Vorstandschef Martin Winterkorn öffentlich das Vertrauen entzogen hatte.
Auch Winterkorn sei nach Österreich gereist, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Er hatte zuvor seine Teilnahme an einem Treffen der Fraktionsspitzen von Union und SPD in Göttingen abgesagt. Von seinem Büro in Salzburg aus steuert Piech das VW-Imperium.
Der überraschende Bruch Piechs mit seinem einstigen Ziehsohn Winterkorn war auf Ablehnung im Aufsichtsrat gestoßen. Nun will zumindest Betriebsratschef Bernd Osterloh Piech die Stirn bieten und den angesehenen Manager verteidigen. Osterloh hatte als Reaktion auf Piechs Abrücken von Winterkorn gesagt, wenn es nach den Arbeitnehmern gehe, solle dessen Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden. An der positiven Haltung des Betriebsrats zu Winterkorn habe sich nichts geändert, hieß es aus dessen Umfeld am Donnerstag.
Dem Aufsichtsrats-Präsidium gehört für die Eignerseite neben Piech und seinem Cousin Wolfgang Porsche auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil an. Für die Arbeitnehmer sitzen Betriebsratschef Osterloh, sein Stellvertreter Stephan Wolf und der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber in dem Gremium, das die Sitzungen des Aufsichtsrates vorbereitet.
Piech hatte vergangene Woche gegenüber dem "Spiegel" erklärt, er sei "auf Distanz zu Winterkorn". Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten sich spontan hinter Winterkorn gestellt. Auch das an VW beteiligte Land Niedersachsen und die mit Piech verwandte Porsche-Familie äußerten sich ablehnend zu dessen Volte. Der dritte VW-Großaktionär nach dem Familienclan Porsche-Piech und dem Land, der Staatsfonds von Katar, sieht laut "Handelsblatt" Winterkorns Chancen auf einen Verbleib im Amt gegen den Widerstand des Chefkontrolleurs skeptisch. Piech hatte schon Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder und den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus dem Amt gedrängt.
Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen schwelt schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptakteure. Oberaufseher Piech wird am Freitag 78 Jahre alt und ist noch bis 2017 gewählt. Der Vertrag des 67-jährigen Winterkorn läuft Ende 2016 aus. Bisher wurde erwartet, dass er später auf Piech als Aufsichtsratschef folgt. Ein Nachfolger für Winterkorn in der Unternehmensführung war bisher nicht in Sicht, galt der Schwabe doch als unersetzlich. Er lenkt das VW-Imperium mit seinen inzwischen zwölf Marken seit 2007. Unter seiner Ägide ist der Wolfsburger Konzern weit vorangekommen und steht davor, Toyota als die Nummer eins zu überholen.
In dem Riesenunternehmen haben sich allerdings einige Probleme zusammengebraut - so liegt beispielsweise die Rendite der Kernmarke VW nur bei rund zwei Prozent. Piech, der die Strategie des Konzerns bisher mitgetragen hat, ist offenbar der Geduldsfaden gerissen. Im Aufsichtsrat kritisierte er die schon lange bekannten Schwachstellen zuletzt immer schärfer, wie es in Unternehmenskreisen hieß. Vor allem das lahmende Geschäft in den USA habe den Chefkontrolleur in Rage gebracht. Während die deutschen Konkurrenten BMW und Daimler am zweitgrößten Automarkt weltweit gut verdienen, gingen die Verkaufszahlen von VW im vergangenen Jahr mangels attraktiver Modelle deutlich zurück.
(Schluss) gru/miw