> Wachstumsrate der Eurozone im Februar auf 7-Monatshoch
Wachstumsrate der Eurozone im Februar auf 7-Monatshoch
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone beschleunigte sich den dritten Monat in Folge, wobei die Expansionsrate auf den höchsten Stand seit Juli letzten Jahres kletterte. Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) notiert seit nunmehr 20 Monaten im Plus, schloss mit 53.3 Punkten aber knapp unter seiner Vorabschätzung von 53.5.
Erstmals seit April 2014 konnten alle vier großen Volkswirtschaften der Eurozone ein Plus verzeichnen. Spitzenreiter blieben Irland und Spanien. In Deutschland wurden höhere Zuwächse gemessen als in den drei Vormonaten, in Italien fiel der zweite Anstieg in Folge derweil etwas schwächer aus als im Januar.
Eine der wichtigsten Entwicklungen der Februar-Umfrage war, dass Frankreich sich aus der Stagnation befreien konnte. Die zweitgrößte Volkswirt-schaft der Region erzielte sowohl bei Geschäftstätigkeit als auch bei Neuaufträgen das stärkste Wachstum seit August 2011.
Die Geschäftszuwächse der Eurozone sind vor allem den zunehmenden Auftragseingängen zu verdanken. Diese erhöhten sich den dritten Monat in Folge und so schnell wie seit Juli 2014 nicht mehr. Außerdem signalisierten die nachfrage-bedingt gestiegenen Auftragsbestände, dass bei einigen Firmen die Kapazität stärker ausgereizt wurde. Die Auftragspolster nahmen zum ersten Mal seit April 2014 wieder zu.
Im Zuge der vermehrten Auftragsvergabe beschleunigte sich der Beschäftigungsaufbau und die Einstellungsrate erreichte ein Dreieinhalb-Jahreshoch. In Deutschland, Italien, Spanien und Irland wurden neue Stellen geschaffen, in Frankreich stabilisierte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt ein wenig.
Die durchschnittlichen Einkaufspreise erhöhten sich im Februar leicht, da Preissteigerungen im Dienstleistungssektor die durch den Ölpreis bedingten Vergünstigungen in der Industrie überwogen.
Indessen fielen die Verkaufspreise in der Eurozone aktuell erneut und setzten damit ihren im April 2012 begonnenen Trend fort. Allerdings milderte sich die Rückgangsrate gegenüber Januar ab. Im Vormonat hatte sie sich noch so gering ausgenommen wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. In Frankreich sanken die Preise markant und auch in Spanien und Italien verringerten sie sich. Im Gegensatz hierzu wurden sie in Deutschland und Irland angehoben.
Servicesektor:
Der finale Eurozone Service-Index Geschäfts-tätigkeit stieg den dritten Monat in Folge an und schloss auf einem 7-Monatshoch von 53.7 Punkten. Das sind 0.2 Punkte unterhalb seiner Vorabschätzung. Mittlerweile notiert er seit August 2013 oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
Der jüngste Anstieg ist nicht zuletzt dem stärksten Plus bei den Neuaufträgen seit acht Monaten zu verdanken. Dieses trug auch dazu bei, dass sich die Auftragsbestände und die Beschäftigung erhöhten. Während der Zuwachs der Auftragspolster so markant ausfiel wie seit Mai 2011 nicht mehr, wurde beim Jobaufbau die höchste Einstellungsrate seit drei Jahren und neun Monaten gemessen.
Das höchste Geschäftswachstum erzielten wieder Irland und Spanien, wenngleich in beiden Fällen die Steigerungsraten abnahmen. Doch auch Deutsch-land verbuchte ein solides Plus. Zudem wurden in allen drei Ländern vermehrt Mitarbeiter unter Vertrag genommen.
Frankreichs Dienstleistungssektor schaffte es ange-sichts spürbar zunehmender Neuaufträge aktuell wieder in den Wachstumsbereich und expandierte so schnell wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Entwicklung auf dem französischen Arbeitsmarkt stabilisierte sich im Vergleich zu den Vormonaten.
Die schwächste Leistung lieferte Italien ab. Dort stagnierte der Dienstleistungssektor annähernd. Außerdem war Italien das einzige der von der Umfrage erfassten Länder, in denen die Neuaufträge zurückgingen. Bei der Beschäftigung war erstmals seit Mai 2011 ein marginaler Anstieg zu erkennen.
Die Geschäftsaussichten* für die Eurozone verbesserten sich im Februar und gestalteten sich so positiv wie seit Mitte 2011 nicht mehr. Mit Ausnahme von Deutschland nahm die Zuversicht in allen erfassten Ländern verstärkt zu. Bei den Kosten machte sich im aktuellen Befragungsmonat ein erneuter Anstieg bemerkbar. Die entsprechende Inflationsrate zog gegenüber Januar an. Im Vormonat hatte sie noch so niedrig gelegen wie seit Februar 2010 nicht mehr. Ihre Angebotspreise senken die Dienstleister indes seit nunmehr drei Jahren und drei Monaten. In Italien, Spanien und besonders Frankreich ver-ringerten sie sich; allein in Deutschland und Irland wurden sie erhöht.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Im Februar zeigten sich klare Anzeichen einer Belebung der Eurozone-Wirtschaft. Die vermehrten Auftragseingänge und die gestiegene Zuversicht der Unternehmen lassen zudem erwarten, dass sich der Aufwärtstrend im März beschleunigen wird. Die zunehmend positiven Umfragedaten weisen darauf hin, dass das BIP der Eurozone im ersten Quartal um 0.3 % wachsen könnte. Angesichts der höchsten Einstellungsrate seit dreieinhalb Jahren sollte ferner die Arbeitslosenrate gegenüber ihrem Januar-Wert von 11.2 % weiter sinken.
Dass die Unternehmen ihren Kunden gegenüber aktuell weniger Preiszugeständnisse machen, deutet darauf hin, dass sich die Deflation der Verkaufspreise weiter abmildern wird. Bemerkenswert ist, dass im Februar erstmals seit letztem April alle vier großen Volkswirtschaften der Eurozone einen Anstieg der Geschäftstätigkeit verzeichnet haben. Besonders ermutigend gestaltete sich die Entwicklung in Frankreich, wo der expandierende Dienstleistungssektor die anhaltenden Einbußen der Industrie mehr als ausgleichen konnte.
Spitzenreiter sind derzeit Irland und Spanien, welche auf dem besten Weg sind, im ersten Quartal um 1 % bzw. 0.7 % zu wachsen. In Deutschland fällt das Wachstum mit 0.3 % etwas geringer aus, während die Expansionsrate in Frankreich und Italien nur auf 0.2 % bzw. 0.1 % kommen könnte.
Für alle Länder haben sich die Geschäftsaussichten verbessert. Die Angst vor einem Austritt Griechenlands und einer Ansteckungsgefahr für andere Länder ist geschwunden. Außerdem sollte die Abwertung des Euro die Exporte steigen lassen, und nicht zuletzt dürfte die beginnende quantitative Lockerung der EZB die Wirtschaft im Laufe des Jahres ankurbeln.“