Industriewachstum der Eurozone zieht im Januar leicht an
Industriewachstum der Eurozone zieht im Januar leicht an
Finaler PMI für die Eurozone-Industrie bei 51.0 Punkten im Januar (Flash: 51.0, Finalwert Dezember: 50.6)
Produktionsanstieg in Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Irland
Stärkster Fall der Einkaufspreise seit fünfeinhalb Jahren
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Januar)
Irland 55.1 8-Monatstief
Spanien 54.7 2-Monatshoch
Niederlande 54.1 2-Monatshoch
Deutschland 50.9 (Flash 51.0) 2-Monatstief
Italien 49.9 4-Monatshoch
Frankreich 49.2 (Flash 49.5) 8-Monatshoch
Österreich 48.5 2-Monatstief
Griechenland 48.3 15-Monatstief
Mit dem Industriesektor der Eurozone ging es im Januar leicht bergauf. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) schloss auf demselben Stand wie seine Vorabschätzung und stieg damit gegenüber Dezember von 50.6 auf 51.0 Punkte an.
Die Lage verbesserte sich sowohl in Deutschland als auch besonders in Spanien, den Niederlanden und Irland. In Spanien und den Niederlanden legte die Wachstumsrate im Monatsvergleich sogar zu. Währenddessen setzte sich die Talfahrt zu Jahresbeginn in Frankreich, Italien, Österreich und Griechenland fort. In Frankreich und Italien beruhigte sich die Entwicklung jedoch vorerst weitgehend, Österreich und Griechenland verzeichneten derweil einen verstärkten Rückgang.
Auf Ebene der Eurozone erhöhte sich das Produktionsniveau dank eines leichten Zuwachses bei den Neuaufträgen und der Abarbeitung bestehender Auftragspolster stärker als in den fünf Vormonaten. Auf Länderebene legten Produktionsniveau und Auftragseingänge in Deutschland, Spanien, den Niederlanden und Irland zu.
In Italien wurde die Produktion erstmals seit September 2014 geringfügig gesteigert und in Frankreich zeichnete sich der schwächste Rückgang der bislang achtmonatigen Negativphase ab. Als Belastung könnte sich für die beiden Länder in den kommenden Monaten jedoch der anhaltende Abwärtstrend der Neuaufträge erweisen. Österreich und Griechenland verbuchten in beiden Bereichen ebenfalls ein Minus.
Die Industriebetriebe der Eurozone sind derzeit angesichts der schwachen Binnen- und Auslands-nachfrage einer Doppelbelastung ausgesetzt. Hinsichtlich der Exportbestellungen* wurde im vierten Quartal 2014 und zu Anfang dieses Jahres mit das geringste Plus seit Einsetzen einer Besserung im Juli 2013 gemessen. Deutschland, Frankreich, Österreich und Griechenland meldeten allesamt Einbußen, welche die kräftigen Zuwächse der anderen Länder beinahe negierten.
Derweil setzte sich der Jobaufbau den fünften Monat in Folge fort. Die Einstellungsrate erreichte hierbei zwar ein 8-Monatshoch, blieb aber dennoch allgemein relativ niedrig. Spanische und irische Unternehmen stellten saldiert zahlreiche Mitarbeiter ein, auch in Irland und den Niederlanden wurde die Belegschaft leicht aufgestockt. Deutschlands und Griechenlands Beschäftigungsentwicklung sank nahezu auf Stagnationsniveau ab, während in Frankreich und Österreich weitere Arbeitskräfte entlassen wurden.
Angesichts des rapiden Falls des globalen Ölpreises verringerten sich die Einkaufspreise so markant wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Die stärksten Vergünstigungen wurden in den Niederlanden (größter Rückgang seit Mai 2009), Deutschland (größter Rückgang seit Juli 2009), Österreich und Frankreich (jeweils 30-Monatsrekord) registriert. Auch in Italien, Spanien, Irland und Griechenland zeichnete sich nach einem Anstieg im Dezember jeweils eine Kosten-verringerung ab.
Der verringerte Kostendruck spiegelte sich teilweise in den Verkaufspreisen wider. Diese reduzierten sich im Durchschnitt den fünften Monat hintereinander und zugleich so markant wie seit über eineinhalb Jahren nicht mehr. Allerdings war hier die Rückgangsrate wesentlich geringer als bei den Einkaufspreisen. In keinem der erfassten Länder war bei den Verkaufspreisen ein Anstieg festzustellen.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Die Industrie der Eurozone verzeichnete zu Anfang des Jahres eine leichte Belebung, jedoch blieb die Wachstumsrate enttäuschend niedrig. Damit stützen die Daten die Entscheidung der EZB, drastische Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu ergreifen. Die EZB hat mit der Ankündigung einer großangelegten quantitativen Lockerung ihre ‚Bazooka‘ herausgeholt und dürfte damit die Zuversicht der Unternehmen und Konsumenten sowie die Abwertung des Euro beflügeln. Diese Währungsabschwächung dürfte den Industrieunter-nehmen in den nächsten Monaten zugutekommen. Auch sollten die verringerten Ölpreise den Herstellern bei der Reduzierung ihrer Kosten helfen. Gleichzeitig können die Konsumenten dank gesunkener Treibstoffpreise mehr Geld für Produkte ausgeben. Ermutigend an den jüngsten Umfragedaten ist, dass Irland, Spanien und die Niederlande ein robustes Wachstum verzeichnet haben. Jedoch hat in Deutschland, Frankreich und Italien eine weitgehende Stagnation eingesetzt. Außerdem hat sich die Wirtschaftslage in Griechenland verschlechtert: Angesichts einer sinkenden Binnen- und Auslandsnachfrage verbuchte der griechische Industriesektor den stärksten Rückgang seit über einem Jahr.
Ferner besteht die Gefahr, dass die Wirkung des Ankaufprogramms der EZB durch die mit der politischen Lage in Griechenland verbundene Unsicherheit und Instabilität beeinträchtigt wird, welche weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für die Eurozone darstellt.
Zugleich hat der Deflationsdruck weiter zugenommen. Die durchschnittlichen Verkaufs-preise der Hersteller fielen so stark wie seit Mitte 2013 nicht mehr und nahmen in allen Ländern ab. Dies wird jedoch hauptsächlich der Weitergabe des niedrigen Ölpreises von den Produzenten an ihre Kunden zugeschrieben.”