Wachstum der Eurozone verliert im Juni trotz beschleunigtem Aufschwung in den Peripherieländern an Fahrt
Wachstum der Eurozone verliert im Juni trotz beschleunigtem Aufschwung in den Peripherieländern an Fahrt
- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 52.8 (Mai 53.5); 6-Monatstief
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 52.8 (Mai 53.2); 3-Monatstief
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 51.9 (Mai 52.2); 7-Monatstief
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 52.8 (Mai 54.3); 9-Monatstief
Das Wirtschaftswachstum der Eurozone hat sich im Juni den zweiten Monat in Folge verlangsamt und fiel so schwach aus wie zuletzt im Dezember 2013. In Deutschland expandierte die Wirtschaft trotz leicht nachlassender Dynamik erneut kräftig, in Frankreich beschleunigte sich die Talfahrt. Die übrigen von der Umfrage erfassten Länder vermeldeten hingegen im Durchschnitt das stärkste Wachstum seit August 2007.
Der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor in einem Wert widerspiegelt, büßte gegenüber Mai zwar 0.7 Punkte auf 52.8 ein, der Durchschnittswert für das 2. Quartal 2014 fiel dennoch so gut aus wie zuletzt vor genau drei Jahren. Trotz identischer Wachstumsraten markierte der Index Industrieproduktion ein Neun-Monatstief, der Service-Index ein Drei-Monatstief.
Dank des höchsten Auftragszuwachses seit drei Jahren im Servicesektor fiel der Gesamt- Auftragseingang in der deutschen Wirtschaft im Juni so gut aus wie zuletzt im Mai 2011. Überdies verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist bei den Dienstleistern auf den zweitbesten Wert seit drei Jahren. Dies deutet darauf hin, dass sich der Aufschwung bald wieder beschleunigen könnte. Die Industrieunternehmen wiesen hingegen das niedrigste Auftragsplus seit Oktober 2013 aus, was auf ein anhaltend schwaches Produktionswachstum in den kommenden Monaten schließen lässt.
Angesichts des anhaltenden Wachstums setzte sich der Jobaufbau in der Eurozone zwar fort, in beiden Sektoren blieben die Zuwachsraten jedoch ähnlich niedrig wie im April und Mai.
Vor allem wegen des Anstiegs der Ölpreise erhöhte sich der Preisdruck wieder und fiel so stark aus wie zuletzt im November 2013. Im Servicesektor legten die Kosten mit der höchsten Rate seit Dezember 2012 zu, die Industrie vermeldete erstmals seit Januar wieder steigende Einkaufspreise.
Die Verkaufspreise gingen insgesamt mit der niedrigsten Rate seit Beginn der Preissenkungen vor 27 Monaten zurück. Während die Dienstleister ihre Angebotspreise minimal reduzierten, wurden in der Industrie die Verkaufspreise zum zweiten Mal hintereinander angehoben.
Deutschland expandierte weiter kräftig, wenngleich der Composite Flash-PMI hier wegen verlangsamter Wachstumsraten in beiden Sektoren auf ein 8-Monatstief sank. Der Auftragszuwachs blieb nahezu auf dem Niveau von Mai, und auch der Jobaufbau setzte sich fort.
In Frankreich schrumpfte die Wirtschaftsleistung hingegen wegen des Produktionsrückgangs in der Industrie und Geschäftseinbußen im Servicesektor zum zweiten Mal hintereinander, hier sank der Composite Flash-PMI auf ein 4-Monatstief. Das Auftragsminus fiel zwar nur minimal, der Jobabbau hingegen stärker aus als in den drei Vormonaten.
In den übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern stieg die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt so stark wie zuletzt im August 2007, und der Auftragseingang legte so zügig zu wie seit Juli 2007 nicht mehr. Und obwohl der Jobaufbau nach wie vor verhalten war, entwickeln sich die Arbeitsmärkte in der Peripherie bereits seit einigen Monaten so gut wie seit Anfang 2008 nicht mehr.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Die Eurozone ist im zweiten Quartal 2014 so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Dass der Composite Flash-PMI jedoch zum zweiten Mal hintereinander nachgab, deutet darauf hin, dass dem Aufschwung ein wenig die Puste ausgeht.
Der höchste Zuwachs beim Auftragseingang seit drei Jahren lässt darauf schließen, dass sich die mit der jüngsten Zinssenkung der EZB verknüpften Hoffnungen auf neue Wachstumsimpluse bereits erfüllt haben könnten.
Angesichts der nur noch leicht sinkenden Verkaufspreise verflüchtigen sich auch die Deflationsgefahren, wenngleich dies wohl vor allem auf den neuerlichen Kostenanstieg infolge steigender Ölpreise zurückzuführen ist.
Das Hauptproblem ist nach wie vor die auseinander laufenden Entwicklungen innerhalb der Eurozone. Obwohl die Wachstumsrate im zweiten Quartal 2014 insgesamt wohl bei 0,4% liegen dürfte, zeichnet sich ab, dass Frankreich nach der Stagnation im ersten Quartal wieder in die Rezession abgleitet, während Deutschland um 0,7% oder sogar mehr zulegen dürfte, wenngleich mit nachlassender Dynamik.
Außerhalb Frankreichs und Deutschlands, in der ‚Peripherie’, geht es momentan am stärksten bergauf. Hier dürfte das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2014 so gut ausfallen wie zuletzt im dritten Quartal 2007.