Der Tag danach

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Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ein umfangreiches Paket mit teils noch nie dagewesenen Maßnahmen beschlossen. Die EZB verfolgt damit zum einen das Ziel die Kreditvergabe anzukurbeln. Zum anderen will sie verhindern, dass die Wirtschaft in eine kaum mehr zu bremsende Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen von Firmen und Haushalten abgleitet. Hier die einzelnen Instrumente im Überblick und ihre erhoffte Wirkung:

SENKUNG DES LEITZINSES AUF 0,15 PROZENT: In normalen Zeiten ist der Leitzins eigentlich die schärfste Waffe einer Notenbank. Mit ihr steuert sie den Preis des Geldes, das sie ausgibt. Steigende Zinsen dämpfen tendenziell die Preise und verhindern eine Überhitzung der Wirtschaft. Senkt die Zentralbank die Zinsen, kann sie das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Da die meisten großen Notenbanken nach fast sieben Jahren Krise mit ihren Zinsen ganz nah an der Nulllinie angekommen sind, wirkt das Werkzeug des Zinses nicht mehr so stark wie früher. Experten rechnen deshalb nicht damit, dass die Zinssenkung der EZB größeren Einfluss auf die Konjunktur haben wird. Allerdings sorgt der niedrigere Leitzins dafür, dass sich Banken billiger refinanzieren können - auch wenn der Zinsvorteil immer geringer wird.

EINFÜHRUNG EINES STRAFZINSES VON 0,1 PROZENT: Mit dem Einsatz dieses Instruments will die EZB erreichen, dass Banken ihr Geld lieber als Kredite an Unternehmen und Haushalte geben, als es bei der Zentralbank zu parken. Ob diese Rechnung aufgeht ist allerdings völlig unklar. Die dänische Notenbank hat in den vergangenen Jahren mit solchen Strafzinsen experimentiert und musste feststellen, dass Banken diese zum Teil an ihre Kunden weitergaben - als höhere Kreditzinsen, höhere Kontoführungsgebühren oder, indem sie ihnen weniger Zinsen auf Guthaben zahlten. Kritiker der EZB vor allem aus Deutschland befürchten genau diese unerwünschten Nebenwirkungen. Doch die EZB verfolgt mit diese Maßnahme ein anderes Ziel:  Sie will mit der Maßnahme auch den Kurs der eigenen Währung unter Druck setzen, indem man Investoren abschreckt, noch mehr Kapital in die Euro-Zone zu verschieben. Der starke Euro ist der EZB ein Dorn im Auge, da er über niedrigere Importpreise das Preisniveau in den 18 Euro-Ländern drückt.

NEUE MILLIARDENSCHWERE GELDSPRITZEN: Die EZB stellt den Banken dieses Jahr zunächst 400 Milliarden Euro zur Verfügung, damit diese das Geld an Unternehmen weiterreichen und die Kredite dann die Wirtschaft beleben. Vor allem in vielen von der Krise hart gebeutelten Ländern in Südeuropa stockt derzeit nämlich die Kreditvergabe. In Staaten wie Italien und Portugal herrscht eine echte Kreditklemme, weil Banken Angst haben, Risiken einzugehen und die maue Konjunktur gleichzeitig einer größeren Kreditnachfrage entgegen steht. Gegen das Nachfrageproblem kann die EZB nichts tun. Wohl aber kann sie Banken helfen, die gerne Kredite vergeben würden, sich davor aber scheuen.

Die Ölpreise haben sich am Freitag im frühen Handel stabil gezeigt. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli 108,86 US-Dollar.. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI liegt bei 102,52 Dollar.