EZB-Rat beschließt Maßnahmenpaket
EZB-Rat beschließt Maßnahmenpaket
Der geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank hat heute ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu unterstützen. Zu dem Paket gehören eine weitere Senkung der Leitzinsen, gezielte (zweckgebundene) längerfristige Refinanzierungsgeschäfte, Vorberei-tungsarbeiten zum Kauf von Asset-backed Securities (ABS) und die Verlängerung der Vollzuteilung bei Tendergeschäften mit festem Zinssatz. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems wurde wie von uns erwartet um 10 Basispunkte auf 0,15% gesenkt. Die Markter-wartungen beliefen sich sogar auf eine Senkung auf 0,10%. Die Zinssätze für die Spitzenrefinan-zierungsfazilität und die Einlagefazilität wurden um 35 Basispunkte bzw. 10 Basispunkte auf 0,40% auf bzw. -0,10% reduziert. In ihrer Juni-Projektion geht die Zentralbank für 2014 von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone von 1,0% (März-Projektion: 1,2%) aus. 2015 und 2016 soll die Wirtschaft um 1,7% (März: 1,5%) bzw. 1,8% (März: 1,8%) wachsen. Die Projektionen der EZB für die Inflationsrate belaufen sich für 2014, 2015 und 2016 auf 0,7%, 1,1% und 1,4% (März: 1,0%, 1,3% und 1,5%).
Die US-Wirtschaft hat sich im ersten Quartal gemäß einer zweiten Schätzung des Handelsmi-nisteriums schlechter entwickelt als zunächst erwartet. Demnach schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt – erstmals seit dem ersten Quartal 2011 – im entsprechenden Zeitraum mit einer auf das Jahr hoch-gerechneten Rate von 1,0% Q/Q (1. Schätzung: +0,1%, Q4: +2,6%). Als Grund für den Einbruch gilt die Kältewelle. Im Produktionssektor der USA hat sich das Wachstum im Mai beschleunigt. Gemäß dem Institute for Supply Management verbesserte sich derEinkaufsmanagerindex auf 55,4,3 Punkte (April: 54,9 Punkte). Werte über 50 Punkte signalisieren Wachstum, Werte darunter Kontraktion. Der Index für den Dienstleistungssektor konnte auf 56,3 Punkte (April: 55,2 Punkte) zulegen. In der Eurozone hat sich das Wachstum des produzierenden Gewerbes im Mai abgeschwächt. DerEinkaufsmanagerindex des Markit-Instituts belief sich nach endgültigen Berechnungen auf 52,2 Punkte (April: 53,4 Punkte) und erreichte damit das niedrigste Niveau seit November 2013. Der Index für Frankreich ist mit einem Wert von 49,6 Punkten (April 51,2 Punkte) sogar wieder unter die 50-Punkte-Schwelle gerutscht. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor hat sich im selben Monat in der Eurozone marginal verbessert (Mai: 53,2 Punkte. April: 53,1 Punkte). Die jährliche Inflation verringerte sich in der Eurozone im Mai gemäß einer Schnellschätzung von Eurostat auf 0,5% (April: 0,7%).
Nach einer Seitwärtsentwicklung im Vorfeld des Zinsentscheids des EZB-Rats sind die Aktienkurse mit der Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank mehrheitlich gestiegen. Der DAX hat heute sogar die Marke von 10.000 Punkten kurzfristig überschritten. In den nächsten Tagen werden vor allem die veröffentlichten Wirtschaftsdaten das Marktgeschehen bestimmen. Mit dem US-Arbeitsmarktbericht für Mai steht einer der bedeutendsten Konjunkturindikatoren zur Veröffentlichung an, da die Entwicklung des Arbeitsmarktes einen bedeutenden Einflussfaktor für die Geldpolitik der US-Notenbank darstellt. Diese strebt neben Preisstabilität auch maximale Beschäftigung an. Die Markterwartungen belaufen sich bei der Zahl an neu geschaffenen Stellen außerhalb der Land-wirtschaft auf 215.000 (April: 288.000), bei der Arbeitslosenrate wird mit 6,4% (April: 6,3%) gerechnet. Auch die Entwicklung des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine – derzeit verhandeln die Chefs der russischen Gazprom und der ukrainischen Naftogaz über die Höhe des Gaspreises – bleibt interessant, da ein Scheitern der Verhandlungen die Gaslieferungen in die EU beeinträchtigen könnte. Insgesamt erwarten wir in der nächsten Woche eine Seitwärtsentwicklung der Aktienkurse. Auf längere Frist spricht ein Umfeld mit niedrigen Zinsen und einer Belebung der Konjunktur weiterhin für tendenziell etwas steigende Aktienkurse. Etwaige Phasen von Gewinnmitnahmen sollten in diesem Umfeld nicht von langer Dauer sein.