Machtpoker

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Vorige Woche gingen die europäischen Parteien mit „europaweiten Spitzenkandidaten“ in die Wahl, wobei die jeweiligen Spitzenkandidaten im Falle eines Wahlsieges der zugehörigen Partei als Kandidaten für den Posten des Kommissionspräsidenten galten. Trotzdem die Konservativen bei der Wahl die Mehrheit der Stimmen erlangen konnten, wurde deren Spitzenkandidat Jean-Claude Juncker noch nicht für den mächtigen EU-Posten nominiert. Seit dem Jahr 2004 hatte der Portugiese José Manuel Barroso den Posten des EU-Kommissionspräsidenten inne (zwei Amtsperioden) und laut EU-Vertrag soll sein Nachfolger von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten unter Berücksichtigung des Ergebnisses der Europawahl gewählt werden. Bisher machte sich neben einigen anderen Regierungschefs vor allem der britische Premier David Cameron gegen Juncker stark. Zuletzt drohte er angeblich gegenüber der deutschen Kanzlerin Angela Merkel mit einem Austritt aus der Staatengemeinschaft, sollte Juncker nominiert werden. Junckers stärkster Konkurrent der Sozialdemokrat Martin Schulz verschwindet zwar immer mehr in der Versenkung, er bekommt nichteinmal von seinen eigenen Leuten volle Unterstützung und ist weit von einer Parlamentsmehrheit entfernt, trotzdem geht das Tauziehen der Regierungschefs um die Nominierung Junckers weiter. Warnende Stimmen, dass eine weitere Nicht-Einigung monatelangen Stillstand der EU bedeuten könnte, was wiederum großen Schaden in der ohnehin noch krisengebeutelten Staatengemeinschaft anrichten könnte, werden immer lauter.

An den Märkten beobachtet man diese Situation interessiert, wartet aber vor allem auf die am kommenden Donnerstag stattfindende Sitzung der EZB. Die Erwartungen einer weiteren Zinssenkung steigen und nachdem laut EZB die Inflationsrate immer noch zu niedrig und die Kreditvergaben der Banken zu wenig sind, wird ein mit neuerlichem Fluten der Märkte mit billigen Geld gerechnet.

Vor diesem Hintergrund halten sich die Anleger beim deutschen Aktienindex Dax etwas zurück, obwohl dieser die magische 10.000er Marke bereits im Blickfeld hat. Zuletzt schloss er bei 9.943,27 Punkten.

In Japan wurde der Nikkei durch positive Konjunkturdaten aus China beflügelt. Er konnte ein Plus von 2,11 Prozent auf 14.941,74 Zähler verbuchen und markiert somit Höchststand seit rund neun Wochen. Auch der US-Indes Dow Jones konnte zuletzt Rekordwerte erreichen. Zu Handelsschluss lag er bei 16.717,17 Punkten.

Am Devisenmarkt notiert der Euro aktuell zum Dollar bei 1,3640, der Schweizer Franken liegt wie gewohnt bei rund 1,2205 zum Euro und für einen Dollar sind rund 102 Yen zu bezahlen.

Auch am Rohölmarkt zogen die Preise auf Grund der guten Konjunkturdaten aus China etwas an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Lieferung Juli) kostet aktuell 109,80 Dollar, das amerikanische WTI (Juli) wird bei 103,30 Dollar je Fass gehandelt. Gold kostet zur Zeit 1243 Dollar je Feinunze.