Gebremster Aufstieg der Eurozone-Industrie

Gebremster Aufstieg der Eurozone-Industrie


- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie bei 52.2 Punkten im Mai (Vorabschätzung: 52.5)
- Verminderter Produktionsanstieg in allen Ländern außer den Niederlanden; Auftragsrückgänge in Frankreich
- Erste Anhebung der Ein- und Verkaufspreise seit drei Monaten

Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Mai)

Niederlande 53.6 2-Monatshoch
Italien 53.2 2-Monatstief
Spanien 52.9 49-Monatshoch
Deutschland 52.3 (Flash 52.9) 7-Monatstief
Griechenland 51.0 2-Monatstief
Österreich 50.9 10-Monatstief
Frankreich 49.6 (Flash 49.3) 4-Monatstief

Die Erholung der Eurozone-Industrie hat im Mai ein wenig an Auftrieb verloren. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) ging im Vergleich zu April von 53.4 auf 52.2 Punkte zurück und verlor 0.3 Punkte gegenüber seiner Vorabschätzung. Zugleich schloss er auf dem tiefsten Stand seit sechs Monaten. Dennoch wies er weiterhin ein solides Wachstum aus.

Der Rückgang des PMI für die Industrie der Eurozone spiegelte dabei verminderte Zuwachsraten bei Produktion, Auftragseingängen und Beschäftigung wider. Außerdem bauten die Unternehmen nach eigenen Angaben ihre Vormaterialbestände ab.

In nahezu allen von der Umfrage erfassten Ländern konnte sich der PMI oberhalb der Wachstumsgrenze von 50 Punkten halten, doch nur in den Niederlanden und in Spanien legte er zu. In Frankreich fiel er dagegen in den Schrumpfungsbereich zurück, nachdem er in den vergangenen beiden Monaten noch im Plus notiert hatte.

Auf Ebene der Eurozone erhöhten sich sowohl das Produktionsniveau als auch die Auftragseingänge den elften Monat in Folge, wenngleich die Expansionsraten in beiden Fällen insgesamt so niedrig waren wie seit November nicht mehr. Allein in den Niederlanden nahmen die Fertigungsvolumen verstärkt zu, bei den Neuaufträgen konnte indessen keines der Länder eine Wachstumsbeschleunigung verzeichnen. Dies hatte mit zur Folge, dass die Auftragsbestände erstmals seit September abgebaut wurden.

Frankreich schnitt insgesamt am schlechtesten ab und verbuchte als einziges Land einen Rückgang bei den Auftragseingängen sowie eine weitgehende Stagnation des Produktionsniveaus. Wenngleich französische Unternehmen versuchten, die Nachfrage durch Preisnachlässe anzukurbeln, mussten sie sowohl auf dem Binnen- als auch auf den Exportmärkten Auftragseinbußen hinnehmen.

Auch in Österreich und Griechenland wurde eine Verringerung der Verkaufspreise gemeldet. Insgesamt überwogen aber die Verteuerungen in Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden, so dass das durchschnittliche Preisniveau auf Ebene der Eurozone erstmals seit drei Monaten anstieg.

Die Einkaufspreise nahmen im letzten Befragungszeitraum saldiert vermindert ab. Zwar weitete sich der Preisrückgang auf vier Monate aus, verringerte sich aber gegenüber den beiden Vormonaten. Auch hier fiel die Entwicklung je nach Land unterschiedlich aus. In Italien, Spanien und Griechenland mussten die Produzenten mehr für bestellte Waren zahlen, während sich die Kostensenkung bei deutschen, französischen, niederländischen und österreichischen Unternehmen verlangsamte.

Bei den Exportbestellungen der Eurozone-Produzenten wurde der elfte Anstieg in Folge gemessen. Abgesehen von Frankreich legten die Exportgeschäfte in allen erfassten Ländern zu. Besonders aus den USA, Asien und Europa wurden verstärkt Produkte nachgefragt. Die Zuwachsrate fiel allerdings insgesamt so niedrig aus wie seit letztem Juli nicht mehr.

Der Beschäftigungsaufbau dehnte sich derweil auf fünf Monate aus. Neue Stellen wurden hauptsächlich in Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich und Griechenland geschaffen. In Frankreich wurden hingegen saldiert Arbeitsplätze gestrichen.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Der Rückgang des Industrie-PMI im Mai wird unweigerlich die Forderung lauter werden lassen, dass die politischen Entscheidungsträger der Eurozone einen weiteren kräftigen Impuls verleihen und die Deflationsgefahr abwenden. Allerdings gibt es hierzu gewichtige Gegenargumente.

Erstens wächst die Industrie trotz des Index- Rückgangs derzeit um annähernd 0.5 % auf Quartalsbasis. Zweitens sollten bei der Entscheidung auch die Daten für den Dienstleistungssektor mit in Betracht gezogen werden. Dort wies der PMI das stärkste Wachstum seit fast drei Jahren aus. Zusammengenommen deuten die PMI-Umfragedaten für das zweite Quartal auf einen BIP-Anstieg von ca. 0.5 % hin.

Drittens lassen die Industrie-Daten eine ermutigend starke Leistung einiger Mitgliedsländer erkennen – besonders in vormals krisengeplagten Ländern wie Spanien und Italien, wo eine Erhöhung der Produktivität und eine attraktive Preisgestaltung zu einem beträchtlichen Verkaufsanstieg geführt haben. Dies lässt darauf schließen, dass langfristig angelegte Strukturreformen bereits zu einer Nachfragebelebung beitragen.

Die größte Enttäuschung war im Mai im „Zentrum“ Europas vorzufinden. Besonders Frankreich ist derzeit wie ein Boot, das nicht mit der Flut steigt. Frankreich hat wieder Einbußen erlitten, was bedeutet, dass mehr getan werden muss um die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Hersteller zu verbessern. In Deutschland hat sich der Aufwärtstrend verlangsamt – möglicherweise mitbedingt durch die angespannte Lage in der Ukraine, oder schlichtweg aufgrund der späten Osterfeiertage. Solange der Grund hierfür nicht fest steht, wird die größte Volkswirtschaft der Region auch den größten Schatten auf die Konjunkturentwicklung der Eurozone werfen, sofern die Leistung im Juni nicht wieder anzieht.”