Erste Asset Management: "Hohe Renditen von Emerging Markets Corporate Bonds bieten einen Puffer gegen Leitzinserhöhungen"

Erste Asset Management ’IM GESPRÄCH’: ’Hohe Renditen von Emerging Markets Corporate Bonds bieten einen Puffer gegen Leitzinserhöhungen’



Für viele institutionelle Investoren sind Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern mittlerweile ein wichtiges Instrument der Portfoliodiversifikation. Nach Berechnungen der Erste Asset Management wird bis 2018 ein Volumen von 450 Mrd. US-Dollar fällig. Im Interview spricht Peter Varga, Fondsmanager des ESPA BOND EMERGING MARKETS CORPORATE über die Vorzüge von Schwellenländer-Unternehmensanleihen und erklärt, welchen Schutz sie vor zukünftigen Schwankungen bieten.

Herr Varga, was macht Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets für Anleger interessant?

Varga: Corporate Bonds aus den Schwellenländern bieten gegenüber Emerging-Markets-Staatsanleihen ein größeres Investmentuniversum, eine höhere Rendite und geringere Anfälligkeit gegenüber Zinsschwankungen. Das Volumen ist im Hartwährungsbereich doppelt so groß wie das von Staatsanleihen. Das gewährleistet Liquidität. Bei gleicher Bonität bieten sie derzeit bis zu 1,5 Prozent Überrendite gegenüber Unternehmensanleihen aus den Industrienationen. Dabei sind die längerfristigen konjunkturellen Rahmenbedingungen für die Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern aus den entwickelten Volkswirtschaften besser. Die Verschuldungsquoten sind niedriger und dürften in den nächsten Jahren eher abgebaut werden, während sie in den OECD-Staaten tendenziell weiter zunehmen.

Die Emerging Markets waren in den vergangenen zwölf Monaten wiederholt starken Schwankungen ausgesetzt. Wie anfällig sind Emerging Markets Corporate Bonds in diesem Umfeld?

Varga: Die hohen Renditen bieten einen Puffer, etwa gegenüber zukünftigen Leitzinserhöhungen in den USA. Derzeit beträgt der Aufschlag im Investmentgrade-Bereich cirka 250 Basispunkte gegenüber US-Treasuries. Dadurch kann eine graduelle Zinserhöhung von 30 bis 40 Basispunkten pro Jahr kompensiert werden. Zurzeit ist außerdem ein gewisser Preisanstieg schon eingepreist. Erst wenn die Renditen 10-jähriger Treasuries über drei Prozent steigen, erwarten wir eine Korrektur. Schwellenländer-Unternehmensanleihen sind zudem oft widerstandsfähiger als etwa Aktien oder Lokalwährungsanleihen. So waren etwa die Schwankungen an den Aktienmärkten auch durch enttäuschendes Gewinnwachstum bedingt, was sich jedoch kaum negativ auf Unternehmensanleihen auswirkt. Und Wechselkursschwankungen, wie sie einige Lokalwährungsanleihen getroffen haben, wirken sich so gut wie gar nicht auf Hard Currency Bonds aus.

Welche Länder und Branchen sind derzeit besonders attraktiv und wo sollten Investoren vorsichtig sein?

Varga: Chancen gibt es derzeit etwa in Indonesien, wo Investoren im staatlich geprägten Energiesektor gute Risikoaufschläge finden können. Angesichts schwankender Preise im Zuge der Ukraine-Krise könnte auch der Einstieg in russische Anleihen attraktiv sein, wobei wir bei den Unternehmensanleihen aus Russland mit kurzen Laufzeiten derzeit eher eine Chance sehen, da die Corporate Bonds mit längeren Laufzeiten sich bereits gut entwickelt sind. Russische Papiere dürften allerdings ebenso wie türkische Anleihen in Zukunft weiter volatil bleiben. Wenig attraktiv sind derzeit Bonds aus Hong-Kong oder Korea. Dort sind die Risikoaufschläge zu gering, um zukünftig steigende Renditen in den USA abzufedern.

Über Peter Varga: Peter Varga ist seit 2007 Portfoliomanager des Fonds ESPA Bond Emerging Markets Corporate der Erste Asset Management.