Deutschland: Industrieproduktion im April weiter auf Wachstumskurs

Deutschland: Industrieproduktion im April weiter auf Wachstumskurs



- Beschleunigter Produktionsanstieg trotz leicht verringerter Auftragszuwächse
- Anhaltender Beschäftigungsaufbau
- Markante Reduzierung der Einkaufspreise

Die Expansion der Industrie setzte sich im April den zehnten Monat in Folge fort. Zudem konnten die Hersteller ein etwas stärkeres Wachstum verbuchen als noch im März. Dies zeigt der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index, der binnen Monatsfrist von 53.7 auf 54.1 Punkte zulegte. Der Index fasst die Geschäftslage von über 500 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in einem Wert zusammen.

Das Produktionsniveau der Industrie hat sich seit Mai letzten Jahres saldiert betrachtet kontinuierlich erhöht. Diesmal wiesen die Hersteller insgesamt die zweithöchste Leistungssteigerung seit fast drei Jahren aus. Die Umfragedaten zeigen hierbei, dass die Vorleistungsgüterindustrie das größte Plus verbuchen konnte, gefolgt von den Investitionsgüterproduzenten. Viele der Befragten führten den Anstieg auf eine günstige Konjunkturentwicklung sowie vermehrte Neuaufträge zurück.

Die Zuwächse bei den Auftragseingängen fielen zwar schwächer aus als in den vier Vormonaten, waren aber immer noch beachtlich. Bei über einem Drittel der Umfrageteilnehmer füllten sich die Auftragsbücher. Auch die Exportaufträge legten im April langsamer zu, hier sank die Wachstumsrate auf ein 6-Monatstief.

Angesichts des erhöhten Produktionsbedarfs und positiver Geschäftsprognosen für die kommenden Monate stellten die deutschen Hersteller zusätzliche Arbeitskräfte ein. Dennoch erhöhte sich der Druck auf die Fertigungskapazitäten weiter und die Auftragsbestände nahmen abermals zu.

Ihre Einkaufstätigkeit weiteten die Unternehmen im April weiter aus, wenngleich geringfügiger als in den sechs Monaten zuvor. Einige Einkaufsmanager strebten gezielt einen Lagerabbau an. Allerdings sorgte der allgemein gestiegene Fertigungsbedarf vieler Unternehmen dafür, dass die Hersteller saldiert mehr Ware als im Vormonat bestellten.

Indes schrumpften die Vormaterial- und Fertiglagerbestände gegenüber März, und zwar so schnell wie seit 4 bzw. 13 Monaten nicht mehr.

Gleichzeitig verringerten sich die Einkaufspreise so stark wie seit neun Monaten nicht mehr. Viele der Befragten führten dies auf erfolgreiche Preisverhandlungen, einen verschärften Wettbewerb unter den Zulieferern und niedrigere Preise für einige Rohmaterialien zurück. Die Verkaufspreise blieben weitgehend konstant, nachdem sie im März noch gesunken waren.

Bei den Lieferzeiten der Zulieferer zeichnete sich den neunten Monat in Folge eine Verlängerung ab, zahlreiche Unternehmen meldeten eine höhere Auslastung.

Oliver Kolodseike, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:

“Der finale Einkaufsmanager Index wies im April eine leichte Beschleunigung des Aufwärtstrends aus, wobei die Fertigungsvolumen mit der zweithöchsten Rate seit fast drei Jahren zunahmen. Doch obwohl die Unternehmen ihr Produktionsniveau kräftig anhoben, zeigten sie sich relativ vorsichtig bei der Einstellung neuer Mitarbeiter und der Beschaffung von Produktionsmaterial. Die Einstellungsrate fiel erneut sehr moderat aus, zugleich stiegen die Einkaufsmengen schwächer an als in den fünf Vormonaten. Hierin spiegelt sich teilweise der abgeflachte Anstieg der Auftragseingänge wider.

Die Zuwachsrate der Exportbestellungen sank auf ein 6-Monatstief, ferner verringerten sich die Einkaufspreise so stark wie seit Juli letzten Jahres nicht mehr. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die im April gemessene Abschwächung der Auslandsnachfrage nur vorübergehender Natur ist oder ob die Aufwertung des Euro deutliche Auswirkungen auf die Exportgeschäfte haben wird.”