Wachstum der Eurozone-Privatwirtschaft zieht im Februar weiter an

Wachstum der Eurozone-Privatwirtschaft zieht im Februar weiter an



- Finaler Eurozone Composite Index: 53.3 (Flash 52.7, Januar 52.9)
- Finaler Eurozone Service-Index: 52.6 (Flash 51.7, Januar 51.6)

Rangliste nach Composite Output Index (Feb.):

Deutschland 56.4 33-Monatshoch
Irland 55.0 8-Monatstief
Spanien 53.8 3-Monatstief
Italien 53.4 34-Monatshoch
Frankreich 47.9 2-Monatstief

Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) erklomm in Februar ein 32-Monatshoch und wies damit eine weitere Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone aus. Von 52.9 Punkten im Januar kletterte er binnen Monatsfrist auf 53.3 und signalisierte somit den achten Anstieg in Folge. Auch gegenüber seiner Vorabschätzung verbesserte er sich leicht.

Hauptantrieb für den Aufschwung war auch im Februar die Industrie. Deren Produktionsleistung legte zwar ein wenig schwächer als im Januar aber dennoch weiterhin kräftig zu. Im Vergleich hierzu fiel das Wachstum im Dienstleistungssektor eher bescheiden aus, erreichte aber trotzdem ein 32-Monatshoch.

Die Eurozone profitiert derzeit von einer verbesserte Marktlage. So erhöhten sich die Auftragseingänge den siebten Monat in Folge und zugleich so stark wie seit Mai 2011 nicht mehr. Diese Entwicklung übertrug sich allerdings kaum auf das Beschäftigungsniveau, welches gegenüber dem Vormonat nur marginal anstieg. Zumindest jedoch lag die Einstellungsrate höher als in den letzten zwei Jahren.

Als einen der Hauptgründe für die weiter vorwiegende Zurückhaltung bei der Stellenschaffung führten viele Unternehmen den anhaltenden Wettbewerbsdruck an. Nach eigenen Angaben versuchen die Unternehmen nach wie vor, eine Erhöhung der Lohnkosten zu vermeiden, damit sie die Rabattvergaben an ihre Kunden weiterhin finanzieren und somit ihr Geschäft beleben können. Die durchschnittlichen Verkaufspreise nehmen mittlerweile seit April 2012 kontinuierlich ab. Die Einkaufskosten stiegen derweil den neunten Monat in Folge an, zumindest jedoch sank die Inflationsrate auf den tiefsten Stand seit September.

In der PMI-Tabelle löste Deutschland Irland als Spitzenreiter ab. Die deutsche Wirtschaft verzeichnete insgesamt die höchste Wachstumsrate seit Mai 2011 und zudem einen soliden Beschäftigungsaufbau.

Auch in Italien gewann die Erholung an Fahrt: Das Geschäftswachstum erreichte dort annähernd ein 3-Jahreshoch, nachdem die Auftragseingänge deutlich zugelegt hatten. In Spanien ging es eben-falls bergauf, wenngleich etwas langsamer als im Vormonat. Frankreich jedoch verbuchte im Februar infolge erneuter Auftragsrückgänge verstärkte Einbußen.

Mit der Beschäftigungsentwicklung ging es in Frankreich, Spanien und Italien abwärts, da die dort ansässigen Unternehmen versuchten, durch Kostensenkungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Alle drei Länder verzeichneten zudem einen Fall der Verkaufspreise.

Servicesektor:

Der Aufschwung des Dienstleistungssektors in der Eurozone weitete sich im Februar auf sieben Monate aus. Dank einer Erstarkung der Binnennachfrage in den meisten von der Umfrage erfassten Ländern erreichten die Zuwachsraten sowohl bei der Geschäftstätigkeit als auch bei den Neuaufträgen den höchsten Stand der derzeitigen Erholungsphase. Im Hinblick auf die Entwicklung binnen Jahresfrist zeigten sich die Dienstleister weiterhin ausgesprochen zuversichtlich und die Stimmung blieb annähernd so optimistisch wie während ihres 2,5-Jahreshochs im Vormonat.

Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index kletterte von 51.6 Punkten im Januar auf 52.6 und ließ damit nicht nur seine Vorabschätzung um 0.9 Punkte hinter sich, sondern erreichte auch ein 32-Monatshoch. Alle erfassten Länder übertrafen dabei ihre Vorabschätzungen, insbesondere Italien und Deutschland.

Irland erzielte den zwölften Monat in Folge den höchsten Zuwachs bei der Geschäftstätigkeit, wenngleich dort die Steigerungsrate auf das niedrigste Niveau seit November zurückging. Deutschland rangiert derzeit dank seines 32-Monatshochs auf dem zweiten Platz. Nach einem dreimonatigen Rückgang verbuchte auch Italien wieder ein Plus, in Spanien setzte sich die Erholung derweil leicht verlangsamt fort. Frankreich verzeichnete als einziges Land ein Absinken der Geschäftstätigkeit. Auch die Neuaufträge waren wieder rückläufig und spiegelten eine schwache Nachfrage auf dem französischen Binnen-markt wider. In den vergangenen zwei Jahren waren die Auftragszahlen lediglich im September 2013 angestiegen.

Das Beschäftigungsniveau des Dienstleistungssektors blieb im Februar auf Ebene der Eurozone weit-gehend konstant. Der verstärkte Stellenzuwachs in Deutschland und Irland wurde durch die vermehrten Kürzungen in Frankreich und Italien sowie den wieder einsetzenden Jobabbau in Spanien ausgeglichen.

Einige Unternehmen gaben bekannt, dass die aufgrund des verstärkten Wettbewerbsdrucks vorgenommenen Sparmaßnahmen auch Entlassungen beinhaltet hatten. Zudem hatte der erhöhte Wettbewerb die Dienstleister auch zu vermehrten Preisnachlässen bewogen. Die Unternehmen versuchten damit, ihr Geschäft zu beleben. Infolgedessen nahmen die Angebotspreise sowohl insgesamt als auch speziell in Frankreich, Italien, Spanien und Irland ab. In Deutschland legten sie hingegen zu.

Bei den Einkaufspreisen zeichnete sich indes im Februar in allen erfassten Ländern ein Anstieg ab. Allerdings nahm die Inflationsrate ab und fiel geringer aus als der Durchschnittswert der aktuellen Verteuerungsphase.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Der finale PMI weist darauf hin, dass die Wirtschaft der Eurozone das größte Wachstum seit Juni 2011 erzielt hat. Die Vorabschätzung hatte dagegen noch eine Abkühlung der Konjunktur signalisiert. Zudem legen die Umfragedaten nahe, dass die Region im ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0.4 bis 0.5 % verzeichnen könnte. Dies wäre das beste Ergebnis seit drei Jahren.

In der Industrie verlangsamte sich der Aufwärtstrend ein wenig, dennoch legte der Sektor im Februar robust zu. Der entscheidende Schub für den PMI kam allerdings aus dem Dienstleistungssektor. Die anziehende Geschäftstätigkeit bei den Dienstleistern spiegelt eine willkommene Belebung der Binnennachfrage innerhalb der Eurozone wider und verdeutlicht, dass sich die Erholung auch über den Industriesektor hinaus ausbreitet.

Auch hinsichtlich des Beschäftigungstrends gibt es gute Nachrichten: Aktuell zeichnete sich der erste, wenngleich noch bescheidene, Stellenaufbau seit 2011 ab. Dieser legt nahe, dass die Unternehmen immer mehr mit einer nachhaltigen Erholung rechnen.

Besorgniserregend bleiben jedoch die anhaltenden Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Der derzeitige Kontrast zwischen dem schnellen Wachstum in Deutschland und den Einbußen in Frankreich ist – ausgenommen des Jahresbeginns 2013 – der stärkste der PMI-Geschichte.

Die wohl besten Neuigkeiten kamen aus Spanien, welches sich derzeit des größten Quartalswachstums seit sieben Jahren erfreut, und Italien, dessen Expansionsrate sich einem 3-Jahreshoch näherte. Die Aufwärtsrevision des PMI-Werts für Februar dürfte zusammen mit der unerwartet hohen Inflation etwaige Forderungen nach einem Handeln der EZB entkräften.“