Stärkste Auftragszuwächse seit Mitte 2011 sorgen in der Eurozone für anhaltenden Aufschwung
Stärkste Auftragszuwächse seit Mitte 2011 sorgen in der Eurozone für anhaltenden Aufschwung
- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 52.7 (Jan. 52.9); 2-Monatstief
- Flash Eurozone Service-Index Geschäfts-tätigkeit bei 51.7 (Jan. 51.6); 5-Monatshoch
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 53.0 (Jan. 54.0); 2-Monatstief
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 55.5 (Jan. 56.7); 2-Monatstief
Mit einer der höchsten Wachstumsraten seit über zweieinhalb Jahren setzte die Eurozone-Privatwirtschaft ihren Aufschwung im Februar fort. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 0.2 Punkte auf 52.7 nachgab, sich damit allerdings nur minimal vom 31-Monatshoch im Januar entfernte. Seit letztem Juli notiert der Index nun bereits über der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten und verzeichnet damit den achten Monat in Folge kontinuierliches Wachstum.
Der 7. Auftragszuwachs hintereinander fiel so stark aus wie zuletzt im Juni 2011.
Die Beschäftigung blieb hingegen den dritten Monat in Folge konstant, nachdem sie zuvor knapp zwei Jahre lang gesunken war. Offensichtlich konzentrieren sich die Unternehmen weiter auf die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit anstatt auf Neueinstellungen.
Wegen des scharfen Wettbewerbs wurden die Verkaufspreise zwar den 23. Monat in Folge reduziert, die Ermäßigung fiel jedoch aufgrund der vereinzelt wieder verbesserten Preismacht und der Notwendigkeit, die gestiegenen Einkaufspreise an die Kunden weiterzugeben, so schwach aus wie zuletzt im Mai 2012. Der 9. Anstieg der Einkaufspreise in Folge fiel verhaltener aus als in den zurückliegenden vier Monaten.
Die leichte Wachstumsbeschleunigung im Servicesektor wurde im Februar vom abgeschwächten Produktionswachstum in der Industrie überkompensiert. Dessen ungeachtet schnitt die Industrie abermals besser ab als der Servicesektor, was auch auf die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen von außerhalb der Eurozone zurückzuführen war.
Die 8. Produktionssteigerung in der Industrie in Folge schwächte sich gegenüber Januar zwar leicht ab, der Index hielt sich jedoch auf dem zweithöchsten Wert seit April 2011. Auch die Auftragszuwächse fielen in der Industrie insgesamt etwas niedriger aus als im Vormonat. Die Beschäftigung legte erstmals seit über zwei Jahren wieder in zwei aufeinander folgenden Monaten zu.
Im Servicesektor fiel das 7. Geschäftswachstum in Folge nicht nur so stark aus wie zuletzt im September 2013, der Service-Index erreichte sogar den zweithöchsten Wert seit Juni 2011. Auch der Auftragseingang wies ein höheres Plus aus als im Januar. Insgesamt blieben beide Zuwachsraten jedoch im Vergleich zu den Werten von vor der Finanzkrise moderat. Wegen des insgesamt noch recht wackligen Aufschwungs sank die Beschäftigung im Servicesektor minimal. Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieben jedoch genauso optimistisch wie zum Zweieinhalb-Jahreshoch im Januar.
Auf Länderebene liefen die Entwicklungen in Deutschland und Frankreich weiter auseinander. Die deutschen Unternehmen vermeldeten die stärksten Geschäfts- und Auftragszuwächse seit Juni 2011. Der Jobaufbau fiel wegen des hohen Auftragseingangs und der daraus resultierenden Kapazitätsausweitungen so kräftig aus wie zuletzt im Januar 2012. Wegen der starken Nachfrage konnten in Deutschland auch die Verkaufspreise angehoben werden. Und auch der Ausblick fällt rosig aus, was die optimistischsten Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor seit März 2011 zeigen.
Frankreich verzeichnete zum vierten Mal hintereinander Wachstumseinbußen, wobei sich der Abwärtstrend infolge der vergrößerten Auftragsverluste weiter beschleunigte. Folglich verstärkten die Unternehmen den Jobabbau, und die Verkaufspreise wurden zur Ankurbelung der Umsätze ein weiteres Mal reduziert. Die Industrieproduktion stieg aufgrund des verbesserten Exportneugeschäfts zum zweiten Mal innerhalb der letzten zwei Jahre leicht. Der Servicesektor schrumpfte so stark wie seit Mai 2013 nicht mehr. Ungeachtet dessen fielen die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist so optimistisch aus wie zuletzt im März 2012.
Außerhalb Deutschlands und Frankreichs verzeichneten die Länder im Durchschnitt das 7. Wachstum in Folge. Die Steigerungsrate schwächte sich zwar leicht ab, sie entfernte sich jedoch nur wenig vom annähernden 3-Jahreshoch im Januar. Die Auftragszuwächse erreichten ebenfalls ein 3- Jahreshoch, Beschäftigung und Verkaufspreise wurden jedoch abermals reduziert. Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieben im Servicesektor zwar zuversichtlich, der entsprechende Index sank allerdings auf ein 4- Monatstief.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Der leicht gesunkene Eurozone Composite Flash zeigt, dass der Aufschwung weiter unausgeglichen ist und auf wackligen Beinen steht. Die Wachstumsabschwächung ist zwar enttäuschend, doch sollten daraus jetzt keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, da die Auftragszuwächse gerade so gut ausgefallen sind wie zuletzt Mitte 2011. Die Januar- und Februar-Daten zusammengenommen deuten auf ein BIP-Wachstum von bis zu 0.5% im ersten Quartal 2014 hin, was der beste Wert seit drei Jahren wäre.
Das Wachstum in Deutschland steht in krassem Gegensatz zur neuerlichen Talfahrt in Frankreich, wo die kränkelnde Binnenkonjunktur das gute Exportgeschäft derzeit überkompensiert. Damit wächst das Risiko, dass Frankreich im ersten Quartal 2014 wieder in die Rezession zurückfällt. Deutschland könnte hingegen ein BIP-Wachstum von bis zu 0.7% schaffen. Indes läuft die Konjunktur in den Peripherieländern so gut wie seit Anfang 2011 nicht mehr, was zur Folge haben könnte, dass der Aufschwung im weiteren Jahresverlauf zusehends an Breite und Nachhaltigkeit gewinnt.
Die Arbeitslosigkeit bleibt hingegen ein Dauerbrenner. Anscheinend sind die Unternehmen weiter gezwungen, die Mitarbeiterzahlen niedrig zu halten, um Kosten einzusparen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Und auch die Verkaufspreise werden weiter reduziert, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit knapp zwei Jahren, da die Firmen Absatzsteigerungen oftmals nur durch Preisnachlässe erzielen können.“