Eurozone erwirtschaftet zu Jahresbeginn das größte Wachstum seit zweieinhalb Jahren

Eurozone erwirtschaftet zu Jahresbeginn das größte Wachstum seit zweieinhalb Jahren



- Finaler Eurozone Composite Index: 52.9 (Flash 53.2, Dezember 52.1)
- Finaler Eurozone Service-Index: 51.6 (Flash 51.9, Dezember 51.0)

Rangliste nach Composite Output Index (Jan.):

Irland 57.8 2-Monatstief
Deutschland 55.5 31-Monatshoch
Spanien 54.8 78-Monatshoch
Italien 51.3 3-Monatshoch
Frankreich 48.9 3-Monatshoch

Die Privatwirtschaft der Eurozone erzielte im Januar den siebten Monat in Folge Wachstum. Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) nahm binnen Monatsfrist von 52.1 auf 52.9 Punkte zu und erreichte den höchsten Stand seit Juni 2011. Seine Vorabschätzung unterschritt er allerdings um 0.3 Punkte.

Das Gesamtwachstum wurde vor allem von der Industrie vorangetrieben, wo verstärkte Exportbestellungen und einströmende Auftragseingänge den größten Produktionsanstieg seit fast drei Jahren auslösten.

Die Erholung im Dienstleistungssektor fiel dagegen weitaus schwächer aus. Die Geschäftszuwächse erreichten zwar ein 3-Monatshoch, nahmen sich aber eher bescheiden aus. Angesichts der verlangsamten Auftragsvergabe an Dienstleistungsunternehmen sind auch für Februar keine großen Steigerungen abzusehen.

Irland führte im Januar die Tabellenspitze an und erzielte eines der besten Ergebnisse der vergangenen sieben Jahre. Auch die deutsche und spanische Wirtschaft legten zu, ihre Geschäftstätigkeit erreichte die höchsten Zuwachsraten seit Juni 2011 bzw. Juli 2007.

Italien konnte sich erstmals seit drei Monaten wieder zurück in die Wachstumszone vorarbeiten. Frankreich verzeichnete als einziges der vier Kernländer im Januar Einbußen. Zwar fiel der Rückgang diesmal schwächer aus, allerdings erstreckte er sich sowohl auf den Industrie- als auch auf den Dienstleistungssektor.

Das Beschäftigungsniveau der Eurozone stagnierte indes den zweiten Monat in Folge. Gegenüber den vorangegangenen zweijährigen Jobkürzungen und dem in der Vorabschätzung signalisierten marginalen Stellenabbau stellt dies jedoch immer noch eine Verbesserung dar.

In Deutschland wurden saldiert neue Arbeitsplätze geschaffen, und auch die spanischen Unternehmen stellten aktuell wieder zusätzliche Mitarbeiter ein. Doch in Frankreich und Italien wurde insgesamt Personal freigesetzt, wenngleich sich dort die Entlassungsraten verringerten. In Irland blieb die Arbeitslage weitgehend unverändert.

Der Inflationsdruck blieb im Januar weiterhin niedrig. Bei den Verkaufspreisen zeichnete sich angesichts der anhaltend schwachen Nachfrage der 22. Rückgang in Folge aus, welcher sich allerdings verhältnismäßig gering ausnahm. Nur Deutschland konnte sich dem allgemeinen Trend widersetzen. Bei den Einkaufspreisen blieb die Inflationsrate weit unter ihrem Langzeit-Durchschnitt.

Servicesektor:

Die Geschäftstätigkeit des Dienstleistungssektors nahm den sechsten Monat in Folge zu. Zugleich stieg der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index von 51.0 binnen Monatsfrist auf 51.6 und erreichte ein 3-Monatshoch, allerdings fiel damit die Zuwachsrate eher gering aus.

Von allen erfassten Ländern verbuchte Irland die höchste Expansionsrate, wenngleich diese nicht ganz an ihr 7-Monatshoch von Dezember herankam. Im Gegensatz dazu musste Spanien als einziges Land verstärkte Verluste hinnehmen. In Deutschland schwächte sich das Wachstum etwas ab, während sich in Frankreich und Italien die Einbußen verringerten.

Wie schleppend die wirtschaftliche Erholung des Dienstleistungssektors derzeit noch verläuft, zeigte sich besonders an der Entwicklung der Auftragseingänge und Orderbestände. Zwar gingen saldiert den sechsten Monat in Folge mehr Aufträge bei den Unternehmen ein, doch der Anstieg verläuft weiterhin langsam und verringerte sich gegenüber Dezember.

In zwei der größten drei Länder – Deutschland und Italien – nahmen die Ordereingänge nur geringfügig zu, während sie in Frankreich deutlich zurückgingen. In Irland und Spanien zog die Auftragsvergabe kräftig an.

Die insgesamt verhaltene Nachfrage im Dienstleistungssektor der Währungsunion sorgte dafür, dass die Auftragsbestände den 31. Monat in Folge dahinschmolzen, und zwar in allen erfassten Ländern. Infolgedessen setzte sich auch der Beschäftigungsabbau zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Monate fort.

In Frankreich und Italien wurden abermals Arbeitskräfte freigesetzt, in Deutschland ging die Einstellungsrate gegenüber ihrem 2-Jahreshoch von Dezember zurück. Die irischen Unternehmen schufen zahlreiche neue Stellen, während das Beschäftigungsniveau in Spanien erstmals seit fast sechs Jahren geringfügig zunahm.

Die Verkaufspreise reduzierten sich im Durchschnitt zum 26. Mal hintereinander, jedoch so geringfügig wie seit Mai 2012 nicht mehr. Indessen nahmen die Einkaufspreise weiter zu, ihre Inflationsrate lag aber unter ihrem Langzeit-Durchschnitt.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich im Januar und das Stimmungsbarometer erreichte den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren, der Indikator liegt allerdings seit Mitte 2011 unter seinem Langzeit-Durchschnitt.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Wenngleich der finale Composite Index Eurozone nicht so hoch ausfiel wie seine Vorabschätzung, läutete er dennoch einen positiven Start in das neue Jahr ein. Die Privatunternehmen verzeichnen derzeit die größten Geschäftszuwächse der letzten zweieinhalb Jahre und lassen ein Wachstum von 0.5 % im ersten Quartal erwarten, sofern die aktuelle Wachstumsrate konstant bleibt. Es ist davon auszugehen, dass die BIP-Prognosen für das Jahr 2014 nach oben revidiert werden, wenn der PMI weiter zulegt. Ein BIP-Anstieg von 1 % erscheint bereits jetzt als eher niedrig angesetzt. Der Aufschwung erfasst auch zunehmend den Arbeitsmarkt. So hat sich das Beschäftigungsniveau über die beiden letzten Monate hinweg stabilisiert, wodurch der ab Anfang 2012 vorangetriebene Stellenabbau zu Ende gegangen ist. Es besteht die Hoffnung, dass die Unternehmen bald wieder ausreichend neue Stellen schaffen um die Arbeitslosenrate in den kommenden Monaten zu senken. Dies könnte für viele den eigentlichen Beginn der konjunkturellen Erholung symbolisieren.

Während Deutschland schon allein aufgrund seiner Größe weiterhin die Hauptimpulse setzt, fasst der Aufwärtstrend auch in anderen Ländern immer mehr Fuß. Dadurch erhöht sich die Chance, dass er auch weiterhin Bestand haben wird. Spanien und Irland verzeichnen derzeit ein robustes Wachstum und erleben die stärkste Aufwärtsphase seit 2007.

Auch Italien ist wieder auf Wachstumskurs und Frankreichs Privatwirtschaft zeigt jetzt immer mehr Anzeichen einer Stabilisierung.

Das Hauptproblem ist aktuell, dass die Erholung zu sehr von der Entwicklung im Industriesektor abhängt. Im Dienstleistungssektor geht es zwar nun ebenfalls wieder bergauf, seine geringe Zuwachsrate spiegelt aber eine nach wie vor schwache Binnennachfrage – vor allem seitens der Verbraucher – in vielen Ländern der Eurozone wider, insbesondere in Frankreich und Italien. Ein Belebung der Verbrauchernachfrage in diesen Ländern ist eine wichtige Grundlage für einen kräftigeren Aufschwung.“