Eurozone-Industrie legt zu Jahresbeginn noch einen Gang zu

Eurozone-Industrie legt zu Jahresbeginn noch einen Gang zu



- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie bei 54.0 Punkten im Januar (32-Monatshoch, Dezember 52.7)
- Deutschland führt Wirtschaftswachstum an, auch Griechenland zieht mit
- Steigende Auftragszahlen beschleunigen Beschäftigungswachstum

Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Januar)

Deutschland 56.5 (Flash 56.3) 32-Monatshoch
Niederlande 54.8 3-Monatstief
Österreich 54.1 Unverändert
Italien 53.1 2-Monatstief
Irland 52.8 2-Monatstief
Spanien 52.2 45-Monatshoch
Griechenland 51.2 65-Monatshoch
Frankreich 49.3 (Flash 48.8) 4-Monatshoch

Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) wies im Januar das stärkste Industriewachstum seit Mai 2011 aus. Mit 54.0 übertraf er seine Vorabschätzung um 0.1 Punkte und legte den vierten Monat in Folge zu. Mittlerweile hält er sich seit Juli 2013 oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Den Auftrieb verdankt die Industrie vor allem soliden Zuwächsen bei Produktion, Exportbestellungen und Gesamtaufträgen, die sich allesamt mit den größten Steigerungsraten seit April 2011 erhöhten. Derzeit signalisiert der Index für die Produktionsleistung einen Quartalsanstieg von mindestens 1.0 %.

Auch territorial hat sich die Erholung der Eurozone-Industrie weiter ausgebreitet. Griechenland schaffte es erstmals seit August 2009 zurück in die Wachstumszone und gesellt sich damit zu Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich und Irland.

Das Industriewachstum wurde von Deutschland angeführt. Hier erreichte der PMI-Wert ein 32-Monatshoch. Auch die Niederlande und Österreich hielten sich deutlich im Plus, allerdings gab der niederländische PMI gegenüber dem Vormonat stark nach. Neben Deutschland konnte lediglich Spanien eine gestiegene Wachstumsrate ausweisen.

Das derzeitige Wachstum führten die Umfrageteilnehmer auf eine Stabilisierung der Binnenmärkte wie auch auf eine Besserung der Globalwirtschaft und die damit verbundenen Exportzuwächse zurück. Selbst in Frankreich und Griechenland zogen die Exportgeschäfte wieder an, so dass erstmals seit Mai 2011 alle erfassten Länder einen Anstieg der Auslandsnachfrage verzeichneten.

Für die Industrie der gesamten Eurozone wurde im Januar zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein Beschäftigungsaufbau gemessen. Dieser fiel zwar bescheiden aus, erreichte aber dennoch das höchste Niveau seit September 2011.

In Deutschland belief sich die Einstellungsrate auf ein 2-Jahreshoch, in Italien auf ein 32-Monatshoch und in Irland auf ein 2-Monatshoch. Auch in Spanien und Österreich wurden saldiert wieder neue Stellen geschaffen. In Frankreich und Griechenland ebbte die Entlassungswelle indes ab, jedoch verzeichneten diesmal auch die Niederlande zum ersten Mal seit fünf Monaten einen Abbau von Arbeitsplätzen.

Zu verdanken ist die höhere Gesamtbeschäftigung einer gestiegenen Nachfrage und dem stärksten Anstieg der Auftragsbestände seit fast drei Jahren. Beide deuten darauf hin, dass das Produktionsniveau der Unternehmen in den kommenden Monaten weiter steigen könnte. Auch die markanteste Erhöhung der Einkaufspreise seit Mitte 2011 weist auf einen verstärkten Aufwärtstrend hin.

Der Preisdruck hielt sich im Januar dennoch in Grenzen. Die Einkaufspreise stiegen langsamer als in den vergangenen drei Monaten, während die Verkaufspreise der Hersteller nur moderat und geringfügiger als in den beiden Vormonaten zulegten. Deutschland, Italien und Österreich waren die einzigen Länder, die eine Erhöhung der Verkaufspreise auswiesen.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Die Erholung der Eurozone-Industrie hat im Januar deutlich an Dynamik gewonnen und die finalen PMI-Werte für Deutschland, Frankreich und die gesamte Eurozone haben gegenüber ihren Vorabschätzungen zugelegt.

Derzeit signalisieren die Umfragedaten ein Produktionswachstum von über 1 % auf Quartalsbasis. Spitzenreiter Deutschland könnte sogar auf 3 % kommen. Erfreulich ist zudem, dass in Frankreich immer mehr Anzeichen für eine allmähliche Stabilisierung sprechen und die dortigen Exportgeschäfte wieder zulegt haben. Aktuell verbuchte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone allerdings erneut Einbußen und stellt damit für den Euroraum weiterhin eine Belastung dar.

Die wohl beste Neuigkeit ist, dass sich die Industriebelebung in den Peripherieländern weiter fortgesetzt hat. Sowohl Italien als auch Spanien verzeichneten einen robusten Anstieg bei Auftragseingängen und Produktionsleistung, und dass selbst Griechenlands PMI erstmals seit August 2009 die 50-Punkte-Marke überschritten hat, lässt ersehen, dass auch die krisengeplagten Länder wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt sind.

Der PMI zeichnet ein zunehmend freundliches Bild und deutet derzeit auf ein BIP-Wachstum von 0.4 bis 0.5 % für das erste Quartal hin. Dadurch verringert sich der Druck auf die EZB, zusätzliche Anreize zu setzen. Die Hauptsorgen der EZB werden zweifelsohne der Preisdruck und die Deflationsgefahr bleiben, zumal die Inflation der Einkaufs- und Verkaufspreise im Januar weiter abgeebbt ist.”