Aufschwung der Eurozone beschleunigt sich zum Ende des dritten Quartals
Aufschwung der Eurozone beschleunigt sich zum Ende des dritten Quartals
- Finaler Eurozone Composite Index: 52.2 (Flash 52.1, August 51.5)
- Finaler Eurozone Service-Index: 52.2 (Flash 52.1, August 50.7)
Rangliste nach Composite Output Index (Sep.):
Irland 55.7 2- Monatstief
Deutschland 53.2 2- Monatstief
Italien 52.8 29-Monatshoch
Frankreich 50.5 20-Monatshoch
Spanien 49.6 2-Monatstief
Die September-Ergebnisse der PMI-Umfragen liefern weitere Anzeichen dafür, dass sich die Eurozone von der längsten Rezession ihrer Geschichte zunehmend erholt. Dazu gehört auch, dass die Entlassungsrate nur noch verschwindend gering ausfiel und so auf eine baldige Belebung des Arbeitsmarktes hoffen lässt.
Der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) kletterte von 51.5 auf 52.2 Punkte und erreichte ein 27-Monatshoch. Damit überschritt er auch seine Vorabschätzung um 0.1 Punkte. Seit März steigt der Index kontinuierlich an und hat sich das gesamte dritte Quartal oberhalb der neutralen 50-Punkte-Grenze gehalten. Das Wachstum im September rundete nun das stärkste Quartalergebnis der Eurozone seit dem zweiten Quartal 2011 ab.
Die Zuwachsraten für die Produktionsleistung der Industrie und die Geschäftstätigkeit der Dienstleister hielten sich im September die Waage. Denn während das Produktionswachstum gegenüber dem Spitzenwert von August zurückgegangen war, hatte die Geschäftstätigkeit der Dienstleistungsunternehmen binnen Monatsfrist angezogen und im September ein 27-Monatshoch erreicht.
Das derzeitige Wachstum speist sich insbesondere aus dem zweiten Anstieg der Gesamtauftragseingänge in Folge. Dieser war zugleich der stärkste seit Juni 2011. Sowohl die Binnen- als auch die Exportnachfrage zogen im Monatsverlauf an. Von der Nachfragebelebung profitierten Dienstleistungs- wie auch Industrieunternehmen. Bei den Herstellern verbesserten sich die Exportgeschäfte damit ein weiteres Mal.
Bei der Preisentwicklung zeigte sich ein gemischtes Bild. Die Einkaufspreise stiegen nicht zuletzt aufgrund steigender Ölpreise abermals saldiert an. Die Inflationsrate fiel bei den Dienstleistern weiterhin hoch aus, während die Durchschnitts-kosten der Hersteller erstmals seit Januar wieder zunahmen. Im Gegensatz hierzu verringerten sich die Verkaufspreise infolge des hohen Wettbewerbsdrucks erneut, wenn auch weniger stark als in den 15 Vormonaten.
Von den vier Kernländern erwirtschaftete Deutschland das größte Wachstum und setzte seinen Beschäftigungsaufbau zum zweiten Mal innerhalb der letzten drei Monate fort. Auch Italien erzielte ein kräftiges Plus – das höchste seit April 2011 – und senkte seine Entlassungsrate auf ein 2-Jahrestief.
Frankreich verbuchte zumindest einen marginalen Anstieg, nachdem es in den letzten eineinhalb Jahren Einbußen hatte hinnehmen müssen. Der französische Arbeitsmarkt stabilisierte sich weitgehend, da bei den Industrie- und Dienstleistungsunternehmen nur noch sehr begrenzt Stellenstreichungen vorgenommen wurden.
Spanien bildete im September das Schlusslicht. Die bescheidenen Zuwächse der spanischen Industrieunternehmen vermochten die Einbußen der Dienstleister nicht auszugleichen. Spaniens Entlassungsrate erreichte ein 28-Monatstief, war aber dennoch höher als in den anderen drei Kernländern.
Servicesektor:
Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index legte von 50.7 auf 52.2 Punkte zu und erreichte ebenfalls ein 27-Monatshoch. Zudem schloss er 0.1 Punkte über seiner Vorabschätzung und signalisierte das zweite Wachstum in Folge.
Die Geschäftstätigkeit erreichte in Deutschland ein 7-Monatshoch, in Frankreich ein 20-Monatshoch und in Italien den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Damit kehrte sich der Negativtrend in Frankreich und Italien um. Spanien jedoch verzeichnete nach geringen Zuwächsen im August aktuell wieder Verluste. Irlands Dynamik ließ zwar im Monatsverlauf deutlich nach, blieb aber nach wie vor stark.
Die Geschäftsaussichten für die Dienstleister der Eurozone gestalteten sich insgesamt weiterhin positiv: Nicht zuletzt dank des 27-Monatsrekords bei der Geschäftstätigkeit ist ihre Zuversicht derzeit so hoch wie seit März 2012 nicht mehr. Angesicht der sich abzeichnenden anhaltenden Erholung in der Eurozone und der Weltwirtschaft passten die Unternehmen ihre Prognosen nach oben an.
Der Anstieg der Geschäftstätigkeit und der Neuauftragszahlen sowie die verbesserten Geschäftsaussichten spiegelten sich auch in der Beschäftigungsentwicklung wider. Diese stabilisierte sich nach einer zwanzigmonatigen Abwärtsphase im September. Irland und Deutschland verzeichneten einen verstärkten Stellenaufbau, während die Entlassungen in Frankreich, Italien und Spanien abebbten.
Die Inflationsrate der Einkaufspreise sank im September auf ein 3-Monatstief. Etwaige Kostensteigerungen ließen sich vor allem auf höhere Treibstoff-, Rohöl- und Transportpreise zurückführen. Die Angebotspreise gingen infolge des hohen Wettbewerbsdrucks weiter zurück, jedoch nur so geringfügig wie zuletzt im Mai 2012.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Der finale PMI hat die Aussage seiner Vorabschätzung bestätigt: Die Eurozone hat im dritten Quartal das stärkste Wachstum seit knapp über drei Jahren erzielt. Da sich der Aufschwung im September noch beschleunigt hat, befindet sich die Eurozone in einer guten Ausgangslage für das letzte Quartal.
Insbesondere die deutsche Wirtschaft stärkte den allgemeinen Aufwärtstrend, aber auch Frankreich hat es zurück in die Wachstumszone geschafft. Noch ermutigender sind die guten Zahlen für Irland und Italien, die auf eine positive Konjunkturentwicklung in beiden Ländern hinweisen. Selbst in Spanien hat sich die Konjunkturlage annähernd stabilisiert. Dort konnte die anhaltend schwache Binnennachfrage durch stark anziehende Exportgeschäfte kompensiert werden.
Die Eurozone ist jedoch noch längst nicht über den Berg. Zum einen bleibt das Wachstum insgesamt weiter moderat. Der Eurozone-PMI deutet auf ein BIP-Wachstum von gerade einmal 0.2 % im dritten Quartal hin. Zum anderen ist die aufflammende politische Krise in Italien ein deutliches Zeichen dafür, dass der Konjunkturaufschwung nach wie vor aus der Bahn geworfen werden könnte.“