Eurozone-Aufschwung gewinnt im September an Dynamik
Eurozone-Aufschwung gewinnt im September an Dynamik
- Flash Eurozone Composite Index Produktion(1) bei 52.1 (Aug. 51.5); 27-Monatshoch
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 52.1 (Aug. 50.7); 27-Monatshoch
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 51.1 (Aug. 51.4); 2-Monatstief
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 52.1 (Aug. 53.4); 3-Monatstief
Mit aktuell 52.1 Punkten nach 51.5 im August deutet der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion auf das stärkste Wirtschaftswachstum der Eurozone Privatwirtschaft seit Juni 2011 hin. Aufgrund des dritten Wachstums in Folge schneidet die Eurozone damit im dritten Quartal 2013 so gut ab wie seit dem zweiten Quartal 2011 nicht mehr.
Zurückzuführen war die beschleunigte Dynamik im September in erster Linie auf den Auftragseingang. Hier fiel das zweite Plus in Folge so hoch aus wie zuletzt im Juni 2011. Sowohl die Industrie als auch der Servicesektor vermeldeten im September Wachstum, doch nur im Servicesektor gewann der Aufschwung an Fahrt.
Dank der wiederholt guten Auftragslage fiel das zweite Geschäftswachstum im Servicesektor in Folge so stark aus wie seit Juni 2011 nicht mehr. Und dass die Dienstleister so optimistisch auf die Geschäftsentwicklung binnen Jahresfrist blicken wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr, deutet darauf hin, dass sie auch in den nächsten Monaten mit einer weiter anziehenden Nachfrage rechnen.
In der Industrie wurde die Produktion zwar zum dritten Mal hintereinander ausgeweitet, die Zuwachsrate schwächte sich gegenüber August jedoch leicht ab. Dessen ungeachtet fiel das dritte Quartal 2013 in der Industrie so gut aus wie seit Q2/2011 nicht mehr. Der dritte Zuwachs beim Neugeschäft in Folge schwächte sich gegenüber August ebenfalls leicht ab. Das dritte Exportorderplus hintereinander fiel hingegen nur etwas niedriger aus als zum 27-Monatshoch im August.
Aufgrund der verbesserten Auftragslage sanken die Auftragsbestände erstmals seit Juni 2011 nicht mehr.
Die anziehende Nachfrage sorgte auch dafür, dass sich der Jobabbau verlangsamte. Unterm Strich gingen in der Eurozone im September so wenige Stellen verloren wie nie seit Beginn des Arbeitsplatzabbaus im Januar 2012. Im Servicesektor stabilisierte sich die Beschäftigungslage nach 20-monatigem Rückgang wieder, und in der Industrie wurden nur in geringem Umfang Stellen gestrichen.
Die Preise entwickelten sich uneinheitlich. Die Verkaufspreise wurden mit der niedrigsten Rate seit Mai 2012 reduziert, was die Befragten auch auf den stärksten Anstieg der Einkaufspreise seit Januar zurückführten.
Die gestiegenen Ölpreise gaben den Ausschlag dafür, dass die durchschnittlichen Einkaufspreise in der Industrie erstmals seit Januar wieder zulegten und die Betriebe ihre Verkaufspreise erstmals seit Mai 2012 wieder leicht erhöhten.
Im Servicesektor schwächte sich der Kostenanstieg leicht ab, was die Unternehmen auch mit dem schwachen Lohndruck begründeten. Die Angebotspreise der Dienstleister mussten wegen des scharfen Wettbewerbs jedoch abermals reduziert werden, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit Mai 2012.
In Deutschland sorgte der stärkste Zuwachs beim Neugeschäft seit über zwei Jahren dafür, dass die Wirtschaftsleistung so kräftig zulegte wie seit acht Monaten nicht mehr. Folglich fiel der Jobaufbau hier auch so stark aus wie zuletzt vor 18 Monaten. Während die Geschäfte im deutschen Servicesektor so gut liefen wie seit sieben Monaten nicht mehr, fiel das Produktionswachstum in der Industrie schwächer aus als in den beiden Vormonaten.
Frankreichs Wirtschaft vermeldete erstmals seit Februar 2012 wieder geringfügiges Wachstum, hauptsächlich infolge der Stabilisierung beim Auftragseingang. Der Jobabbau fiel so schwach aus wie nie seit Beginn der Entlassungswelle vor 19 Monaten. Die französischen Dienstleister verzeichneten erstmals wieder Wachstum, die Industrieproduktion wurde hingegen mit beschleunigter Rate zurückgefahren.
Außerhalb dieser beiden Länder legte die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt nicht nur zum zweiten Mai in Folge zu, das Wachstum fiel sogar so stark aus wie seit April 2011 nicht mehr. Nicht nur die Industrie setzte ihren Aufschwung fort, auch im Servicesektor ging es erstmals seit Mai 2011 in nennenswertem Tempo aufwärts. Gleichzeitig verlangsamte sich der Jobabbau, so dass unterm Strich so wenige Stellen verloren gingen wie zuletzt vor über zwei Jahren.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Mit dem nochmaligen Anstieg des Eurozone Composite PMI im September fällt das dritte Quartal 2013 nicht nur so gut wie seit über zwei Jahren nicht mehr, es mehren sich auch die Anzeichen dafür, dass sich die Eurozone von der längsten Rezession ihrer Geschichte weiter erholt.
Besonders erfreulich ist, dass der Aufschwung das gesamte Währungsgebiet erfasst hat. Deutschland ist zwar weiter die Wachstumslokomotive, doch auch in Frankreich ging es im September erstmals seit Anfang 2012 wieder bergauf, und auch in den übrigen Ländern stieg die Wirtschaftsleistung so deutlich wie zuletzt Anfang 2011.
Trotz der weiter sinkenden Beschäftigung signalisiert der nur noch verhaltene Jobabbau, dass sich auch die Lage am Arbeitsmarkt bald wieder verbessern dürfte.
Unseren Berechnungen zufolge deutet der Eurozone Composite PMI jedoch nur auf ein mageres BIP-Wachstum in Q3 von 0.2% auf Quartalsbasis hin. Zwar spricht die anziehende Nachfrage dafür, dass sich der Aufschwung im vierten Quartal fortsetzt, doch dürften die Entscheidungsträger der EZB ihre Geldpolitik bestimmt noch eine ganze Weile lang unverändert lassen.“