Aufschwung beschert Eurozone stärkstes Wirtschaftswachstum seit über zwei Jahren
Aufschwung beschert Eurozone stärkstes Wirtschaftswachstum seit über zwei Jahren
- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 51.7 (Juli 50.5); 26-Monatshoch
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 51.0 (Juli 49.8); 2-Jahreshoch
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 51.3 (Juli 50.3); 26-Monatshoch
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 53.4 (Juli 52.3); 27-Monatshoch
Die Eurozone verzeichnete im August das stärkste Wirtschaftswachstum seit über zwei Jahren. Dies signalisiert der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 1.2 Punkte auf 51.7 stieg und damit den höchsten Wert seit Juni 2011 erreichte. Der Index notiert bereits den zweiten Monat in Folge über der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten, nachdem er in den 17 Monaten davor durchgängig Wachstumseinbußen signalisiert hatte.
Von den beiden von der Umfrage erfassten Sektoren hatte die Industrie im August die Nase vorn. Hier legte die Produktion so kräftig zu wie zuletzt im Mai 2011, während die Geschäfte im Servicesektor so gut liefen wie seit August 2011 nicht mehr.
Der Auftragseingang von Industrie- und Servicesektor zusammengenommen wies erstmals seit Juli 2011 wieder ein minimales Plus aus. Bei den Industrieunternehmen zog die Nachfrage den zweiten Monat in Folge an und bescherte den Firmen das höchste Auftragsplus seit Mai 2011, wozu auch das zweite Exportorderplus hintereinander beitrug. Die Dienstleister mussten hingegen erneut Auftragseinbußen hinnehmen, wenngleich der Rückgang hier so schwach ausfiel wie nie seit Beginn der Auftragsflaute vor zwei Jahren.
Der 20. Jobabbau in Folge resultierte aus leicht beschleunigten Beschäftigungsrückgängen sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor. Im Vergleich zum Jahresbeginn hat sich die Lage am Arbeitsmarkt jedoch weiter entspannt. Und da auch die Auftragsbestände im August mit verringertem Tempo abnahmen, dürfte sich der Jobabbau im September nochmals verlangsamen.
Infolge kräftig anziehender Preise für Rohöl und Kraftstoffe legten die Kosten im Berichtsmonat so stark zu wie zuletzt im Januar. Die Verkaufspreise mussten hingegen aufgrund verbreiteter Preissenkungsinitiativen ein weiteres Mal reduziert werden. Insgesamt fiel der Rückgang der Verkaufspreise jedoch so schwach aus wie seit Mai letzten Jahres nicht mehr, da vor allem die Industrieunternehmen gezwungen waren, die höheren Einkaufspreise teilweise an ihre Kunden weiterzugeben.
In Deutschland fiel der Aufschwung dank der zweithöchsten Zuwächse beim Neugeschäft seit zwei Jahren so kräftig aus wie zuletzt im Januar. Der Industrie-PMI erreichte sogar ein 25- Monatshoch, während der Service-Index Geschäftstätigkeit auf ein 6-Monoatshoch kletterte.
In Frankreich beschleunigte sich die Talfahrt der Wirtschaft hingegen wieder. Die Dienstleister mussten verstärkte Wachstumseinbußen hinnehmen, und auch die Industrieproduktion schrumpfte wieder. Der Industrie-PMI notierte jedoch erneut nur knapp unter der Wachstumsmarke von 50 Punkten.
Außerhalb dieser beiden Länder legte die Wirtschaftsleistung erstmals seit Mai 2011 insgesamt wieder zu. Die Industrieproduktion stieg hier zum zweiten Mal hintereinander, und der Servicesektor vermeldete erstmals seit Mai 2011 wieder Geschäftszuwächse.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Dank der höchsten Wachstumsraten in der Industrie und im Servicesektor seit über zwei Jahren hat der Aufschwung der Eurozone im August spürbar an Dynamik gewonnen. Bislang sieht alles danach aus, als könnte das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2013 in der Eurozone so gut ausfallen wie seit dem Frühling 2011 nicht mehr. Insofern korrespondieren unsere aktuellen Umfrageergebnisse mit den Erwartungen der Politiker, die mit einer moderaten, wenngleich noch recht unsicheren Konjunkturbelebung rechnen.
Deutschland ist der Wachstumsmotor, hier hat der Aufschwung dank der anziehenden Binnen- und Exportnachfrage an Fahrt gewonnen. Ob sich Frankreichs Wirtschaft in einem nachhaltigen Aufschwung befindet, dahinter steht nach wie vor ein großes Fragezeichen. Zwar hält sich der Composite PMI dort wacker über den ausgesprochen niedrigen Werten noch zu Jahresbeginn, doch hat sich die Talfahrt der französischen Wirtschaft im August wieder leicht beschleunigt, insbesondere im Servicesektor – was auf eine lahme Binnennachfrage hindeutet.
Außerhalb Deutschlands und Frankreichs geht es unseren Daten zufolge kontinuierlich bergauf, der lang erwartete Aufschwung der Peripherieländer nimmt so langsam Form an. Wirtschaftswachstum und Auftragseingang legten hier so stark zu wie seit Anfang 2011 nicht mehr, und eine verbreitet anziehende Binnen- und Exportnachfrage deuten auf einen wirklich nachhaltigen Aufschwung hin.“