100.000 eröffnete Privatkonkurse in Österreich
100.000 eröffnete Privatkonkurse in Österreich
Über 100.000 Menschen nutzten einen Privatkonkurs zurEntschuldung, seit dieser 1995 in Kraft getreten ist - das entspricht
zweimal dem ausverkauften Ernst-Happel-Stadion. "Genauso viele stehen
jedoch noch draußen vor den Toren und warten vergeblich darauf,
eingelassen zu werden", sagt Hans W. Grohs, Geschäftsführer der ASB
Schuldnerberatungen GmbH.
Die staatlich anerkannten Schuldenberatungen fordern seit Jahren
eine Reform des Privatinsolvenzverfahrens. Personen mit geringem
Einkommen sind klar benachteiligt. Ihnen bleibt der Privatkonkurs in
der Regel verwehrt, da sie die in Österreich noch immer notwendige
Mindestquote von zehn Prozent Rückzahlung der Schulden nicht
schaffen. Österreich bildet hier im europäischen Vergleich das
unrühmliche Schlusslicht. Nur in Tschechien gibt es ebenfalls noch
eine Mindestquote, in allen anderen Ländern wurde sie bereits
abgeschafft. Auch die mit sieben Jahren sehr lange Dauer des
Insolvenzverfahrens wird auf europäischer Ebene nur von Frankreich
übertroffen.
Im Juni übermittelten die staatlich anerkannten Schuldenberatungen
den österreichischen Parteien einen Fragenkatalog, in dem sie dazu
aufgeforderten wurden, zum Thema Position zu beziehen. Die Antworten
der Parteien langen langsam ein und werden Anfang September auf
www.schuldenberatung.at veröffentlicht. Die neue Regierung, die am
29. September gewählt werden wird, ist damit aufgefordert,
überfällige und sinnvolle Reformschritte umzusetzen. Sie muss den
Menschen zeigen, dass sie nicht nur für Banken und große Unternehmen
da ist, sondern auch für private Haushalte und Familien. Sie wird
auch ihnen zeitgemäße Formen der Entschuldung zur Verfügung stellen
müssen.