Privatwirtschaft der Eurozone stabilisiert sich im Juli

Privatwirtschaft der Eurozone stabilisiert sich im Juli



- Finaler Eurozone Composite Index: 50.5 (Flash 50.4, Juni 48.7)
- Finaler Eurozone Service-Index: 49.8 (Flash 49.6, Juni 48.3)
- Zunehmende Erholung in Deutschland, erneut abgeschwächte Rückgänge in Frankreich, Italien und Spanien

Rangliste nach Composite Output Index (Juli):

- Deutschland 52.1 5-Monatshoch
- Italien 49.7 26-Monatshoch
- Frankreich 49.1 17-Monatshoch
- Spanien 48.6 25-Monatshoch

Im Juli erzielte die Privatwirtschaft der Eurozone nach langer Zeit wieder ein marginales Wachstum. Dies ist zum einen dem soliden Zuwachs in der Industrie und zum anderen der weitgehenden Stabilisierung im Dienstleistungssektor zu ver-danken. Infolgedessen stieg der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) erstmals seit Januar 2012 wieder knapp über die neutrale 50-Punkte-Marke. Der Index schloss bei 50.5 Punkten und lag um 0.1 Punkte höher als seine Vorabschätzung.

Nachdem die Industrie 16 Monate lang ihre Produktion kontinuierlich zurückgefahren hatte, hob sie nun ihr Produktionsniveau so stark an wie seit Juni 2011 nicht mehr. Die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor nahm nur mehr marginal ab, und zwar mit der geringsten Rückgangsrate seit eineinhalb Jahren.

Von den vier Kernländern der Eurozone konnte Deutschland sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor den höchsten Anstieg vor-weisen. Die Wachstumsraten erreichten jeweils ein 17- bzw. 5-Monatshoch. In Frankreich, Italien und Spanien nahmen die Gesamteinbußen weiter ab. Frankreich und Italien erreichten eine weit-gehende Stabilisierung des Privatsektors, da solide Zuwächse der Hersteller die verlangsamten Rückgänge der Dienstleister annähernd ausgleichen konnten. Spanien musste hingegen in beiden Sektoren Einbußen verkraften.

Bei den Neuaufträgen und den Beschäftigten-zahlen verzeichnete die Privatwirtschaft der Eurozone geringere Verluste als im Vormonat. Die Auftragseingänge schwanden mit der niedrigsten Rate seit zwei Jahren und auch schwächer als die Vorabschätzung erwarten ließ. Gleichzeitig milderte sich der Stellenabbau auf ein 16-Monatstief ab. In Frankreich, Italien und Spanien wurden in diesem Monat weniger Arbeitsplätze gestrichen, in Deutschland sogar in begrenztem Maße neue Mitarbeiter eingestellt.

Angesichts des intensiven Wettbewerbs verringerte sich die Preismacht der Unternehmen auch im Juli. Die durchschnittlichen Verkaufspreise fielen den 16. Monat in Folge und sanken etwas stärker als noch im Juni. Nur in Deutschland wurden die Verkaufspreise im Schnitt angehoben. Derweil mussten die Privatunternehmen insgesamt eine leichte Erhöhung der Einkaufspreise hinnehmen, wobei sich der Preisanstieg überwiegend auf den Dienstleistungssektor beschränkte. Die Dienstleister vermeldeten den höchsten Kostenanstieg seit fünf Monaten, während die Industrie-unternehmen von den mitunter höchsten Rabatten seit vier Jahren profitierten.

Servicesektor:

Der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index schloss mit 49.8 um 0.2 Punkte über seiner Vorabschätzung und signalisierte damit eine weitgehende Stabilisierung. Nach einer eineinhalbjährigen Rückgangsphase hat der Index damit die Wachstums-schwelle von 50 Punkten wieder nahezu erreicht.

Unter den vier Schwergewichtsländern erwirtschaftete Deutschland das beste Ergebnis. Hier erreichte die Geschäftstätigkeit ein 5-Monatshoch. Frankreich, Italien und Spanien hingegen verbuchten Geschäftsrückgänge, wobei alle drei Länder annähernd die gleiche Rückgangsrate aufwiesen. Für Italien und Spanien bedeutet das die schwächsten Verluste des derzeitigen Negativtrends, in Frankreich entsprach dies den geringsten Einbußen seit 11 Monaten.

Auf den gesamten Dienstleistungssektor gerechnet sanken die Nachfrage und das Beschäftigungsniveau weniger stark ab als im Vormonat, während sich die Geschäftsprognosen für die nächsten zwölf Monate weiter verbesserten. Die Rückgänge bei den Neuaufträgen waren die niedrigsten der derzeitigen Abschwungphase, was darauf zurückzuführen ist, dass in Frankreich, Italien und Spanien diesmal ein geringeres Minus zu Buche schlug, während in Deutschland die Auftragszahlen insgesamt anstiegen.

Der Beschäftigungsabbau im Dienstleistungssektor setzte sich zwar den 19. Monat in Folge fort, jedoch mit der geringsten Entlassungsrate seit einem Jahr. In Deutschland wurden zum ersten Mal seit drei Monaten saldiert neue Arbeitsplätze geschaffen, dies konnte die fortgesetzten Stellenstreichungen in Frankreich, Italien und Spanien aber nicht vollständig ausgleichen.

Angesichts der reduzierten Einbußen bei den Neuaufträgen erreichten die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist zu Beginn des dritten Quartals ein 16-Monatshoch. In allen vier Kernländern ließ sich eine Stimmungsverbesserung feststellen.

Der intensive Wettbewerb im Euroraum sorgte dafür, dass sich die durchschnittlichen Verkaufspreise den 20. Monat in Folge verringerten. Lediglich die deutschen Dienstleistungsunternehmen hoben ihre Preise saldiert an, die französischen, italienischen und spanischen Dienstleister gewährten ihren Kunden hingegen noch größere Nachlässe als bisher.

Im Gegensatz hierzu stieg die Inflationsrate der Einkaufspreise im Juli auf ein 5-Monatshoch. Starke Anstiege wurden besonders in Deutschland (6-Monatshoch) und Italien (15-Monatshoch) gemessen. In Frankreich blieben die Preise nahezu konstant, während die Kostenlast der spanischen Dienstleister insgesamt leicht abnahm.

Rob Dobson, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Zu Beginn des dritten Quartals signalisiert der finale Wert des Markit Eurozone Composite Index von 50.5 Punkten einen willkommenen Schritt der Eurozone-Privatwirtschaft in die Wachstumszone. Damit steigt auch die Hoffnung, dass die Region die bisher längste Rezession allmählich hinter sich lässt. Zugegeben, so mancher Silberstreifen am Horizont hat sich später als Irrlicht erwiesen, dennoch geben die Verbesserung der Geschäftsaussichten und anderer zukunftsgerichteter Indikatoren zurzeit Grund zum Aufatmen. Deutschland erzielte im Juli wieder Wachstum, während die anderen vier Kernländer nur mehr verringerte Einbußen verzeichneten.

Derzeit führt die Industrie die Eurozone aus der Rezession heraus. Einige Euroländer profitierten von der gestiegenen Exportnachfrage; doch der eigentliche Hoffnungsfunke für die Konjunktur ist die Stabilisierung der Binnenmärkte. Diese hat nicht nur den Herstellern entscheidend geholfen, sondern auch zu einer Entspannung im Dienstleistungssektor geführt.

Das Hauptproblem der Eurozone bleibt die weiterhin prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt, da die steigende Arbeitslosigkeit dem Wirtschaftswachstum schadet und für politische und soziale Spannungen sorgt. Doch auch hier gibt es Anzeichen einer Besserung: Die Entlassungsrate erreichte ein 16-Monatstief. Da auch der Inflationsdruck sich nach wie vor in Grenzen hält, wird die EZB an ihrer Überzeugung festhalten, dass der Eurozone bessere Zeiten bevorstehen.“