Eurozone-Industrie erzielt zu Anfang des dritten Quartals Wachstum
Eurozone-Industrie erzielt zu Anfang des dritten Quartals Wachstum
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie im Juli auf 2-Jahreshoch bei 50.3 Punkten (Flash 50.1)
- Länder-PMIs steigen mit Ausnahme von Spanien
- Preisdruck verringert sich weiter
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Juli)
Irland 51.0 5-Monatshoch
Niederlande 50.8 24-Monatshoch
Deutschland 50.7 (Flash 50.3) 18-Monatshoch
Italien 50.4 26-Monatshoch
Spanien 49.8 2-Monatstief
Frankreich 49.7 (Flash 49.8) 17-Monatshoch
Österreich 49.1 8-Monatshoch
Griechenland 47.0 43-Monatshoch
Nach einer langen Rückgangsphase signalisierte der PMI für die Eurozone-Industrie im Juli endlich wieder Wachstum. Einige der Binnenmärkte stabilisierten sich zunehmend und auch das Exportgeschäft legte wieder zu. Sowohl die Auftragseingänge als auch die Produktionsvolumen verzeichneten den größten Anstieg seit Mitte 2011. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen erreichte der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) ein 2-Jahreshoch. Von 48.8 Punkten im Juni stieg er auf 50.3 im Juli und überschritt erstmals seit Juli 2011 die neutrale 50-Punkte-Marke. Zudem schloss er um 0.2 Punkte höher als seine Vorabschätzung.
Die irische Industrie konnte den zweiten Monat in Folge einen Zuwachs verbuchen, und auch die Einkaufsmanager Indizes für Deutschland, Italien und die Niederlande notierten wieder im Wachstumsbereich. In Frankreich, Österreich und Griechenland verringerten sich die Einbußen. Allein der spanische PMI ließ im Monatsverlauf geringfügig nach, hielt sich aber immerhin auf dem zweithöchsten Stand der letzten 27 Monate.
Dank des ersten Anstiegs bei den Auftragseingängen seit über zwei Jahren nahm die Produktion der Eurozone-Industrie zum ersten Mal seit Februar 2012 zu. Nach einem leichten Rückgang im Juni zogen auch die Exportgeschäfte wieder an.
Der größte Produktionsschub wurde in Deutschland gemessen. Zwar wurden bei den Exportaufträgen noch verminderte Rückgänge vermeldet, doch die verstärkte Nachfrage auf dem deutschen Binnenmarkt reichte aus, um die Produktion anzukurbeln. In Italien, den Niederlanden und Irland nahmen die Fertigungsvolumen weiter zu, und auch Frankreich und Österreich stellten im Juni mehr Güter her als im Vormonat. Im Gegensatz zu Deutschland nährte sich das Produktionswachstum in diesen Ländern vor allem durch solide Zuwächse bei den Exportaufträgen.
Griechenland schnitt insgesamt am schlechtesten ab und verbuchte gegenüber den anderen erfassten Ländern die höchsten Rückgangsraten bei Produktion, Gesamtauftragseingang und Exportaufträgen. Nur in Spanien wurde die Produktion stärker gedrosselt als in Griechenland.
Die Auftragsbestände nahmen insgesamt so leicht ab wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Das Beschäftigungsniveau der Eurozone-Industrie senkte sich den 18. Monat in Folge, jedoch nur mehr mit der geringsten Entlassungsrate für diesen Zeitraum. Abgesehen von Irland wurden in allen von der Umfrage erfassten Euroländern saldiert Stellen abgebaut.
In Irland erreichte der Jobaufbau ein 7-Monatshoch, während sich in Deutschland die Lage auf dem Arbeitsmarkt weitgehend stabilisierte. In Italien, Frankreich und den Niederlanden wurden erneut Beschäftigte entlassen, jedoch saldiert weniger als im Vormonat. Doch in Spanien und Österreich beschleunigte sich der Stellenabbau.
Auch im Hinblick auf ihre Warenlager agierten die Industrieunternehmen weiterhin vorsichtig und tendierten dazu, ihre Lagerbestände niedrig zu halten. Entsprechend verringerten sie auch ihre Bestellmengen.
Der Preisdruck nahm im Juli abermals ab, da sich sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise im Monatsverlauf verringerten. Angesichts der stärksten Preisnachlässen in Deutschland seit Juli 2009 sank auch das Einkaufspreisniveau der gesamten Eurozone etwas schneller als im Juni.
Die Reduzierung der Verkaufspreise fiel insgesamt niedriger aus als in den drei Vormonaten. Nur in Irland und Österreich wurden die Verkaufspreise saldiert angehoben. In Deutschland, Italien, den Niederlanden und Griechenland wurden sie hingegen gesenkt, wobei die griechischen Hersteller die höchsten Rabatte gewährten.
Rob Dobson, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Der Industriesektor der Eurozone ist gut in das dritte Quartal gestartet. Immer mehr Anzeichen sprechen dafür, dass sich die Eurozone-Industrie wieder auf Wachstumskurs befindet. Angetrieben von einer steigenden Exportnachfrage und einer Stabilisierung auf den Binnenmärkten haben sowohl die Auftragseingänge als auch das Produktionsniveau leicht zugelegt und den höchsten Stand seit Mitte 2011 erreicht. Im Zuge dieser Entwicklungen ist der Einkaufsmanager Index auf ein 2-Jahreshoch gestiegen. Dadurch erhöhen sich die Chancen, dass der Industriesektor dem BIP im dritten Quartal einen kräftigen Schub verleiht und somit dabei hilft, die Eurozone aus der Rezession zu befreien.
In Deutschland, Italien, den Niederlanden und Irland stiegen die Fertigungsvolumen im Juli weiter an, und auch Frankreich und Österreich erzielten aktuell Zuwächse. Dass der positive Trend sich ausgeweitet hat, sollte auch zu seiner Stabilität beitragen. Selbst in Griechenland wurde die Produktion nur mehr vermindert zurückgefahren, und Spanien verzeichnete den zweitschwächsten Rückgang in über zwei Jahren.
Verdrießlich bleibt nur die Lage auf dem Arbeitsmarkt, die weiterhin zur hohen Arbeitslosigkeit in der gesamte Eurozone beiträgt. Doch auch hier gab es schwache Anzeichen einer Besserung: Die Entlassungsrate des Industriesektors sank auf ein Eineinhalb-Jahrestief. Zugleich wurde der Inflationsdruck durch ein Absinken der Preise und den intensiven Wettbewerb weiter gedeckelt und stellt die politischen Entscheidungsträger vor keine größeren Probleme.“