Hundstorfer: Aufgrund weiterhin schlechter europäischer Wirtschaftslage noch keine Belebung des Arbeitsmarktes

Hundstorfer: Aufgrund weiterhin schlechter europäischer Wirtschaftslage noch keine Belebung des Arbeitsmarktes

Zahl der Beschäftigten wächst weiter - seit 28 Monaten geringste Arbeitslosigkeit in Europa

 "Österreich liegt mit einer Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent seit 28 Monaten auf Platz 1 im europäischen Vergleich und ist damit den aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt wesentlich besser gewachsen als viele Nachbarstaaten. Leider ist auch im Juli die Arbeitslosigkeit gestiegen, da aufgrund der schlechten internationalen Konjunkturlage auch die Wirtschaft in Österreich kaum Wachstumsimpulse erhält. Erst ab Herbst bzw. kommendem Jahr wird mit einer nachhaltigen Belebung der Wirtschaft und damit auch des Arbeitsmarktes gerechnet", berichtet Sozialminister Rudolf Hundstorfer anlässlich der Präsentation der Arbeitsmarktdaten für den Monat Juli.

So liegen Ende Juli 2013 in Österreich die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen mit 256.494 um 28.625 bzw. 12,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Inklusive der Schulungsteilnahmen beträgt die Zahl der Vorgemerkten 320.337. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 34.438 (12,0 Prozent). Trotz dieser Entwicklung, die vor allem die exportorientierten Bereiche trifft, liegt auch im Juli 2013 die Zahl der Beschäftigten mit 3,58 Millionen um rund 18.000 über dem Vergleichsmonat im Vorjahr. "Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass in Österreich nach wie vor Arbeitsplätze geschaffen werden, während viele andere Länder der Europäischen Union mit der gegenwärtigen Wirtschaftslage schwer zu kämpfen haben: Im 1. Quartal 2013 liegt die Zahl der Beschäftigten in Österreich laut Eurostat um 2,3 Prozent über dem 1. Quartal 2008, die Beschäftigung in allen Mitgliedsstaaten insgesamt (EU 28) ging im gleichen Zeitraum um 2,9 Prozent zurück", so Hundstorfer.

Die österreichische Wirtschaft stagniert seit einem Jahr, das Konsumverhalten der privaten Haushalte bereits seit zwei Jahren. Aufgrund fehlender oder negativer Impulse der wichtigsten Absatzmärkte Österreichs steigt die Arbeitslosigkeit vor allem im Produktionssektor und in der davon unmittelbar abhängigen Arbeitskräfteüberlassung: In der Warenproduktion steigt die Arbeitslosigkeit bei im Vormonat leicht rückläufiger Beschäftigung um 15,9 Prozent an. Die Arbeitskräfteüberlassung verzeichnet mit 2.811 einen deutlichen absoluten Anstieg an arbeitslos vorgemerkten Personen, die Beschäftigung war im Juni mit 3,6 Prozent rückläufig. Der Bausektor verzeichnete noch im Juni einen leichten Anstieg der Beschäftigung (+0,4 Prozent).

"Durch den Sondereffekt Alpine-Konkurs stehen jedoch nach wie vor einige Baustellen still und es ist auch einen merklicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen: Die Zahl der Vorgemerkten lag um 23,4 Prozent oder 3.378 über dem Juli 2012, das ist der stärkste Anstieg innerhalb der großen Branchen. Umso wichtiger ist das von der Regierung beschlossene Konjunkturpaket; es wird besonders in diesem Sektor kräftige Impulse setzen", ist Hundstorfer überzeugt.

Die aktuelle Arbeitsmarktsituation von jungen Menschen stellt sich aufgrund der maßgeschneiderten arbeitsmarktpolitischen Angebote - Stichwort Jugendgarantie - verhältnismäßig gut dar, betonte Hundstorfer. Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent an zweiter Stelle. Österreich hat europaweit eine Vorreiterrolle: Mit der Umsetzung der Ausbildungsstrategie wird Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt eine breite Angebotspalette zur Verfügung gestellt. Die Zahl der vorgemerkten 15- bis 19-Jährigen ist deshalb mit 2,6 Prozent nach wie vor rückläufig. Die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung zeigt jedoch Auswirkungen auf den Lehrstellenmarkt: Ende Juli liegt das Angebot an gemeldeten Lehrstellen um 16,7 Prozent unter dem Vorjahr während die Zahl der Lehrstellensuchenden um 6,7 Prozent darüber liegt. Die Lehrstellenlücke beträgt 5.160 und hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1.196 vergrößert. "Ende Juli sind rund 40.000 mehr ältere Personen in Beschäftigung als noch ein Jahr zuvor. Aber vor allem auf Grund der starken Geburtenjahrgänge steigt bei den Arbeitskräften ab 50 auch die Arbeitslosigkeit mit 20,1 Prozent überdurchschnittlich", erläuterte Hundstorfer.

Im Produktionssektor liegt der Männeranteil bei 80 Prozent, in der Arbeitskräfteüberlassung bei 75 Prozent. In der Folge sind zwei Drittel der Arbeitslosigkeitszunahme auf Männer zurückzuführen. In diesen Branchen haben viele Beschäftigte mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft einen Arbeitsplatz, deshalb steigt gegenwärtig deren Arbeitslosigkeit mit 22,5 Prozent stärker als der Gesamtdurchschnitt. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dienstleistungssektor von insgesamt 12,5 Prozent resultiert vor allem - neben der negativen Entwicklung in der Arbeitskräfteüberlassung - aus dem Anstieg von vorgemerkten Personen im Handel, im Tourismus, im Gesundheits- und Sozialwesen und im Transportwesen. 

Regional zeigt sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den östlichen Bundesländern mit 15,5 Prozent im Burgenland, 11,0 Prozent in Niederösterreich und +10,1 Prozent in Wien in Summe nach wie vor etwas günstiger. In Tirol steigt hingegen die Zahl der Arbeitsuchenden aktuell um +18,0 Prozent, in Salzburg um +17,0 Prozent, um Oberösterreich um +16,5 Prozent, in Kärnten um +15,9 Prozent und in der Steiermark um +13,4 Prozent. Der geringste Zuwachs von Arbeitssuchenden ist in Vorarlberg mit +5,3 Prozent zu verzeichnen.

"45 Prozent aller vorgemerkten Personen haben keinen formalen Bildungsabschluss und fast die Hälfte des aktuellen Arbeitslosigkeitsanstiegs entfällt auf Personen mit maximal Pflichtschulabschluss. Die Arbeitslosigkeit nimmt zwar bei allen Bildungsgruppen zu, Aus- und Weiterbildung bleibt jedoch der Schlüssel für einen neuen Job", unterstrich der Sozialminister. Das Arbeitsmarktservice bietet zahlreiche Angebote zur Qualifikation: 63.843 Personen und damit um 5.813 mehr als im Vorjahr nehmen aktuell ein Schulungsangebot in Anspruch. 

"Nicht zuletzt aufgrund der anhaltend vorsichtigen Investitionstätigkeit österreichischer Unternehmen setzt das Konjunkturpaket wichtige Impulse. Neben Investitionen in Wohnbau, thermische Sanierung und Hochwasserschutz sowie in die Tunnelsicherheit werden auch Kinderbetreuungsplätze und Pflegeeinrichtungen ausgebaut", sagte Hundstorfer abschließend.