Eurozone stabilisiert sich im Juli wieder; PMI erreicht 1,5-Jahreshoch

Eurozone stabilisiert sich im Juli wieder; PMI erreicht 1,5-Jahreshoch



- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 50.4 (Juni 48.7); 18-Monatshoch
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 49.6 (Juni 48.3); 18-Monatshoch
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 50.1 (Juni 48.8); 2-Jahreshoch
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 52.3 (Juni 49.8); 25-Monatshoch

Erstmals seit Januar 2012 verzeichnete die Eurozone-Privatwirtschaft im Juli wieder leichtes Wachstum. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 1.7 Punkte auf 50.4 zulegte und damit die neutrale Wachstumsmarke von 50 übersprang.

Die Industrieproduktion wurde im Juli so stark ausgeweitet wie zuletzt im Juni 2011. Der entsprechende Index erreichte den höchsten Wert seit Februar 2012. Der Servicesektor näherte sich der Stabilisierung weiter an, hier signalisierte der Index Geschäftstätigkeit die niedrigste Schrumpfungsrate seit Beginn der Talfahrt vor eineinhalb Jahren. In den Vormonaten hatten die Dienstleister noch markante Wachstumseinbußen verzeichnet.

Auch der Auftragseingang wies mit dem niedrigsten Minus seit August 2011 nur noch einen minimalen Rückgang aus. Mit der vierten Verringerung der Auftragsverluste in Folge nahmen auch die Auftragsbestände mit der schwächsten Rate seit knapp zwei Jahren ab.

Die Industrie sammelte erstmals seit Mai 2011 wieder mehr Neuaufträge ein als im Vormonat, was auch auf die leicht anziehende Exportnachfrage zurückzuführen war. Der Servicesektor musste hingegen erneut Auftragseinbußen hinnehmen, die jedoch so niedrig ausfielen wie zuletzt im März 2012.

Folglich verbesserten sich auch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor wieder und erreichten den höchsten Stand seit April.

Der Jobabbau verlangsamte sich weiter und fiel so schwach aus wie seit März 2012 nicht mehr. In der Industrie erreichte der Jobindex ein 18- Monatshoch, im Servicesektor ein 13-Monatshoch.

Bei den Einkaufspreisen kam es zum ersten nennenswerten Anstieg seit vier Monaten, wenngleich die Inflationsrate niedriger ausfiel als zu Jahresbeginn. Rückläufige Einkaufspreise in der Industrie kontrastierten mit einem beschleunigten Kostenauftrieb im Servicesektor.

Aufgrund des scharfen Wettbewerbs mussten die Verkaufs- bzw. Angebotspreise im Durchschnitt mit derselben Rate wie im Juni reduziert werden.

Nach Ländern verzeichnete Deutschland das stärkste Wirtschaftswachstum seit fünf Monaten. Hier wurde die Industrieproduktion so kräftig hochgefahren wie zuletzt im Februar 2012, und die Geschäfte der Dienstleister liefen besser als in den vier Vormonaten. Überdies wurden in Deutschland per Saldo so viele neue Stellen geschaffen wie zuletzt im März.

In Frankreich fielen die Wachstumseinbußen so schwach aus wie nie seit Beginn der Rezession im März 2012. Ausschlaggebend hierfür war, dass der Industriesektor mit der höchsten Produktionssteigerungsrate seit 17 Monaten wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrte. Die Dienstleister verzeichneten gleichzeitig die schwächsten Geschäftseinbußen seit 11 Monaten. Die Beschäftigung sank zwar in beiden Sektoren, doch mit der niedrigsten Rate seit April 2012.

Außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer fielen die Wachstumseinbußen so schwach aus wie zuletzt im Juni 2011. Gleichzeitig verringerten sich die Auftragsverluste auf den niedrigsten Wert seit Mai 2011. Und auch der Jobabbau verlangsamte sich in den Peripherie-Ländern so deutlich wie zuletzt im September 2011, wenngleich unterm Strich noch immer verbreitet eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen abgebaut wurden.

Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

“Der beste PMI-Wert seit eineinhalb Jahren liefert ermutigende Hinweise darauf, dass sich die Eurozone nach langer Durststrecke im dritten Quartal 2013 endlich wieder aus der Rezession befreien könnte.

“Die Belebung geht eindeutig von einem umfassenden Aufschwung im Industriesektor aus. Hier legte die Industrieproduktion so stark zu wie seit zwei Jahren nicht mehr. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und in den übrigen Ländern wurde die Industrieproduktion hochgefahren.

Und auch der Servicesektor liefert vielversprechende Hinweise darauf, dass sich die Lage wieder stabilisiert und die so dringend benötigte Binnennachfrage wieder in Schwung kommt.

Neben der Geschäftsbelebung in Deutschland verlangsamte sich nicht nur die Talfahrt des Servicesektors in Frankreich, sondern auch in den übrigen Eurozone-Ländern.

Die Beschäftigung sank im Juli zwar weiter, doch auch hier verdichten sich die Hinweise, dass die Unternehmen mittlerweile weniger Stellen abbauen als noch zu Jahresbeginn.

Unsere Umfragedaten dürften die politischen Entscheidungsträger in ein sommerliches Stimmungshoch versetzen, da endlich auch für die leidgeprüften Peripherieländer, die unter zunehmenden politischen und sozialen Spannungen leiden, Licht am Ende des Tunnels auftaucht. Insbesondere bei der EZB dürfte die Zuversicht steigen, dass das einheitliche Währungsgebiet bis Jahresende wieder auf Wachstumskurs sein wird.“