Geringer Produktionszuwachs im Juni bei sinkenden Auftragszahlen

Geringer Produktionszuwachs im Juni bei sinkenden Auftragszahlen



- Fertigungsvolumen abermals gestiegen
- Auftragseingänge wieder rückläufig
- Stärkster Beschäftigungsabbau seit Januar

Die Konjunkturlage im deutschen Industriesektor hat sich im Juni erneut verschlechtert. Die Einbußen nahmen dabei im Vergleich zum Vormonat zu. Zwar konnten die Unternehmen im Durchschnitt ihre Produktion geringfügig steigern, jedoch sahen sie sich ein weiteres Mal mit sinkenden Auftragseingängen konfrontiert. Die Hersteller reagierten auf die Auftragseinbußen mit weiteren Stellenstreichungen und den stärksten Preissenkungen seit dreieinhalb Jahren.

Infolge dieser Entwicklungen gab der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index, der die aktuelle Lage der Industrie in einem Wert zusammenfasst, moderat von 49.4 auf 48.6 Punkte nach. Damit notiert er unter seiner Vorabschätzung von 48.7 und den vierten Monat in Folge im Schrumpfungsbereich.

Der erneute Produktionszuwachs war aus verschiedenen Gründen nur marginal ausgefallen: Nur wenige Unternehmen berichteten, dass die Folgen des Hochwassers ihre Produktion spürbar beeinträchtigt haben. Die meisten Umfrageteilnehmer begründeten den schwachen Anstieg aber mit der verringerten Zahl an Neu- und Folgeaufträgen.

Diese waren aufgrund der schwachen Kundennachfrage und der schwierigen Wirtschaftslage gegenüber Mai insgesamt leicht gesunken. Bei den Exportgeschäften verzeichneten die Industrieunternehmen jedoch den stärksten Rückgang seit Jahresbeginn. Besonders in Asien und dem europäischen Ausland hatte die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ nachgelassen.

Deshalb wandten sich die deutschen Unternehmen verstärkt der Abarbeitung unerledigter Aufträgen zu und bauten ihre Auftragspolster den dritten Monat in Folge ab. Außerdem reduzierten sie erneut ihre Fertigwarenlager.

Zusätzlich senkten die Unternehmen saldiert ihre Bestellmengen und griffen bei der Fertigung vermehrt auf vorhandene Materialbestände zurück. Dadurch schrumpften die Vormateriallager deutlich zusammen, wenn auch nicht so stark wie in den acht Vormonaten. Die eingeschränkten Einkäufe der Hersteller hatten mit zur Folge, dass die Lieferzeiten der Zulieferer sich so stark verkürzten wie seit August 2012 nicht mehr und damit ihren Trend der letzten vier Monate fortsetzten.

In Anbetracht der sinkenden Auftragszahlen setzten die Hersteller im Juni zum dritten Mal hintereinander saldiert Arbeitskräfte frei. Annähernd 14 % der Unternehmen bauten Stellen ab. Dies entspricht dem höchsten Prozentsatz seit Januar.

Die Einkaufspreise nahmen im Juni durchschnittlich betrachtet ein weiteres Mal stark ab. Mehrere Produzenten hatten bei Verhandlungen mit Zulieferern Preisnachlässe erzielen können. Die daraus resultierende Kostensenkung bot den Herstellern die Möglichkeit, ihre eigenen Verkaufspreise zu reduzieren und damit dem Wettbewerbsdruck besser standzuhalten. Die Verkaufspreise fielen dabei so stark wie seit Dezember 2009 nicht mehr.

Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:

“ Die deutsche Industrie kam auch im Juni auf keinen grünen Zweig. Zu sehr schwächten die erneuten Einbußen bei den Auftragseingängen das Produktionswachstum ab. Grund für die Auftragsrückgänge waren vor allem die schwache Nachfrage auf den Schlüsselmärkten und der hohe Wettbewerbsdruck. Um die Nachfrage zu beleben, gewährten die Hersteller ihren Kunden die größten Preisnachlässe seit dreieinhalb Jahren, jedoch ohne durch-schlagenden Erfolg.

Bisher weist wenig darauf hinweist, dass die Industrie sehr unter den Überschwemmungen gelitten hat, doch möglicherweise wird sich das Ausmaß der Hochwasserschäden erst in den kommenden Monaten zeigen. Dadurch könnte sich der aktuelle Abwärtstrend der Industrie zu Beginn des zweiten Halbjahres fortsetzen. Bereits jetzt lässt sich feststellen, dass sich der Einkaufsmanager Index im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal verschlechtert hat.”