Herbert Liaunig kritisiert Verstaatlichung der Hypo

NEWS: Herbert Liaunig kritisiert Verstaatlichung der Hypo


Ex-Hypo-Aufsichtsratschef sieht früheren Bankenchef Kulterer als Südenbock

Als unnötigen Schritt, der die Bank endgültig ruiniert habe, kritisiert Herbert Liaunig, von 1989 bis 1999 Aufsichtsratschef der Kärntner Landesbank, die Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria Bank in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin NEWS. "Das Argument der Landeshaftung hat überhaupt nie gegriffen, denn es waren Ausfallshaftungen und wären Haftungen schlagend geworden, dann hätten diese zuerst die Bayern getroffen", argumentiert Liaunig im Interview mit NEWS. Gleichzeitig bricht der Industrielle eine Lanze für den früheren Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer, den er als "integer" und "kompetent" bezeichnet. 

"Persönlich hat sich Kulterer nichts zu Schulden kommen lassen. Er wurde erstinstanzlich verurteilt, aber wenn das für eine Verurteilung ausreicht, dann müssten 80 Prozent der österreichischen Banker hinter Gitter gehen", sagt der frühere Hypo-Aufsichtsratspräsident zu NEWS. Für Liaunig ist Kulterer der Sündenbock, nach dem die Öffentlichkeit verlange. Der Industrielle räumt ein, dass Kulterer Fehler gemacht habe. "In seiner Expansion war er zu ehrgeizig und zu eilig. Aber das kann man heute einer ganzen Reihe österreichischer Bankenvorstände vorwerfen. Kulterer war nicht der, der die Bank in die Insolvenzsituation gebracht hat", so Liaunig zu NEWS.

Hart ins Gericht geht im NEWS-Interview Liaunig auch mit der bayerischen Landesbank: Ab 2006 als die Bank von den Bayern übernommen wurde, sei die Hypo "extrem gewachsen". Die Bank habe bis 2008 die Kredite und Haftungen etwa verdoppelt. "Das ist ein ungewöhnlich hohes Wachstum in einer Zeit, in der man vorsichtig hätte sein müssen. Ich glaube, dass in diesen zwei Jahren auch das Gros der Risiken aufgebaut wurde, die heute schlagend werden", sagt Liaunig im NEWS-Gespräch. Nach der Verstaatlichung habe man die Bank durch exzessive Beraterkosten und Kompetenz-Wirrwarr "extrem belastet" und dazu noch "rufmäßig schwer angeschlagen". "Wenn ein Bundeskanzler sagt, die Bank wird uns sieben Milliarden Euro kosten, dann kann ich nachvollziehen, dass ein südosteuropäischer Schuldner sagt: Was soll ich da noch Schulden zurückzahlen", so Liaunig zu NEWS