Hochwasserschäden in CEE halb so hoch wie 2002 – keine Auswirkungen auf BIP-Prognosen

Hochwasserschäden in CEE halb so hoch wie 2002 – keine Auswirkungen auf BIP-Prognosen



• Investitionen von EUR 3,3 Mrd in den Hochwasserschutz und vorbereitende Maßnahmen trugen wesentlich zur Schadensbegrenzung bei
• Kurzfristige negative Auswirkungen auf das BIP sehr gering, da wenig Produktionsausfälle – in CEE war keine große Produktionsstätte betroffen
• In den kommenden Quartalen werden Reparatur- und Renovierungsarbeiten das BIP leicht positiv beeinflussen; für das Gesamtjahr jedoch keine Auswirkung auf BIP-Prognosen der Erste Group
• Bewiesene Wirksamkeit der Hochwasserschutzsysteme wird Regierungen in CEE zur Erhöhung solcher Investitionen veranlassen

„Obwohl die Region Zentral- und Osteuropas in den letzten Wochen von Hochwässern ähnlichen Ausmaßes wie 2002 heimgesucht wurde, richteten diese nur einen Bruchteil der 2002 verzeichneten wirtschaftlichen Schäden an. 2002 kletterte die Gesamtschadenssumme in Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei auf rund EUR 6 Mrd", erklärt Juraj Kotian, Head CEE Macro/Fixed Income Research der Erste Group. „Das geringere Schadensausmaß ist dem Umstand zu verdanken, dass die CEE-Länder in den letzten zehn Jahren rund EUR 3,3 Mrd in Hochwasserschutzsysteme und bessere Flussregulierungen investiert haben (Österreich: EUR 1,8 Mrd; Tschechien: EUR 0,5 Mrd; Slowakei: EUR 0,6 Mrd; Ungarn: EUR 0,3 Mrd). Die ersten Schätzungen für Tschechien zeigen, dass sich die Hochwasserschäden (zu konstanten Preisen) auf weniger als ein Viertel der 2002 verbuchten belaufen.“ Dies ist vor allem den Hochwasserschutzmaßnahmen zuzuschreiben, mit denen die wichtigsten Städte vor den Fluten abgeschirmt wurden. Zusätzlich waren sich die Länder Zentral- und Osteuropas diesmal stärker der potenziellen Gefahren bewusst und hatten einige Tage Zeit um sich auf das Hochwasser vorzubereiten, was ebenfalls wesentlich zur Eindämmung der Schäden beitrug.

Kurzfristig sind die negativen Auswirkungen auf das BIP sehr gering, da sich Produktionsausfälle in Grenzen hielten und in CEE keine große Produktionsstätte betroffen war. (Potenzielle Produktionsverluste sind für die Beurteilung der kurzfristigen Auswirkungen auf das BIP von höherer Relevanz als Vermögensverluste.) Da es nur in Einzelfällen zu Produktionsausfällen kam (in der tschechischen Staropramen-Brauerei und bei Suzuki in Ungarn), kann der entstandene Verlust durch eine Anhebung der Produktion zu einem späteren Zeitpunkt leicht kompensiert werden. Die in der Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft und Fischereiwesen) eingetretenen Verluste werden kaum 0,1% des BIP überschreiten.

„Die nach Überschwemmungen erforderlichen Reparaturarbeiten werden in den kommenden Quartalen sogar einen leicht positiven Effekt auf das BIP haben, da ein Teil der beschädigten Gebäude renoviert werden muss, was die Investitionstätigkeit belebt“, prognostiziert Kotian. Die relativ lockere Liquiditätspolitik sollte sicherstellen, dass Finanzierungen (ungeachtet ihrer Herkunft – von Versicherungen oder staatlichen Entschädigungsprogrammen oder Krediten) nur in begrenztem Maße auf Kosten von Konsum oder sonstigen Investitionen gehen werden. Innerhalb eines Jahres sollte der kumulative Nettoeffekt auf das BIP im allgemeinen leicht positiv ausfallen. Da das Ausmaß der Schäden und damit der Umfang der Reparaturen diesmal jedoch geringer sein werden als 2002, ändern die Erste-Analysten ihre Prognosen für das BIP des Gesamtjahres nicht.

„Die jüngsten positiven Erfahrungen mit den Hochwasserschutzsystemen wird die Regierungen in CEE in den kommenden Jahren zu vermehrten Investitionen in diesen Bereich veranlassen: So hat das slowakische Umweltministerium bereits angekündigt, EU-Mittel in Höhe von EUR 400 Mio für weitere Hochwasserschutzmaßnahmen, die bis 2020 durchgeführt werden sollen, zu beantragen,“ so Kotian abschließend.

Österreich

Offizielle Stellen gehen davon aus, dass die Auswirkungen des jüngsten Hochwassers geringer ausfallen als jene des Jahres 2002, als die Überschwemmungen Verluste in Höhe von EUR 3 Mrd verursachten. Laut einer Studie der OeNB betrugen die negativen Effekte auf das BIP-Wachstum damals 0,1%. Im Folgejahr wurde der Verlust durch Wiederaufbautätigkeiten ausgeglichen (0,2-0,3% laut OeNB). „EUR 1,8 Mrd wurden in Hochwasserprävention investiert. Produktionsausfälle fallen 2013 moderat aus, gesamtwirtschaftliche Auswirkungen stufen wir als vernachlässigbar ein“, erklärt Adrian Beck, Länderanalyst für Österreich.

Tschechien

„Laut unserer Schätzung werden zumindest 80% der prognostizierten Verluste, zwischen CZK 24-28 Mrd, wieder ausgeglichen. Ein Teil des Geldes für den Wiederaufbau von zerstörter Infrastruktur wird von Versicherungen kommen, ein Teil vom den Staat, den Gemeinden und der EU und ein Teil von den Ersparnissen der Menschen. Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir mit positiven Effekten im Ausmaß von 0,7% des nominellen BIP. Bezüglich Aktien wird es den größten Einfluss auf Versicherungsgesellschaften wie VIG geben, die sich für solche außergewöhnlichen Fälle abgesichert haben. Die Wiederaufbauarbeiten werden positive Effekte auf Baufirmen wie Strabag haben“, prognostiziert Martin Lobotka, Länderanalyst für Tschechien.

Ungarn

Laut “Nationaler Wasserstrategie” der Regierung wurden in den vergangenen 10-12 Jahren insgesamt rund HUF 50 Mrd für Hochwasserschutz sowie HUF 30 Mrd für den Wiederaufbau der Dämme ausgegeben. „Die negativen Folgen des Hochwassers in diesem Zeitraum betrugen ca. HUF 150 Mrd (rund 0,5% des BIP), da Ungarn mehrere teils starke Hochwasser verzeichnete. Diesmal wurde Ungarn vom Hochwasser nicht überrascht und hatte einige Tage Vorbereitungszeit, was die Verluste wesentlich einschränkte. Produktionsausfälle waren auf einem niedrigen Niveau (Suzuki in Esztergom), die negativen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden daher auf weniger als 0,2% des BIP geschätzt“, sagt Zoltan Arokszallasi, Länderanalyst für Ungarn.

Slowakei

„Das diesjährige Hochwasser ist in der Slowakei vergleichbar mit jenem des Jahres 2002, als die Schäden EUR 50 Mio betrugen. Zwar waren die Wasserstände diesmal höher, doch der verursachte Schaden wird aufgrund des in den letzten Jahren verbesserten Hochwasserschutzes als wesentlich geringer eingestuft. Da die Slowakei seit 2000 fast EUR 600 Mio in Hochwasserschutz investierte, sind die Auswirkungen des Hochwassers auf das BIP vernachlässigbar“, so Martin Balaz, Länderanalyst für die Slowakei.