Deutschland: Erneut leichte Geschäftseinbußen im Mai
Deutschland: Erneut leichte Geschäftseinbußen im Mai
- Finaler Service-Index Geschäftstätigkeit Deutschland bei 49.7 (April 49.6)
- Finaler Composite Index Produktion Deutschland bei 50.2 (April 49.2)
Die Mai-Umfrage unter den Dienstleistern hat ergeben, dass sich deren Lage zum zweiten Mal binnen Monatsfrist etwas verschlechtert hat. Sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Zahl der Neuaufträge und das Beschäftigungsniveau sind gegenüber April insgesamt gesunken. Zudem zeigten sich die Dienstleister im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate diesmal weniger zuversichtlich.
Der saisonbereinigte finale Service-Index Geschäftstätigkeit notiert daher im Mai mit 49.7 Punkten abermals unterhalb der neutralen 50-Punkte-Linie und signalisierte einen geringfügigen Rückgang. Außerdem unterschritt er seinen Langzeit-Durchschnitt von 52.9. Insgesamt vier der sechs von der Umfrage erfassten Dienstleistungsbereiche verbuchten Einbußen, insbesondere der Bereich Transport & Lagerhaltung. Einzige Ausnahmen blieben die Bereiche Vermittlung von Finanzdienstleistungen und Hotels & Gaststätten.
Beim saisonbereinigten finalen Composite Index Produktion, der die Ergebnisse von Industrie- und Dienstleistungssektor vereint, war gegenüber den 49.2 Punkten von April ein Anstieg auf 50.2 im Mai festzustellen. Denn dank des überwiegenden Produktionswachstums in der Industrie (51.1) verzeichnete auch der Privatsektor insgesamt einen leichten Zuwachs.
Die schwache Nachfrage und die zögerliche Haltung der Kunden bei der Vergabe neuer Aufträge hatten die Neuauftragszahlen der Dienstleister weiter sinken lassen. Damit setzte sich der Trend der letzten beiden Monate auch im Mai fort. Die Hersteller konnten zwar eine erhöhte Zahl an eingehenden Aufträgen vermelden. Dies reichte aber nicht aus, um die Rückgänge der Dienstleister auszugleichen, so dass die Privatunternehmen zusammengenommen ein kleines Minus verzeichneten.
Der Schwund an Neuaufträgen hatte mit zur Folge, dass zahlreiche Dienstleister nicht ausreichend ausgelastet wurden und sich deshalb vermehrt der Abarbeitung bestehender Aufträge widmeten. Dadurch schrumpften ihre Auftragsbestände im Mai so drastisch zusammen wie seit Juli 2009 nicht mehr. Abgesehen vom Bereich Vermittlung von Finanzdienstleistung verringerten sich die Auftragspolster in allen von der Umfrage erfassten Dienstleistungsbereichen. Auf privatwirtschaftlicher Ebene schwanden sie so schnell wie seit einem halben Jahr nicht mehr.
Angesichts der aktuellen Entwicklungen sahen sich einige Dienstleistungsunternehmen dazu veranlasst, ihren Personalbestand abzubauen. Insgesamt verringerte sich die Beschäftigungsrate marginal und ging erstmals seit November 2012 leicht zurück. Nur die Bereiche Vermittlung von Finanzdienstleistungen und Hotels & Gaststätten konnten sich dem allgemeinen Trend widersetzen. Der Stellenabbau der Industrie fiel markanter aus als im Dienstleistungssektor, so dass auch für die Privatwirtschaft insgesamt der erste Jobabbau seit vier Monaten festzustellen war.
Zu dem Stellenabbau hatte auch beigetragen, dass die Dienstleister ihre Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist nicht mehr so positiv einschätzen wie noch vor einem Monat. Obwohl nach wie vor viele Unternehmen mit Geschäftszuwächsen in den kommenden zwölf Monaten rechnen, verringerte sich der Prozentsatz an Optimisten auf einen neuen Jahrestiefststand.
Die Kostenlast der Dienstleister nahm hingegen erstmals seit Januar verstärkt zu. Grund hierfür waren in erster Linie gestiegene Lohn- und Nebenkosten. Um der zunehmenden Belastung entgegenzuwirken, gaben viele Unternehmen einen Teil der Kosten in Form von höheren Angebots-preisen an die Kunden weiter. Zwar schränkte der starke Wettbewerbsdruck ihre Preismacht ein, dennoch hoben sie ihre Preise so stark an wie seit Februar nicht mehr. Im Industriesektor sanken die Einkaufspreise dagegen stark ab. Auf privat-wirtschaftlicher Ebene gaben sie den zweiten Monat in Folge nach, während die Verkaufspreise gegenüber April weitgehend unverändert blieben.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert die finalen Markit-Indizes:
„Die Geschäftseinbußen im Dienstleistungssektor belasten das gesamtwirtschaftliche Ergebnis für Mai. Während die Hersteller den größten Produktionsanstieg seit Januar vorweisen konnten, vermochten die Dienstleister im zweiten Quartal bislang keinen Zuwachs zu erzielen.
Zudem scheinen sich die Geschäftsaussichten der Dienstleister für die kommenden Monate verschlechtert zu haben: Die Auftragseingänge verringerten sich den dritten Monat in Folge und die Zuversicht der Dienstleister ist auf einen Jahrestiefststand gesunken. Einige Unternehmen hoffen darauf, dass die Kaufbereitschaft der deutschen Kunden im zweiten Halbjahr wieder aufleben wird, doch die nicht enden wollende Kosteninflation schränkt die Möglichkeiten einer Nachfragestimulierung durch Preisnachlässe beträchtlich ein.”