Eurozone-Industrie erlebt im Mai die sanfteste Talfahrt seit 15 Monaten
Eurozone-Industrie erlebt im Mai die sanfteste Talfahrt seit 15 Monaten
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie notiert im Mai bei 48.3 Punkten (Flash 47.8)
- Milderung erreicht alle von der Umfrage erfassten Länder
- Fortgesetzter Fall der Einkaufs- und Verkaufspreise verhindert Nachlassen des Deflationsdrucks
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Mai)
Deutschland 49.4 3-Monatshoch
Niederlande 48.7 3-Monatshoch
Österreich 48.2 3-Monatshoch
Spanien 48.1 24-Monatshoch
Italien 47.3 4-Monatshoch
Frankreich 46.4 13-Monatshoch
Griechenland 45.3 23-Monatshoch
Zum ersten Mal seit vier Monaten verlangsamte sich der Abwärtstrend der Eurozone-Industrie. Abgesehen vom Index Lieferzeiten verbesserten sich zudem alle Einzel-Indizes gegenüber ihrer Vorabschätzung. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) legte gegenüber dem Vier-Monatstief von April um 1.6 Punkte auf 48.3 zu und verbesserte sich damit im Mai auf ein 15-Monatshoch. Doch trotz des Anstiegs notiert er nunmehr den 22. Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
Für alle von der Umfrage erfassten Länder signalisierten die jeweiligen PMIs eine Verminderung der Wachstumseinbußen gegenüber dem Vormonat. Dank des ersten Anstiegs bei Produktion und Auftragseingang seit drei Monaten erreichte der PMI für die deutsche Industrie beinahe wieder die Stagnationsgrenze. Auch die Niederlande und Österreich mussten nur leichte Rückgänge hinnehmen. Am stärksten verbesserte sich der PMI für Spanien: Nach einem rekordverdächtigen Sprung landete er auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch Frankreich, Italien und Griechenland konnten sich auf der Punkteskala nach oben arbeiteten.
Auf den gesamten Euroraum betrachtet fielen die Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang geringer aus als noch im Vormonat: Die Hersteller senkten ihre Produktionsvolumina mit der niedrigsten Rate seit 15 Monaten und verzeichneten die geringsten Auftragseinbußen seit Juni 2011.
Die Produzenten führten die verminderten Bestelleingänge vor allem auf die schwächere Nachfrage auf den Binnenmärkten zurück. Die Exportgeschäfte der Eurozone hingegen stabilisierten sich im Monatsverlauf weitgehend. Spanien, die Niederlande und Österreich konnten bei den Exporten sogar wieder Zuwächse verbuchen, während sich der Rückgang in Deutschland verschwindend gering ausnahm.
Der Preisdruck ließ über die letzte Umfrageperiode hinweg weiter nach. Bei den Einkaufspreisen zeichnete sich der stärkste Fall seit Juli 2009 ab. Der ersten Verkürzung der Lieferzeiten seit acht Monaten war zu entnehmen, dass die Zulieferer im Mai über ungenutzte Kapazitäten verfügten, was dazu beitrug, dass sie den Herstellern Preisnachlässe auf viele Rohmaterialien und sonstige Waren einräumten. Einzig in Griechenland sahen sich die Produzenten mit höheren Kosten konfrontiert.
Gleichzeitig führte das Zusammenwirken von gesunkenen Kosten und schwacher Nachfrage – welche die Preismacht der Hersteller entsprechend einschränkte – zur stärksten Reduzierung der Verkaufspreise auf Industriewaren im Euroraum seit 40 Monaten. Preisnachlässe wurden in allen von der Umfrage erfassten Ländern gewährt.
Der Beschäftigungsabbau setzte sich im Euroraum den 16. Monat in Folge fort, keines der erfassten Länder konnte sich dem Trend widersetzen. Die stärksten Einschnitte wurden in Griechenland, Frankreich und Österreich vorgenommen. Doch auch in Spanien wurden zahlreiche Stellen abgebaut, wobei die Entlassungsrate jedoch gegenüber dem Vormonat erheblich abnahm.
Die aktuellen Aussichten für den Industriesektor sind recht durchwachsen. Positiv zu werten ist, dass die vom Konjunkturzyklus abhängige Quote Auftragseingang/Fertigwarenlager auf den geteilt höchsten Wert der vergangenen zwei Jahre anstieg. Bedenklich stimmt hingegen, dass die Hersteller sehr vorsichtige Entscheidungen trafen und deshalb ihre Einkaufsmengen sowie Vormaterial- und Fertigwarenbestände weiter reduzierten.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Obwohl sich der Abschwung der Eurozone-Industrie im Mai fortgesetzt hat, ist es beruhigend zu wissen, dass sich die Rückgangsrate erheblich verringert hat. Trotzdem ist der Industriesektor noch merklich von einer Stabilisierung entfernt und damit weiterhin eine Belastung für die Gesamtwirtschaft.
Der finale PMI übertraf zwar seine Vorabschätzung, jedoch legen die aktuellen Umfragedaten nahe, dass das BIP im zweiten Quartal um 0.2 % schrumpft und sich die Rezession der Eurozone auf sieben Quartale ausdehnt.
Die politischen Entscheidungsträger werden dennoch zufrieden sein, dass sich der Abwärtstrend nicht verschlimmert hat, die EZB wird daher auf ihrer Sitzung im Juni wohl keinen unmittelbaren Handlungsbedarf sehen. Erfreulich sind vor allem die Anzeichen für eine Stabilisierung in Deutschland und Exportzuwächse in Italien und Spanien, welche auch signalisieren, dass die Strukturreformen zu einer zunehmenden Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit führen.
Eine der Hauptproblemzonen bleibt nach wie vor Frankreich, dessen Wachstumseinbußen im bisherigen Jahresverlauf höher waren als in Spanien und Italien. Der anhaltend starke Beschäftigungsabbau und der tiefste Fall der Verkaufspreise seit dreieinhalb Jahren erinnern auch schmerzlich daran, dass das Land gegen eine drohende Rekordarbeitslosigkeit und zugleich gegen den Deflationsdruck ankämpfen muss.”