Eurozone im zweiten Quartal 2013 zwar weiter in der Rezession, Talfahrt verlangsamt sich im Mai jedoch leicht

Eurozone im zweiten Quartal 2013 zwar weiter in der Rezession, Talfahrt verlangsamt sich im Mai jedoch leicht



- Flash Eurozone Composite Index Produktion bei 47.7 (April 46.9); 3-Monatshoch
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 47.5 (April 47.0); 3-Monatshoch
- Flash Eurozone EMI™ Industrie bei 47.8 (April 46.7); 3-Monatshoch
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei 48.2 (April 46.5); 4-Monatshoch

Trotz der Verbesserung auf ein Drei-Monatshoch von 47.7 (April 46.9) zeigt der aktuelle Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, dass die Eurozone-Privatwirtschaft auch im Mai in der Rezession verharrte. Und da die Wirtschaftsleistung im Auftaktquartal 2013 bei einem dem Mai- Index ähnlichen Durchschnittswert um 0.2% geschrumpft ist, dürfte sich die Rezession in Q2/2013 das siebte Quartal in Folge fortsetzen. Die aktuelle Vorabschätzung basiert auf circa 85% der regulären Umfragerückmeldungen.

In beiden von der Umfrage erfassten Sektoren verlangsamte sich die Talfahrt im Mai. Die Industrieproduktion sank mit der niedrigsten Rate seit Januar, der Servicesektor schrumpfte langsamer als in den beiden Vormonaten.

Der hartnäckige Nachfragerückgang nach Industrieerzeugnissen und Dienstleistungen dürfte letztlich den Ausschlag dafür geben, dass die Rezession in der Eurozone wohl noch bis Juni andauern wird. So fielen die 22. Auftragsverluste in Folge insgesamt genauso stark aus wie im April.

Die Industrie verzeichnete zwar einen schwächeren Rückgang als im März und April, im Servicesektor vergrößerten sich die Auftragseinbußen jedoch wieder, nachdem sie sich im April verringert hatten.

In Deutschland und Frankreich liefen die Entwicklungen auch im Mai weit auseinander. So fiel der zweite Rückgang der Wirtschaftsleistung in Folge in Deutschland nur noch minimal aus, was auf eine Stabilisierung hindeutet. In Frankreich ging es mit der Wirtschaft im Mai unverändert steil bergab, wenngleich sich die Schrumpfungsrate gegenüber dem ersten Quartal 2013 abschwächte.

Außerhalb dieser beiden Länder fielen die Wachstumseinbußen so niedrig aus wie zuletzt im Juli 2011, wobei sich der Abwärtstrend sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor verlangsamte.

Die Beschäftigung wurde den 17. Monat in Folge und auch wieder stärker abgebaut als im März und April. Ausschlaggebend hierfür war die anhaltende Auftragsflaute. Und auch die Auftragsbestände nahmen im Mai wie bereits seit knapp zwei Jahren ab, wobei der Rückgang fast genauso stark ausfiel wie in den zurückliegenden vier Monaten.

Sowohl in der Eurozone-Industrie als auch im Eurozone-Servicesektor wurden im Berichtsmonat Stellen gestrichen, ja selbst in Deutschland kam es erstmals seit Januar per Saldo wieder zu einem Beschäftigungsrückgang. In Frankreich verlangsamte sich der Jobabbau zwar, er blieb aber stark. Außerhalb dieser beiden Länder fiel der Jobabbau schwächer aus als in den zurückliegenden elf Monaten.

Die Verkaufspreise wurden so stark reduziert wie seit Juli 2012 nicht mehr. Ausschlaggebend hierfür waren die stärksten Preissenkungen im Industriesektor seit Januar 2010. Und auch die Dienstleister ermäßigten ihre Angebotspreise im Mai.

Die Einkaufspreise blieben hingegen zum zweiten Mal hintereinander weitgehend unverändert, nachdem sie in den Vormonaten noch gestiegen waren. Im Servicesektor legte die Kostenbelastung zu, in der Industrie ging sie wegen des Preisverfalls bei Rohstoffen so deutlich zurück wie zuletzt im Juli 2009.

Im Servicesektor sanken die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit letztem Dezember. In Deutschland, Frankreich und in den übrigen Ländern ging der Optimismus spürbar zurück.

Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

“Die zweite Rezession der Eurozone in fünf Jahren scheint sich ins siebte Quartal zu verlängern. Obwohl sich der Eurozone Composite PMI im Mai zum zweiten Mal in Folge verbesserte, verharrte er dennoch tief im Keller und deutet darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung in der Währungsunion im zweiten Quartal 2013 ähnlich stark schrumpfen dürfte wie mit 0.2% im Auftaktquartal 2013.

Die Schwäche hat alle Länder im Griff: Deutschland stagniert, mit Frankreich geht es steil bergab, und auch die übrigen Länder stecken weiter in Besorgnis erregendem Ausmaß in der Krise, obwohl hier im Mai erste Anzeichen einer Milderung zu erkennen waren.

Deflationäre Tendenzen waren ebenso klar ersichtlich – ein untrügliches Kennzeichen dafür, wie ausgeprägt die Nachfrageschwäche derzeit ist. Industrie- und Serviceunternehmen reduzierten ihre Verkaufs- bzw. Angebotspreise gleichermaßen in der schieren Hoffnung, die Umsätze anzukurbeln.

Es scheint, als habe die 0,25-prozentige Zinssenkung der EZB kaum dazu beigetragen, die Zuversicht auf eine in Schwung kommende Konjunktur anzuregen. Vielmehr haben sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor weiter verschlechtert, was darauf hindeutet, dass es bis zu einem tatsächlichen Aufschwung noch ein weiter Weg sein dürfte und sich die politischen Entscheidungsträger noch ordentlich ins Zeug legen müssen, um der Talfahrt Einhalt zu gebieten und dem Wachstum wieder neues Leben einzuhauchen.“