Abwärtstrend der Eurozone-Industrie beschleunigt sich zu Beginn des zweiten Quartals

Abwärtstrend der Eurozone-Industrie beschleunigt sich zu Beginn des zweiten Quartals



- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie rutscht im April mit 46.7 auf 4-Monatstief (Flash 46.5)
- Deutsche Produktion sinkt erstmals seit Jahresbeginn, Produktionsabbau in anderen Ländern setzt sich fort
- Beschäftigung im Euroraum nimmt ab, Ende der kurzlebigen Erholung auf dem deutschen und österreichischen Arbeitsmarkt

Die Eurozone-Industrie hat keinen erfolgreichen Start in das zweite Quartal 2013 hingelegt: Seit Beginn des Jahres ging es in keinem anderen Monat so schnell mit der Konjunktur bergab wie im April. Dies zeigt der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI), der binnen Monatsfrist um 0.1 Punkte auf einen Jahrestiefstwert von 46.7 sank. Zwar übertraf der Finalindex die Vorabschätzung von 46.5 um 0.2 Punkte, dennoch verweilt er bereits den 21. Monat in Folge im Schrumpfungsbereich.

Alle von der Umfrage erfassten Euroländer mussten im April Einbußen hinnehmen. In Deutschland, Irland und Österreich beschleunigte sich die Talfahrt, in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und Griechenland verlangsamte sie sich hingegen.

Die Produktion der Eurozone wurde im April noch weiter gedrosselt als in den drei Vormonaten. Selbst die deutschen Hersteller fuhren diesmal ihre Fertigungsvolumen saldiert zurück, in den anderen Ländern hielt der Negativtrend weiter an. Die Quote Auftrageingang/Fertigwarenlager sank auf ein Vier-Monatstief und signalisierte damit, dass auch für die nächsten Monate keine großen Produktionssteigerungen zu erwarten sind.

Die Kaufzurückhaltung der Kunden belastet nach wie vor die Nachfrage auf den Binnen- und Exportmärkten, weshalb sich auch der Auftragseingang der Unternehmen weiter verringert hat. Die Rückgangsrate blieb zwar insgesamt gegenüber dem Drei-Monatstief von März weitgehend unverändert, auf den Exportmärkten stieg sie jedoch auf ein Vier-Monatshoch. Italien war das einzige Land, das seine Ausfuhr zumindest geringfügig zu steigern vermochte. Als Hauptgrund für die Exporteinbußen lässt sich das verminderte Handelsaufkommen zwischen den einzelnen Euroländern anführen. Doch abgesehen von einer begrenzten Nachfragebelebung in den USA und China blieben auch außerhalb der Eurozone die Marktbedingungen hart und der Konkurrenzdruck hoch.

Auf den allgemeinen Nachfragerückgang und den damit verbundenen verminderten Produktionsbedarf reagierten die Hersteller mit weiteren Stellenstreichungen. Damit setzt sich der Beschäftigungsabbau den 15. Monat in Folge fort. Die Industrieunternehmen verfügten dennoch über Kapazitätsüberhänge, so dass die Auftrags-bestände mit der höchsten Rate seit Jahresbeginn abnahmen.

Der Jobabbau beschleunigte sich in Frankreich und Italien, die meisten Entlassungen verzeichneten aber Spanien und Griechenland. Auch in Deutschland und Österreich wurden im April wieder Arbeitsplätze gekürzt, nachdem im März noch geringfügig neue Stellen geschaffen worden waren. Damit hat sich in beiden Ländern die Erholung auf dem Arbeitsmarkt als kurzlebig erwiesen.

Der allgemeine Preisdruck ließ im April nach: Sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise senkten sich gegenüber dem Vormonat. Die Verkaufspreise verringerten sich sogar so deutlich wie seit Januar 2010 nicht mehr, da aufgrund der weiterhin angespannten Marktlage ein zunehmender Preiswettbewerb zwischen den Unternehmen herrscht.

Bei den Einkaufspreisen wurde die höchste Rückgangsrate seit August 2009 verzeichnet, nachdem die Nachfrage nach Rohmaterialien und anderen Gütern gesunken war. Die verringerte Einkaufstätigkeit und der fortgesetzte Lagerabbau seitens der Hersteller dürften die Konjunkturentwicklung der nächsten Monate negativ beeinflussen.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Der PMI für die Industrie der Eurozone ist im April weiter gefallen und deutet darauf hin, dass der Industriesektor zu Beginn des zweiten Quartals mit einer Rate von 0,5 % auf Quartalsbasis geschrumpft ist. Dass der PMI seine Vorabschätzung leicht übertroffen hat, bietet da nur einen schwachen Trost.

Es sieht daher so aus, als würde der produzierende Sektor zu einem zunehmenden Problem für die Gesamtwirtschaft, wodurch auch die Gefahr eines verstärkten BIP-Rückgangs im zweiten Quartal zunimmt.

Keinerlei Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Lage der Hersteller bald stabilisieren könnte. Damit wächst die Verantwortung der politischen Entscheidungsträger, durch zügiges Handeln eine Konjunkturbelebung herbeizuführen.

Die Verkaufspreise sind im April mit der höchsten Rate seit Anfang 2010 gefallen, was sehr unterschiedliche Signale auslöst. Aus Sicht der Politiker lässt sich der Preisrückgang durchaus als positiv bewerten, da er Wirtschaftsanreizen durch die Zentralbank den Boden bereitet. Allerdings zeigt der Preisverfall auch auf beunruhigende Weise, wie stark mittlerweile die Preismacht der Unternehmen nachgelassen und die Deflation zugenommen hat, und wie sehr die Nachfrage in den letzten Monaten eingebrochen ist.”