Fortschritte in Italien

Fortschritte in Italien



In der Eurozone entwickelten sich die Einkaufsmanagerindizes für den Monat April schwächer als erwartet. So verschlechterte sich der Index für das Produzierende Gewerbe auf 46,5 Punkte (März: 46,8 Punkte). Der entsprechende Index für den Dienstleistungsbereich stieg geringfügig auf 46.6 Punkte. Werte unter der 50-Punkte-Marke deuten auf Kontraktion hin und beide Indizes liegen seit Sommer 2011 unter diesem Wert. Auch in Deutschland waren die Stimmungsindikatoren schwach. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch der Ifo-Index blieben unter den Erwartungen und waren rückläufig. Die ersten offiziellen Staatsverschuldungskennzahlen des Jahres 2012 zeigen für die Eurozone erstmals einen Wert von über 90% des Bruttoinlandprodukts (90,7%). Der entsprechende Wert für die gesamte Europäische Union liegt bei 85,4%. Griechenland weist nach wie vor die bei weitem höchste Verschuldungsquote auf (156,9%), gefolgt von Italien (127,0%). Griechenland ist neben Dänemark allerdings der einzige Mitgliedsstaat der Europäischen Union der seine Verschuldungsquote senken konnte. Österreichs Staatsschulden entsprachen zum Jahresende 2012 73,4% des Bruttoinlandsprodukts. Eine ganze Reihe von Eurozonenländern wies nach endgültigen Berechnungen im vergangenen Jahr Fiskaldefizite auf, die höher waren als ursprünglich angenommen oder angestrebt. Dazu gehören die Krisenländer Spanien mit einem Defizit von 10,6% des Bruttoinlandsprodukts (ursprünglich: 10,2%), Griechenland mit 10,0% (ursprünglich: 6,6%) und Portugal mit 6,4% (ursprünglich: 5,0%), aber auch Frankreich mit einem Defizit von 4,8% (ursprünglich: 4,5%). Österreichs Fiskaldefizit lag mit 2,5% deutlich unter dem der gesamten Eurozone, das 3,7% der Wirtschaftsleistung betrug.

Sowohl bei den deutschen Bundesanleihen als auch bei den US-Staatsanleihen näherten sich die Renditen zwischenzeitlich einem Jahrestief an ohne es allerdings zu erreichen. Im Wochenvergleich schlossen sie fast unverändert. Sehr stark entwickelten sich hingegen die Rentenmärkte in der Eurozonenperipherie. Besonders gestiegen sind die Kurse in Italien. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Benchmarkanleihe ist erstmals seit 2010 unter die Marke von 4,0% gefallen. Neben der aufkeimenden Hoffnung auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank haben sich hier positive Entwicklungen in der politischen Arena bemerkbar gemacht. So hat Staatspräsident Napolitano den stellvertretenden Vorsitzenden der Partito Democratico, Enrico Letta, mit der Regierungsbildung beauftragt. Ihm wird zugetraut, erstens eine Regierung zu bilden und zweitens den unter der Regierung Monit begonnenen Sanierungskurs fortzusetzen. Der geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank tagt nächste Woche am Donnerstag. Eine Änderung des Zinssatzes für Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der aktuell bei 0,75% liegt, ist angesichts der schwächeren Konjunkturdaten wahrscheinlicher geworden. Besonders wirksam wäre auch eine Senkung des Zinssatzes für die Einlagenfazilität. Dieser liegt aber bereits bei 0,0% und die Zentralbank hat schon öfter Bedenken geäußert, mit einem negativen Zinssatz bisher unbekanntes Territorium zu beschreiten. Die Aktienkurse konnten in den letzten Tagen mehrheitlich zulegen. Dies betraf vor allem europäischen Werte, wo die Hoffnung auf eine Senkung des Leitzinses die Kurse beflügelte. Während in den USA bereits zahlreiche Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben, gewinnt die Berichtssaison in Europa in den nächsten Tagen deutlich an Fahrt. Auch einige wichtige Konjunkturdaten (USA: Einkaufsmanagerindex) sowie die Zinsentscheidungen der Zentralbanken werden das Marktgeschehen beeinflussen. Mit einigen Impulsen vor allem von den anstehenden Unternehmenszahlen erwarten wir in den nächsten Tagen mehrheitlich etwas steigende Aktienkurse. Zusätzlich würde eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank die Märkte unterstützen.