Beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im März aufgrund annähernder Stagnation in Deutschland
Beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im März aufgrund annähernder Stagnation in Deutschland
- Finaler Eurozone Composite Index: 46.5 (Flash 46.5, Februar 47.9)
- Finaler Eurozone Service-Index: 46.4 (Flash 46.5, Februar 47.9)
- Deutschland verzeichnet nur noch hauchdünnes Wachstumsplus
Mit 46.5 bestätigt der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) die Vorabschätzung und signalisiert damit, dass sich die Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im März den zweiten Monat in Folge beschleunigt hat. Die Wachstumseinbußen fielen wieder so stark aus wie zuletzt im November 2012. Bis auf Januar 2012 notiert der Composite PMI nun bereits seit 19 Monaten ununterbrochen unter der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten.
Mit dem stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit vier Jahren war Frankreich im März Schlusslicht, und auch in Spanien und Italien ging es steil bergab (wenngleich sich die Schrumpfungsrate in Italien minimal abschwächte).
Deutschland hielt sich nur knapp im positiven Bereich und verzeichnete annähernde Stagnation. Nach Sektoren sanken die Geschäftstätigkeit im Servicesektor und die Industrieproduktion im März mit annähernd gleicher Rate, und in beiden Fällen notierten die jeweiligen Indizes auf den tiefsten Werten seit Ende letzten Jahres.
Der Gesamtauftragseingang wies die höchsten Verluste seit Dezember aus. Im Servicesektor sank der Index Neuaufträge auf den tiefsten Wert seit September, in der Industrie auf den tiefsten Wert seit Ende letzten Jahres. Deutschland verbuchte erstmals seit drei Monaten wieder ein Minus, während in Frankreich, Italien und Spanien starke Rückgänge zu verzeichnen waren.
Rangliste nach Composite Output Index (März):
Irland 50.8 8-Monatstief
Deutschland 50.6 3-Monatstief
Italien 44.9 2-Monatshoch
Spanien 44.8 3-Monatstief
Frankreich 41.9 48-Monatstief
Ungeachtet der verstärkten Wachstums- und Auftragsrückgänge verlangsamte sich der 15. Jobabbau in Folge ein weiteres Mal. Der entsprechende Index notiert aktuell auf einem 9- Monatstief.
Aus Deutschland wurde der erste Personalzuwachs seit sieben Monaten gemeldet. In Frankreich, Italien und Spanien verlangsamte sich der Beschäftigungsabbau.
Der 12. Rückgang der Verkaufspreise in Folge fiel annähernd so kräftig aus wie im Vormonat. Die Einkaufspreise legten hingegen abermals zu, wenngleich der Preisauftrieb so schwach ausfiel wie zuletzt im Juli 2012.
Servicesektor:
Der Index Geschäftstätigkeit im Servicesektor gab binnen Monatsfrist 1.5 Punkte auf 46.4 nach und notiert damit auf dem tiefsten Wert seit letztem Oktober. Der Flash wurde um 0.1 Zähler unterschritten.
Damit schrumpfte der Servicesektor zum 14. Mal hintereinander, was den Befragten zufolge vor allem auf die höchsten Auftragsverluste seit September 2012 zurückzuführen war.
Die Geschäfte der deutschen Dienstleister stagnierten im März weitgehend, hier sank der entsprechende Index auf ein Vier-Monatstief. Der französische Servicesektor schrumpfte hingegen so stark wie seit Februar 2009 nicht mehr. In Spanien und Italien schwächte sich die Talfahrt der Servicesektoren zwar jeweils ab, die Indizes notierten jedoch nach wie vor auf historisch niedrigen Werten.
Entgegen des Flash und trotz der Besorgnis hinsichtlich der Zypernkrise gegen Monatsende verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist wieder und erreichten ein Zwei- Monatshoch. In Deutschland kletterte der Index auf ein 21-Monatshoch, in Italien und Spanien auf ein 12- bzw. 11-Monatshoch. Die französischen Dienstleister blicken hingegen so pessimistisch auf die Geschäftsentwicklung der kommenden zwölf Monate wie seit über vier Jahren nicht mehr.
Der 15. Jobabbau in Folge verlangsamte sich weiter und fiel so schwach aus wie zuletzt im August 2012. In Deutschland erreichte der Jobindex ein 7- Monatshoch, in Frankreich, Italien und Spanien verlangsamte sich der Jobabbau gegenüber Februar.
Wegen günstigerer Vormaterialen und teilweise auch niedrigerer Lohnkosten legten die durchschnittlichen Einkaufspreise im März mit der schwächsten Rate seit Juli 2010 zu. Folglich konnten die Unternehmen ihre Angebotspreise zum 16. Mal hintereinander reduzieren. Lediglich in Deutschland wurden die Angebotspreise leicht angehoben.
Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Die Wachstumseinbußen im März komplettieren ein weiteres Quartal rückläufiger Wirtschaftsleistung in der Eurozone. Zwar dürfte das Minus in Q1/2013 weniger gravierend ausfallen als mit 0.6% im Schlussquartal 2012, kritisch bleibt jedoch, dass sich die Talfahrt weiter fortgesetzt hat.
Verstärkt hat sich die anhaltende Rezession aus Unternehmenssicht durch die Verunsicherung auf Grund der Schuldenkrise und politischen Instabilität. Das unklare Wahlergebnis in Italien hat dem Ausblick laut Befragten im März eindeutig geschadet, und auch der verpfuschte Rettungsplan für Zypern wirkte sich negativ auf das Geschäftklima aus.
Italien und Spanien steckten im März noch immer Tief in der Krise, Frankreich sackte in beschleunigtem Tempo ab und auch in Deutschland kam das Wachstum fast zum Erliegen – was bedeutet, dass sich auch der letzte Hoffnungsschimmer zu verflüchtigen beginnt.