Eurozone-Industrie verzeichnet im März verstärkte Wachstumseinbußen infolge des verbreiteten Konjunkturabschwungs

Eurozone-Industrie verzeichnet im März verstärkte Wachstumseinbußen infolge des verbreiteten Konjunkturabschwungs



- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie sinkt im März mit 46.8 auf 3-Monatstief (Flash 46.6)
- Verstärkte Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang und Exportbestellungen sorgen für weiteren Jobabbau
- PMIs verschlechtern sich in allen Ländern; Deutschland schrumpft moderat, Frankreich, Spanien und Italien hingegen stark

Die Talfahrt der Eurozone-Industrie hat sich im März weiter beschleunigt. Dies zeigt der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI), der binnen Monatsfrist um 1.1 Punkte auf ein Drei- Monatstief von 46.8 sank. Seit August 2011 verharrt der Index nun bereits ununterbrochen unter der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten.

Obwohl der Finalindex die Vorabschätzung (46.6) übertrifft und der Indexdurchschnitt für das 1. Quartal 2013 mit 47.5 so gut ausfällt wie zuletzt vor genau einem Jahr, hat sich die Industriekonjunktur im einheitlichen Währungsgebiet im März weiter verschlechtert. Deutschland und Irland vermeldeten neuerliche Wachstumseinbußen, während sich die Talfahrt in allen übrigen von der Umfrage erfassten Ländern bis auf Frankreich beschleunigte.

Frankreich steckt jedoch nach wie vor tief in der Krise, und nur in Griechenland ist die Lage noch düsterer.

Die Produktion wurde stärker zurückgefahren als in den beiden Vormonaten, was an den abermals hohen Verlusten beim Neugeschäft lag. Bis auf die Stagnation in Deutschland sank die Produktion in allen anderen von der Umfrage erfassten Ländern.

Der 22. Auftragsrückgang in Folge fiel so stark aus wie seit Dezember nicht mehr. Bergab ging es der Umfrage zufolge mit der Binnen- und Exportnachfrage gleichermaßen, was mit dem schwachen Kundenvertrauen begründet wurde. Verschlechtert hat sich auch der Ausblick für den Industriesektor, was am Drei-Monatstief der Quote Auftrageingang/ Fertigwarenlager zu erkennen ist.

Zwar hat den Befragten zufolge die Nachfrage aus Nordamerika und Südasien weiter angezogen, doch machte der immer schwächere Handel innerhalb der Eurozone den Unternehmen schwer zu schaffen. Folglich schrumpften auch die Exportneuaufträge wieder, nachdem sie im Februar erstmals seit 20 Monaten wieder minimal zugelegt hatten.

Lediglich die Niederlande und Italien vermeldeten ein Plus beim Exportneugeschäft. In Deutschland schlug nach dem robusten Zuwachs im Februar ein leichtes Minus zu Buche, und auch in Irland und Spanien ging es mit den Auslandsbestellungen erstmals seit sechs Monaten wieder bergab. In Frankreich und Österreich vergrößerten sich die Exportverluste, in Griechenland schwächten sie sich hingegen stark ab.

Der Jobabbau setze sich im März zum 14. Mal hintereinander fort. Starke Rückgänge vermeldeten neben Frankreich auch Italien, Spanien, die Niederlande, Irland und Griechenland. In Deutschland und Österreich wurden hingegen nach dem Stellenabbau im Vormonat per Saldo wieder neue Arbeitsplätze geschaffen. In Deutschland war dies das erste Plus seit sechs Monaten, in Österreich erreichte der Jobaufbau sogar ein 11- Monatshoch.

Die Einkaufs- und Verkaufspreise sanken im März gleichermaßen. Die Einkaufspreise gaben so stark nach wie zuletzt im Juli 2012, die Verkaufspreise gingen nur minimal, jedoch den dritten Monat in Folge zurück.

Die Lagerbestände wurden im März erneut abgebaut. So sanken die Fertigwarenlager und die Einkaufsmenge.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Der Eurozone-Industriesektor dürfte die Konjunktur im ersten Quartal 2013 belastet haben. Überdies ist mit der beschleunigen Talfahrt im März das Risiko eines verstärkten Abschwungs im zweiten Quartal 2013 gestiegen.

“Laut aktueller Umfrage ist Lage im gesamten Währungsgebiet enttäuschend. So ging es mit den Industriesektoren im März in nahezu allen Ländern verstärkt bergab, und sogar in Deutschland und Irland mussten die Branchenakteure wieder Wachstumseinbußen hinnehmen.

Wie die Unternehmen berichteten, wurde die anziehende Nachfrage aus Asien und den USA von der neuerlichen Nachfrageschwäche innerhalb der Eurozone infolge des verschlechterten Geschäfts- und Konsumklimas überkompensiert.

Es ist in gewisser Hinsicht zwar beruhigend, dass die Zypernkrise keine direkten negativen Auswirkungen auf die Konjunktur nach sich gezogen hat (was der gegenüber der Vorabschätzung leicht höhere Finalwert des PMI zeigt).

Es bleibt aber die Sorge, dass das jüngste Kapitel in der Krise der Eurozone der Nachfrage im April geschadet haben dürfte.”