Beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im Februar

Beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im Februar



Nachdem sich die Talfahrt der Eurozone- Privatwirtschaft in den letzten drei Monaten verlangsamt hatte, beschleunigte sie sich im Februar wieder. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 1.3 Punkte auf 47.3 sank. Bis auf das minimale Wachstum im Januar 2012 schrumpft die Wirtschaftsleistung der Eurozone nun bereits seit eineinhalb Jahren.

Immerhin notiert der Index über dem bisherigen Nachkrisentief von letztem Oktober, und auch der Indexdurchschnitt für das erste Quartal 2013 fällt bislang nicht so schlecht aus wie im Schlussquartal 2012.

Beschleunigt hat sich der Abwärtstrend sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor, wenngleich die Entwicklungen auf Länderebene erneut weit auseinander liefen. Deutschland vermeldete den dritten Monat in Folge Wachstum, allerdings mit verlangsamtem Tempo. Frankreich sackte noch tiefer in die Rezession ab und sah sich im Februar mit den höchsten Wachstumseinbußen seit März 2009 konfrontiert. Mit den übrigen Eurozone- Ländern ging es ebenfalls stärker bergab als in den beiden Vormonaten, wenngleich die Talfahrt hier im Durchschnitt weniger gravierend ausfiel als in Frankreich.

Auftragseingang und Beschäftigung

Nachdem sich die Auftragsverluste im Januar so stark verringert hatten wie seit elf Monaten nicht mehr, vergrößerten sie sich im Februar wieder. Allerdings fiel das 19. Minus in Folge weniger gravierend aus als in den meisten Vorjahresmonaten. In der Industrie schlug der schwächste Auftragsrückgang seit 20 Monaten zu Buche, im Servicesektor herrschte hingegen ein noch größerer Auftragsmangel vor als im Januar, hauptsächlich infolge der starken Abhängigkeit von der jeweiligen Binnennachfrage. Infolge der anziehenden Nachfrage aus den USA und Asien verbuchte die Industrie erstmals seit Juni 2011 wieder ein Plus bei den Auslandsbestellungen.

Deutschland lag bei den Exportzuwächsen an der Spitze, in Frankreich verringerten sich die Exportverluste, und in den übrigen Ländern wurde im Durchschnitt ein minimales Plus verzeichnet.

Der 14. Jobabbau in Folge verlangsamte sich und fiel insgesamt schwächer aus als im Januar. In Deutschland und Frankreich wurden weniger Stellen abgebaut als im Vormonat, in den übrigen Ländern beschleunigte sich der Jobabbau gegenüber Januar hingegen im Durchschnitt.

Preise

Der Anstieg der Einkaufspreise fiel so schwach aus wie zuletzt im Juli 2012. Ausschlaggebend hiefür war der erste Rückgang der Rohstoffpreise in der Industrie seit sechs Monaten. Die Verkaufspreise wurden mit der niedrigsten Rate seit letztem Mai reduziert. Dass sich beide Raten im Februar annäherten deutet darauf hin, dass der Druck auf die operativen Margen nachgelassen haben dürfte.

Geschäftsaussichten

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist trübten sich im Eurozone-Servicesektor gegenüber dem Acht-Monatshoch von Januar insgesamt wieder ein.

Die deutschen Dienstleister zeigten sich im Februar hingegen so optimistisch wie seit 20 Monaten nicht mehr.

In der Industrie erreichte der Frühindikator Quote Auftragseingang/ Fertigwarenlager den höchsten Wert seit Mitte 2011. Dies deutet darauf hin, dass eine zunehmende Anzahl an Firmen ihre Produktion im März wieder hochfahren dürfte.

Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

“Dass sich die Talfahrt der Eurozone im Februar wieder beschleunigt hat, ist eine Enttäuschung und deutet darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung in der Währungsregion im Auftaktquartal 2013 zum vierten Mal in Folge schrumpfen dürfte.

Allerdings dürfte der BIP-Rückgang in Q1/2013 mit wahrscheinlich 0.2-0.3% weniger gravierend ausfallen als mit 0.6% in Q4/2012.

Die Detailergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass sich die Kluft innerhalb der Eurozone im Februar weiter vertieft hat. Frankreich und Deutschland liegen aktuell so weit auseinander wie nie seit Beginn der PMI-Umfragen im Jahr 1998. Deutschland dürfte im ersten Quartal wahrscheinlich um 0.4% wachsen und sich damit zügig von dem 0.6-prozentigen Einbruch seiner Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2012 erholen. Frankreichs Rezession dürfte sich hingegen weiter verschärfen, womit sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone eher der miserablen Entwicklung der Peripherieländer annähert als der neuerlichen Wachstumslokomotive Deutschland. “