Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft verlangsamt sich im Januar, aber nationale Unterschiede vergrößern sich weiter
Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft verlangsamt sich im Januar, aber nationale Unterschiede vergrößern sich weiter
- Finaler Eurozone Composite Index: 48.6 (Flash 48.2, Dezember 47.2)
- Finaler Eurozone Service-Index: 48.6 (Flash 48.3, Dezember 47.8)
Mit 48.6 legte der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) binnen Monatsfrist um 1.4 Punkte zu und übertraf auch die Vorabschätzung um 0.4 Zähler. Abgeschwächte Geschäftsrückgänge werden mittlerweile seit drei Monaten verzeichnet.
Die Einbußen bei Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor fielen im Januar jeweils so schwach aus wie seit letzten März nicht mehr. Auf Auftragsseite kam es zu den geringsten Rückgängen seit Februar 2012. Weiterhin markanter waren die Ordereinbußen jedoch in der Industrie.
In den vier bedeutendsten Ländern der Eurozone liefen die Entwicklungen weit auseinander: Starkes Wachstum in Deutschland kontrastierte mit anhaltenden Wachstumseinbußen in Frankreich, Italien und Spanien. Da Frankreichs Wirtschaftsleistung so stark schrumpfte wie zuletzt im März 2009, lagen die Composite-Indizes Deutschlands und Frankreichs im Januar so weit auseinander wie nie in der bisherigen Umfragegeschichte. Auch in Italien beschleunigte sich die Talfahrt leicht, während sie sich in Spanien spürbar verlangsamte.
Deutschland konnte erstmals seit elf Monaten wieder ein Auftragsplus verzeichnen. Gleichzeitig schwächte sich die Orderflaute in Frankreich, Italien und Spanien ab.
Rangliste nach Composite Output Index (Jan):
Irland 54.9 2-Monatshoch
Deutschland 54.4 19-Monatshoch
Spanien 46.5 19-Monatshoch
Italien 45.4 2-Monatstief
Frankreich 42.7 46-Monatstief
Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:
„Angesichts der spürbar abgeschwächten Talfahrt war die Eurozone im Januar weiter auf dem Weg der Erholung und näherte sich der Stabilisierung im ersten Quartal 2013 sogar deutlich an.
Allerdings ist die Kluft zwischen der Wachstumslokomotive Deutschland und dem schwächelnden Frankreich momentan so groß wie nie seit Umfragebeginn 1998. Deutschland wartete im Januar mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit knapp eineinhalb Jahren auf, während Frankreich so tief in der Krise steckte wie seit fast vier Jahren nicht mehr und damit sogar noch erheblich schlechter abschnitt als Spanien und Italien.
Angesichts verringerter Auftragsverluste in Frankreich, Italien und Spanien und neuerlicher Zuwächse in Deutschland hat sich die Nachfrageperspektive jedoch im gesamten Währungsgebiet zusehends aufgehellt.“
Servicesektor und Industrie kombiniert
Am Eurozone-Arbeitsmarkt war die Lage im Januar weiter prekär. So fiel der 13. Jobabbau in Folge insgesamt so stark aus wie zuletzt vor über drei Jahren. Lediglich in Irland legte die Beschäftigung zu, in Deutschland kam es nur noch vereinzelt zu Entlassungen. In Frankreich, Italien und Spanien beschleunigte sich der Stellenabbau gegenüber Dezember hingegen nochmals.
Die Verkaufspreise wurden zum zehnten Mal hintereinander reduziert, jedoch mit der niedrigsten Rate seit fünf Monaten. Nur in Deutschland konnten die Verkaufspreise den vierten Monat in Folge moderat angehoben werden. In den übrigen Ländern wurden die Verkaufspreise trotz steigender Einkaufspreise weiter herabgesetzt.
Servicesektor:
Mit aktuell 48.6 nach 47.8 Punkten im Dezember signalisiert der finale Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit die niedrigsten Einbußen seit zehn Monaten. Der 12. Rückgang in Folge fiel auch schwächer aus als von der entsprechenden Vorabschätzung angezeigt.
In Frankreich schrumpfte der Servicesektor so stark wie zuletzt im März 2009, in Italien so zügig wie seit Juli 2012 nicht mehr. Spanien vermeldete hingegen die schwächsten Geschäftseinbußen seit Beginn der Talfahrt vor 19 Monaten. Der deutsche Servicesektor verzeichnete die höchste Wachstumsrate seit 19 Monaten, und Irland wartete mit dem stärksten Geschäftswachstum seit fast fünfeinhalb Jahren auf.
Die Auftragsverluste der Dienstleister fielen im Januar insgesamt so niedrig aus wie zuletzt vor zehn Monaten. Frankreich, Italien und Spanien verbuchten jeweils abgeschwächte Rückgänge, Deutschland und Irland vermeldeten robuste Zuwächse.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich insgesamt auf ein Acht-Monats-hoch. In allen von der Umfrage erfassten Servicesektoren wird bis Jahresende 2013 mit Geschäftszuwächsen gerechnet, der Ausblick hat sich überall aufgehellt.
Der 13. Jobabbau in Folge fiel im Januar stärker aus als in drei Vormonaten. Beschleunigt hat sich der Stellenabbau in Frankreich, Italien und Spanien. In Irland kam es hingegen unterm Strich zu so vielen Neueinstellungen wie seit März 2007 nicht mehr, und auch in Deutschland legte die Beschäftigung zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Monate leicht zu.
Die erneuten Wachstumseinbußen und die Nachfrageschwäche waren dafür verantwortlich, dass die Angebotspreise – trotz kräftig steigender Einkaufspreise – abermals reduziert werden mussten. Lediglich in Deutschland konnten die Angebotspreise im Januar angehoben werden.